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Fernsehen: Reality-TV provoziert Trend zu Schönheitsoperationen bei Jugendlichen

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Fernsehen  

Teenager unter dem Skalpell

03.08.2010, 15:09 Uhr | rw, t-online.de, Pressetext

Fernsehen: Reality-TV provoziert Trend zu Schönheitsoperationen bei Jugendlichen. Junge Frau vor Schönheits-OP im Bauchbereich.

Das Fernsehen schürt einen ungesunden Körperkult. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Dass nicht alles, was im deutschen Fernsehen läuft, geeignet ist, Jugendlichen zum Vorbild zu dienen, ist eine Binsenweisheit. Dass sich gerade Teenies jedoch leicht von ihren Idolen und den Werten, die sie vorleben beeinflussen lassen aber auch. Und so reagieren vor allem junge Mädchen darauf, wenn im TV gezeigt wird, wie aus einem "hässlichen Entlein" mittels plastischer Chirurgie eine - scheinbar - glückliche und vor Schönheit strahlende Prinzessin wird. Dieser ungesunde Körperkult scheint sich in Deutschland mehr und mehr breitzumachen. Immer jüngere, überwiegend weibliche Teenager unterziehen sich freiwillig einer Schönheitsoperation. Selbst plastische Chirurgen, die davon wirtschaftlich profitieren, warnen davor.

Nur ein makelloser Körper verheißt Glück und Erfolg

Vorher-Nachher-Shows sind beliebt und sorgen für Quotenerfolge. Schüchterne, graue Mäuschen präsentieren sich mit Hilfe von Top-Friseuren und Typberatern im wahrsten Sinne des Wortes "in ganz neuem Gewand". Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Die Tendenz geht aber leider dahin, dass jeder noch so kleine körperliche Makel vor einem Millionenpublikum korrigiert werden muss. Ob bei "The biggest Loser" übergewichtige Menschen miteinander in Wettstreit um die maximale Gewichtsreduktion treten, oder bei "Germany´s next Topmodel" ein gertenschlankes Mädchen nach Hause geschickt wird, weil sie in den Augen der Jury, und wohl auch nur in deren Augen, zu viele Pfunde aufweist: der perfekte, makellose Körper scheint das Ziel zu sein, das Erfolg und Glück verheißt.

Der Traum vom perfekten Körper

In der realen Welt sind die wenigsten Körper perfekt. Aber kein Problem - auch dafür hat das Fernsehen geeignete Lösungen parat. Wofür gibt es schließlich plastische Chirurgen? Verschiedene Reality-Formate auf den unterschiedlichen, meist privaten Fernsehsendern haben schon Protagonisten auf dem Weg zum chirurgisch optimierten Traumkörper begleitet. Experten sehen darin ein ernsthaftes Problem. Denn oft fehlt den Sendungen jede kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Schönheits-OP. Dementsprechend ist die Wirkung auf den Zuschauer dieser Formate, die meist aus Amerika eingekauft werden oder in ihrer Dramaturgie amerikanischen TV-Formaten nachempfunden sind. So ergab eine Untersuchung von Psychologen der Rutgers-Camden University in New-Jersey unter 200 Studenten, dass viele Zuschauer das Gesehene als erstrebenswert betrachten. "Ich sah, wie ein unglückliches Mädchen ihren Traum erfüllte", war nur eine Rückmeldung der Probanden. Viele andere zielten in ähnliche Richtung.

Eine kritische Auseinandersetzung fehlt oft völlig

Dass dabei persönliches Glück über einen makellosen Körper definiert wird, erschreckt nicht nur die US-Forscher. "Es gibt keinen Nachweis, dass kosmetische Chirurgie Jugendliche glücklicher macht", so die Psychologen aus New-Jersey. Doch wen wundert es, dass genau diese Botschaft bei leicht beeinflussbaren Jugendlichen ankommt, wenn eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Schönheitsoperationen nicht erfolgt? Junge Menschen übernehmen nun einmal viel von dem, was sie sehen und übertragen die Schlüsse, die sie daraus ziehen auf ihr eigenes Leben. Davon ist auch der Züricher Medienwirkungsforscher Heinz Bonfandelli überzeugt und erklärt dieses Phänomen mit der so genannten Kultivierungsthese. Fernsehen liefere demnach Vorstellungen für das eigene Leben - und auch für den eigenen Körper. "Das betrifft vor allem den Schönheitswahn sowie die Schlankheitsvorstellungen von Frauen und Männern", präzisiert der Medienexperte.

Eine Schönheits-OP ist kein Friseurbesuch

Doch nicht nur Psychologen und Medienwissenschaftler beobachten den Trend, dass sich immer mehr Teenies unters Messer legen, mit großer Sorge. Auch von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) kommt Kritik. "Reality-TV hat den Andrang von Jugendlichen für Schönheits-OPs erhöht", weiß Verbandsmitglied Albert Hofmann. Statt sich über den höheren Umsatz für sich und die Kollegen zu freuen, geht er mit den einschlägigen Reality-Formaten hart ins Gericht. "Aus dem Nichts wird hier eine Prinzessin oder ein Prinz geschaffen. Was hier gezeigt wird, hat überhaupt nichts mit Realität zu tun", moniert der Mediziner. Eine Schönheitsoperation sei schließlich kein Friseurbesuch, sondern schwere Körperverletzung, deren Narben mitunter lebenslang entstellen könnten.

Verzerrte Realität

Die Verzerrung der Realität im Fernsehen werde auch in anderen Punkten deutlich, so Chirurg Hofmann. "Die Teilnehmer dieser Shows werden erst im Trainingsanzug, im Nachher-Bild aber stets nach der Einkleidung durch Modeberater sowie nach Profi-Behandlung von Frisur und Make-Up gezeigt." Ziel ist es, einen möglichst starken Kontrast zwischen Vorher und Nachher zu erzeugen. Beim Zuschauer allerdings wird so der Eindruck verstärkt, mittels Schönheitsoperationen ließe sich ganz einfach jede noch so kleine körperliche Macke beseitigen. Diese Methoden, die Realität zu verzerren und an die Dramaturgie eines TV-Formats anzupassen, müssten für Bonfandelli schon in der Schule mit den Jugendlichen besprochen werden. Wenn dort eine angemessene medienpädagogische Aufklärung erfolge, ließen sich die ungesunden Auswirkungen problematischer Fernsehsendungen begrenzen, so der Schweizer Medienwissenschaftler.

Keine OP ohne Zustimmung der Eltern

Bei der Frage, ob Jugendliche sich für eine Schönheitsoperation unter das Messer legen, spielen aber auch die Eltern eine wichtige Rolle. Ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten darf kein plastischer Chirurg Hand anlegen. Doch offenbar bewerten Eltern die Unzufriedenheit ihres Kindes mit seinem Körper zu oft als so schwerwiegend, dass sie bereit sind, der kosmetischen OP zuzustimmen. In solchen Fällen sind nach Ansicht von Albert Hofmann verantwortungsbewusste Mediziner in der Pflicht, genau hinzuschauen. Wenn ein körperlicher Makel keine schweren psychischen Störungen beim Patienten auszulösen drohe, sollten plastische Chirurgen die Operation ablehnen, auch wenn die Eltern eingewilligt haben. In der Praxis, das gibt der Fachmann zu, sehe es aber leider oft anders aus. "Jugendliche sind für kommerziell ausgerichtete Kliniken lukrativ, da man länger und bereitwilliger wiederkommt, wenn man schon früh in das Fahrwasser der Schönheits-OP´s gerät", veranschaulicht er das Geschäftsmodell der schwarzen Schafe in weißem Kittel.

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