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Mobbing an Schulen: Lehrer müssen Kultur des Hinsehens schaffen

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Mobbing  

Psychoterror Mobbing: Schulalltag aus Schlägen und Schikanen

15.11.2010, 10:54 Uhr | rw, Pressetext, t-online.de

Mobbing an Schulen: Lehrer müssen Kultur des Hinsehens schaffen. Mobbing-Opfer: Ein bisschen Anderssein reicht schon. (Bild: imago)

Mobbing-Opfer: Ein bisschen Anderssein reicht schon. (Bild: imago) (Quelle: imago)

Es ist ein Mix aus Schlägen, Beschimpfungen und anderen Schikanen, der den Schulbesuch für Mobbing-Opfer zum Psychoterror werden lässt. In schweren Fällen hinterlassen die alltäglichen Demütigungen, Ausgrenzungen und Gewalterfahrungen tiefe Narben in der Seele der betroffenen Schüler und können sie sogar krank machen. Schon Kleinigkeiten reichen manchmal aus, um ins Visier der Täter zu geraten. Eine falsche Frisur, die falschen Klamotten oder sogar schon eine Brille können ausreichen, um zur Zielscheibe zu werden. Täter und auch viele Mitschüler geben oft den Opfern die Schuld.

Sind Mobbing-Opfer selber schuld?

Viele Jugendliche schieben ihren Klassenkollegen selbst die Schuld daran zu, wenn diese von anderen gezielt ausgegrenzt, belästigt oder in verschiedenster Form schikaniert werden. In einer aktuellen Studie der schwedischen Linköping-Universität gaben fast die Hälfte der befragten Schüler - vor allem Jungen - an, die Opfer provozierten durch ihre "Andersartigkeit" oder ihr "Komischsein" die Attacken gegen sie. 42 Prozent der interviewten Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren waren dieser Auffassung. Diese Haltung macht deutlich, warum es so schwer fällt, das Mobbing-Problem an Schulen in den Griff zu bekommen.

In der Gruppe gegen die Täter

"Eine Mobbing-Situation wird immer von der ganzen Klasse mitgetragen", sagt Diplom-Sozialpädagoge Frank Schallenberg. Einige sähen ganz bewusst weg. Dabei sei eine aktive Reaktion der Mitschüler das A und O, erklärt Schallenberg, der in München eine Mobbing-Beratung anbietet. "Das Wichtigste ist, dass man die Mobbing-Situation nicht zulässt." Da den Opfern meist mehrere Mobbing-Täter gegenüberstehen, wäre es wichtig, diesen auch in der Gruppe gegenüberzutreten und unmissverständlich klarzumachen, dass Diskriminierung und Gewalt gegen einen wehrlosen Einzelnen nicht geduldet wird.

Kultur des Hinsehens an Schulen schaffen

Dass sich eine Schulklasse geschlossen auf die Seite des Mobbing-Opfers stellt, ist allerdings nicht die Regel. Hier sehen Experten die Schulen in der Pflicht. "Mobbing geschieht dort, wo es nicht verhindert wird und niemand dazwischen geht. Die Schule muss jedem Schüler das Lernen ermöglichen, was nur bei Gewaltfreiheit der Fall ist", so das Urteil von Kristine Kretschmer, die als Projektleiterin die Anti-Mobbing-Seiten des Online-Netzwerks "Seitenstark" betreut. Lehrer, Schulleiter und Schulpsychologen müssen dazu beitragen, dass an der Schule eine Kultur des Hinsehens geschaffen wird, die keine systematische Schikane Einzelner duldet.

Zu wenig Aufklärung über Mobbing

Dafür müssten sich Schulen allerdings offensiv dem Thema Mobbing widmen - und zwar nicht erst, wenn akute Fälle bekannt werden. Denn sehr häufig läuft der tägliche Psychoterror unterschwellig und für Lehrer unsichtbar ab. Deshalb sollte auch ohne konkreten Anlass auf die Problematik eingegangen werden, wie Willi Wieland vom Verband Freier Psychotherapeuten rät. "In Schulen und Jugendgruppen sollte viel mehr über Mobbing gesprochen werden." Nur so ließe sich ein Klima schaffen, in dem Mitschüler im Ernstfall einschreiten und den Lehrer über Mobbing-Fälle überhaupt informieren.

Mobbing-Opfer besonders gefährdet für psychische Krankheiten

Wie wichtig es ist, gegen Mobbing vorzugehen beziehungsweise es im Idealfall gar nicht erst entstehen zu lassen, zeigt eine britische Studie aus dem letzten Jahr, welche die Folgen von Mobbing für die Opfer untersucht hat. Danach entwickelten Kinder, die systematisch gemobbt werden, doppelt so häufig psychische Störungen wie Kinder, die solchen Schikanen nicht ausgesetzt waren. "Wurden Kinder über mehrere Jahre hinweg von Mitschülern schikaniert, erhöhte sich das Risiko, an psychotischen Symptomen zu leiden, sogar um das Vierfache", so Studienleiter Professor Dieter Wolke von der University of Warwick in Coventry. Die auftretenden Symptome reichten dabei von Verfolgungswahn über Halluzinationen bis hin zu schweren Psychosen im Erwachsenenalter.

Ist mein Kind Opfer?

Für Eltern ist es oft nicht leicht zu merken, dass das eigene Kind ein Mobbing-Opfer ist. Viele schämen sich und geben sich selbst die Schuld für ihre Außenseiterrolle, versuchen so wenig wie möglich aufzufallen und hoffen einfach, dass der Terror irgendwann von alleine ein Ende hat. Sie fressen die Demütigungen in sich hinein. Hinweise, dass in der Schule etwas nicht stimmt, können zum Beispiel regelmäßig auftretende Beschwerden wie Kopf-, Rücken-, Bauchschmerzen oder Schlafstörungen sein, für die der Hausarzt keine medizinische Ursache findet. Auch wenn ein Kind, dass eigentlich immer gern zur Schule gegangen war, plötzlich anfängt zu schwänzen, sollten Eltern nachhaken.

Bei Mobbing richtig reagieren

Wenn Eltern merken, dass ihr Kind ein Opfer von Mobbing ist, ist also schnelles Handeln gefragt. "Eltern sollten sich immer an die Schule wenden und nicht an die Eltern der Täter", rät Mobbing-Expertin Kretschmer. Diese würden ihre Kinder vermutlich nur in Schutz nehmen. Die meisten Pädagogen hingegen sind inzwischen für die Mobbing-Problematik sensibilisiert und werden reagieren, wenn sie von einem Fall erfahren. Ändert sich dennoch nichts an der Situation des Kindes, kann, abhängig vom Leidensdruck des Opfers, ein zügiger Klassen- oder sogar Schulwechsel sinnvoll sein - in schweren Fällen sogar während des laufenden Schuljahres.

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