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Cybermobbing: Wenn Handy und Internet für Rachefeldzüge missbraucht werden

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Cyber-Mobbing  

Wenn Handy und Internet für Rachefeldzüge missbraucht werden

27.07.2010, 12:37 Uhr | ots

Cybermobbing: Wenn Handy und Internet für Rachefeldzüge missbraucht werden. Mädchen betrachtet wütend ihr Handy.

Cyber-Mobbing: Immer mehr Jugendliche sind betroffen. (Bild: Imago) (Quelle: imago)

Problem "Cyber-Mobbing" und "Cyberbullying": Immer mehr Jugendliche nutzen das Internet oder das Handy, um Hasstiraden gegen Mitschüler zu transportieren oder Intimitäten von anderen zu verbreiten.

Jugendliche werden Täter - aus Angst, Opfer zu werden

"Cyberbullying bekommt zunehmend den Charakter einer Trophäenjagd. Nach dem Motto: Wer kann mit Bildern aufwarten, die andere noch mehr bloßstellen", warnt die Professorin Petra Grimm, Medienwissenschaftlerin an der Hochschule für Medien in Stuttgart, in der August-Ausgabe des Magazins "Reader's Digest". In einer repräsentativen Studie unter 804 Schülern im Bundesgebiet fand Grimm heraus, dass 42,5 Prozent der Befragten schon einmal problematische Handyfilme oder -fotos gesehen hatten. Ein Teil der Jugendlichen, die schon mit Cyberbullying konfrontiert waren, betonten in der Umfrage, es sei ihnen wichtig, nicht selbst gemobbt zu werden. "Das heißt, sie werden zu Tätern - aus Angst, sonst selbst zu den Opfern zu gehören", erklärt Grimm.

Aus harmlosen Fotos werden Pornobilder

Kinder und Jugendliche benutzen Internet und Handy, um Kameraden in Misskredit zu bringen. Häufig würden zum Beispiel völlig harmlose Bilder bearbeitet, in dem ein Gesicht mittels Bildbearbeitungsprogramm auf den Körper eines Pornostars montiert wird. In anderen Fällen werden Schüler beim Umkleiden gefilmt. Manchmal sei dies als Spaß gedacht, immer wieder werde so etwas aber auch als Druckmittel genutzt.

Niedrige Hemmschwelle

"Auch Rache ist ein häufiges Motiv", sagt Dr. Catarina Katzer, Sozialpsychologin aus Köln und Leiterin internationaler Forschungsprojekte zu diesem Thema. Der Mangel an Mitgefühl führe zu niedrigen Hemmschwellen. Katzer beklagt, dass viele Jugendliche die Macht der modernen Kommunikationswege noch immer völlig unterschätzen würden. "Es ist eben nicht so, dass diese Bilder nur bei denjenigen landen, an die sie adressiert sind. Mit einem einzigen Tastendruck lassen Informationen sich nicht nur klassen- oder schul-, sondern möglicherweise sogar weltweit verbreiten."

95 Prozent der über Zwölfjährigen besitzen ein Handy

Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, dass die modernen Kommunikationsmittel mittlerweile den Alltag der Jugendlichen bestimmen. Demnach haben 50 Prozent der Sieben- bis Zwölfjährigen und 95 Prozent der über Zwölfjährigen in Deutschland bereits ein Mobiltelefon, das heute fast immer auch eine Kamera enthält.

Mobiltelefone als Teil des Körpers

Hinzu kommt, dass 90 Prozent der über Zwölfjährigen inzwischen täglich ins Internet gehen; die meisten wissen zudem, wie eine Webcam funktioniert. Vor allem Mobiltelefone würden aus Sicht von Medienwissenschaftlerin Grimm von den Jugendlichen längst "als persönlicher Schatz, als Teil des eigenen Körpers" wahrgenommen. Über soziale Netzwerke wie Facebook oder SchülerVZ seien die Jugendlichen fast pausenlos "auf Sendung".

Was Eltern tun können

Experten raten, dass Eltern mit ihren Kindern gemeinsam einen Chatroom besuchen sollten, um dort nach Bildern von Bekannten zu suchen. Auf diese Weise könnten die Jugendlichen am ehesten verstehen, warum man persönliche Inhalte, insbesondere auch Fotos, nicht ins Internet stellen sollte. Für den Fall, dass Bilder der Kinder unerlaubt im Netz auftauchen, rät Cyber-Mobbing-Forscherin Catarina Katzer zur Offensive: "Dokumentieren Sie das Geschehene, sammeln Sie Material, machen Sie Screenshots, und gehen Sie damit zur Schulleitung, möglichst auch zur Polizei." Unabhängig davon sei es ratsam, zusammen mit anderen Eltern und Lehrern an der Schule einen Aktionsplan zu erarbeiten. Darin können Ansprechpartner festgelegt sein, an die sich Opfer von Cyber-Mobbing wenden können.

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