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Integration  

Wissenschaftler fordern bessere Migrantenförderung

06.09.2010, 15:47 Uhr | dpa

Integration: Wissenschaftler fordern bessere Migrantenförderung. Dunkelhäutiger junger Mann und zwei Frauen, die sich unterhalten.

Junge Menschen mit Migrations- hintergrund werden immer noch diskriminiert. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Während die Zahl der deutschen Kinder weiter rückläufig ist, wächst der Anteil der Migrantenkinder - vor allem in städtischen Ballungsgebieten. So haben in Frankfurt am Main laut dem Bildungsbericht 2010 bereits 72 Prozent aller unter Dreijährigen einen Migrationshintergrund. In München und Stuttgart gilt dies für mehr als die Hälfte der unter 15-Jährigen. Martin Baethge, Sozialwissenschaftler und Autor des jüngsten Bildungsberichtes von Bund und Ländern, macht darauf aufmerksam, dass Kinder mit Migrationshintergrund einen deutlich niedrigeren Bildungsstandard haben als ihre deutschen Altersgenossen und bezeichnet die bessere Bildungsförderung der Migrantenkindern als eine der wichtigsten Aufgaben der Bildungspolitik.

Bildungskluft beginnt im Vorschulalter

Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchten deutlich seltener ein Gymnasium als gleichaltrige deutsche Kinder. Mehr als doppelt so häufig seien Migrantenkinder dagegen auf einer Hauptschule anzutreffen, so Baethge. Laut Bildungsbericht 2010 verfügten 2008 bei den 20- bis 29-Jährigen insgesamt 17 Prozent über keinen beruflichen Bildungsabschluss und nahmen auch nicht mehr an Bildungsmaßnahmen teil. Unter den jungen Menschen mit Migrationshintergrund betrug dieser Anteil 31 Prozent.

Die Unterschiede bei der Bildungsbeteiligung beginnen aber bereits im Kindergartenalter. Während im Westen über 95 Prozent der Vier- bis Fünfjährigen ohne Migrationshintergrund einen Kindergarten besuchen, sind dies bei Kindern mit ausländischen Wurzeln nur 85 Prozent.

Konkrete Verbesserungen gefordert

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt, fordert vom Bund und den Ländern eine gemeinsame Strategie zur Weiterentwicklung des Bildungssystems. Es reiche nicht aus, lediglich regelmäßig Bildungsberichte vorzulegen und dabei auch Fehlentwicklungen zu benennen. Notwendig seien Perspektiven für tatsächliche Verbesserungen.

Bedarf an Fachkräften - Förderung in bildungsfernen Familien nötig

Bei der Deckung des Fachkräftebedarfs sieht Baethge in den kommenden Jahren vor allem Engpässe in Gesundheits- und Sozialberufen und bei höherwertigen akademischen Tätigkeiten. Bei Ingenieuren und Lehrern werde die Arbeitsmarktlage zwar angespannt sein, gleichwohl sei die Relation zwischen Angebot und Nachfrage noch rechnerisch ausgeglichen, sagt der Wissenschaftler unter Berufung auf eine Arbeitsmarktprognose seines Soziologischen Forschungsinstituts in Göttingen.

"Ohne gewaltige Anstrengungen ist der Fachkräftebedarf in Zukunft nicht zu decken", sagt Baethge. Unqualifizierte müssen durch Weiterbildung für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden, zugleich müssten aber auch die Begabungsreserven bei Kindern aus bislang bildungsfernen Familien erschlossen werden.

Kinder mit Migrationshintergrund werden benachteiligt

Untersuchungen haben wiederholt die Nachteile von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem belegt. So erhalten laut der IGLU-Grundschulstudie Kinder mit Migrationshintergrund auch bei gleicher Intelligenz und Lernvermögen weitaus seltener eine Gymnasialempfehlung ihres Lehrers als Kinder deutscher Herkunft.

Nachteile haben Jugendliche mit Migrationshintergrund auch bei der Lehrstellensuche. 15 Monate nach Ende ihrer Hauptschulzeit hatten von den Deutschen mit "guten bis sehr guten" Mathematikleistungen 64 Prozent einen Ausbildungsplatz gefunden. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund waren dies bei gleichen Noten nur 40 Prozent.

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