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Integration: Konsequentes Vorgehen gegen Deutschenfeindlichkeit

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Integration  

Konsequentes Vorgehen gegen Deutschenfeindlichkeit

12.10.2010, 16:33 Uhr | rw, dpa, dapd, t-online.de

Integration: Konsequentes Vorgehen gegen Deutschenfeindlichkeit. Unterricht in einer Leipziger Schule.

In vielen Klassen sind Schüler mit Migrationshintergrund in der Mehrheit. (Bild: dpa) (Quelle: dpa)

Verschiedene Schulen aus Problembezirken deutscher Großstädte kennen das Problem: deutsche Schüler ohne Migrationshintergrund stellen vielerorts eine Minderheit. Dominant sind dagegen türkisch- beziehungsweise arabischstämmige Kinder und Jugendliche. Und anders als unser Rechtssystem kennen die Gesetze des Schulhofs keinen Minderheitenschutz. Beklagt wird eine zunehmende Deutschenfeindlichkeit. Wer kein Kopftuch trägt, wird schnell zur "Schlampe"

Abgelehnt, provoziert, diskriminiert

"Viele deutsche Schülerinnen und Schüler empfinden sich als eine abgelehnte, provozierte, diskriminierte Minderheit", beschreiben die Pädagogen Andrea Posor und Christian Meyer die Schulsituation vieler deutscher Kinder und Jugendlicher. In einem Artikel für das Mitgliedermagazin des Berliner Landesverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) führen die beiden Autoren weiter aus, auch Richter und Polizisten berichteten über eine deutlich zunehmende Deutschenfeindlichkeit vor allem unter türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen.

"Schweinefleischfresser" und "Kartoffeln"

Tatsächlich sieht auch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) gerade in dieser Migrantengruppe starke Integrationsdefizite - vor allem bei stark religiösen Jugendlichen. "Im Hinblick auf die Integration gilt, dass sie bei jungen Muslimen umso niedriger ausfällt, je stärker sie im Islam verankert sind", heißt es dazu in einem Forschungsbericht des KFN. Gerade stark religiöse Muslime empfinden Freiheit und Freizügigkeit ihrer deutschstämmigen Mitschüler nicht selten als obszön. Wenn sie auf dem Schulhof dann die Mehrheit bilden, ist es nur ein kurzer Weg, bis aus jedem Mädchen, das kein Kopftuch trägt, eine "deutsche Schlampe" wird und Deutsche allgemein als "Schweinefleischfresser" oder "Kartoffeln" abgekanzelt werden. Dazu passen Zahlen einer aktuellen repräsentativen KFN-Studie. Danach hätte fast ein Viertel der befragten Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft zugegeben, schon einmal einen Deutschen beschimpft zu haben.

KFN-Leiter Christian Pfeiffer relativiert aber, solche Verbalattacken entstünden überwiegend aus "enttäuschter Liebe". Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund suchten eigentlich die Anerkennung der Deutschen. "Sie setzen den Frust darüber, dass sie abgelehnt werden, in Aggression um", so Pfeiffer. Tatsächlich offenbart die KFN-Studie, dass ein großer Teil der deutschstämmigen Schüler, seine türkischen Altersgenossen eher ablehnt. 38 Prozent gaben zum Beispiel an, keinen türkischen Nachbarn ihres Alters zu wollen.

Maximalquote für Migranten-Kinder?

Angesichts der jüngsten Medienberichte sehen Lehrerverbände dringenden Handlungsbedarf, was die Diskriminierung deutscher Schüler angeht. Viele Schulen an sozialen Brennpunkten seien total überfordert. Der deutsche Philologenverband erkennt eine "Ghettobildung im Schulbereich" und warnt vor Verharmlosung des Problems. In die selbe Kerbe schlagen auch der Deutsche Lehrerverband (DL) und die GEW. Um die Probleme bewältigen zu können, müssten betroffene Schulen mit mehr Lehrern und Sozialpädagogen ausgestattet werden. Der DL-Vorsitzende Josef Kraus fordert außerdem "eindeutige Sanktionen", wenn Schüler sich aggressiv verhielten oder schwänzten und meint damit zum Beispiel Kürzungen der finanziellen Unterstützung für die Familien. Der Philologenverband hält auch eine Quote für denkbar, die festlegen solle, wie viele Schüler mit Migrationshintergrund es maximal pro Klasse geben darf.

"Auch Deutschenfeindlichkeit ist Fremdenfeindlichkeit"

Inzwischen mehren sich auch aus der Politik die Stimmen, die ein konsequenteres Vorgehen gegen die Diskriminierung deutscher Schüler fordern. "Auch Deutschenfeindlichkeit ist Fremdenfeindlichkeit, ja Rassismus. Denn hier wird jemand diskriminiert, weil er einer bestimmten Ethnie angehört", stellt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) klar. Auch der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hält die erneut aufgeflammte Debatte für dringend nötig. Die Neigung, Minderheiten zu zeigen, wer der Herr im Hause ist, müsse sofort unterbunden werden. Die Schulen dürften ein solches Verhalten nicht wegreden.

Kluft zwischen den Kulturen wächst

Ein recht eigenartig anmutender Appell. Die Neigung, bestehende Integrationsprobleme in deutschen Schulen zu verharmlosen und unter den Teppich zu kehren, konnte man in der Vergangenheit eher bei weiten Teilen der Politik erleben. Immer wieder waren es gerade einzelne Schulen, die öffentlichkeitswirksam auf ihre miserable Verfassung aufmerksam gemacht haben. So auch Roswitha Tschüter, die ehemalige Rektorin der inzwischen geschlossenen Essener Karnap-Hauptschule. Einem Fernsehteam der ARD gewährte sie im Juli diesen Jahres Einlass in die Wirklichkeit deutscher Schulen. Das Medienecho war gewaltig. Die Bild-Zeitung sprach von der Essener "Horrorschule".

Im Gespräch mit eltern.t-online.de berichtet die erfahrene Pädagogin von der wachsenden Kluft zwischen deutschstämmigen und muslimischen Schülern. "Die türkischen Kinder der dritten Generation sind schlechter integriert als die der zweiten", analysiert Tschüter, die inzwischen einer anderen Schule vorsteht. Auch sie, eigentlich eine Verfechterin des Schultyps Hauptschule, fühlt sich von der Politik alleingelassen. Für einen Schulpsychologen werde an ihrer neuen Schule gerade einmal eine halbe Stelle frei gehalten, den Rest der Integrations- und Vermittlungsarbeit zwischen den Schüler müssten die Lehrer leisten. "Wir können unter den Bedingungen keine vernünftigen Ergebnisse erzielen."

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