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Analphabetismus: Jeder fünfte Jugendliche in Europa kann nicht richtig lesen und schreiben

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EU: Jedem fünften Teenager mangelt es an Schreib- und Lesekompetenz

02.02.2011, 09:44 Uhr | t-online.de

Analphabetismus: Jeder fünfte Jugendliche in Europa kann nicht richtig lesen und schreiben. Viele Jugendliche können nicht richtig lesen und schreiben. (Foto: imago)

Viele Jugendliche können nicht richtig lesen und schreiben. (Foto: imago) (Quelle: imago)

Jeder fünfte Jugendliche im Alter von 15 Jahren, aber auch viele Erwachsene verfügen nicht über grundlegende Lese- und Schreibfertigkeiten. Das erschwert ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt und setzt sie dem Risiko sozialer Ausgrenzung aus. Daher hat die Europäische Kommission eine unabhängige Expertengruppe eingesetzt, die nach Möglichkeiten suchen soll, die Schreib- und Lesekompetenz zu fördern. Die Gruppe wird von Prinzessin Laurentien der Niederlande geführt, die als Sonderbotschafterin für Alphabetisierung für die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) tätig ist. Die EU-Minister haben das Ziel festgelegt, den Anteil der Schüler mit Schwierigkeiten in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bis 2020 auf unter 15 Prozent zu senken.

Kampagne gegen die Ursachen mangelnder Schreib- und Lesekompetenz

Die für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend zuständige EU-Kommissarin Androulla Vassiliou erklärte: "Mit der Einsetzung dieser Gruppe geben wir den Startschuss für eine europaweite Kampagne gegen die Ursachen mangelnder Schreib- und Lesekompetenz. Zu viele Europäer sehen sich vom Arbeitsmarkt und von der umfassenden Teilnahme an der Gesellschaft ausgeschlossen, weil ihnen die grundlegenden Schreib- und Lesefertigkeiten fehlen. Wenn wir das Europa-2020-Ziel eines intelligenten und integrativen Wachstums erreichen wollen, müssen wir jetzt etwas gegen dieses Problem tun."

Prinzessin Laurentien fügte hinzu: "Ich begrüße diese Initiative sehr. Es ist höchste Zeit, dass Europa sich der unangenehmen Wahrheit stellt, dass es bei uns ein hohes Maß an Analphabetismus gibt. Diese Initiative wird auch dazu beitragen, das bisherige Tabu zu brechen. Analphabetismus steht dem wirtschaftlichen Wachstum und einer integrativen Gesellschaft entgegen. Indem wir dagegen vorgehen, werden wir auch einen Beitrag zur Lösung von Problemen in zahlreichen anderen Bereichen - Armut, Beschäftigungsfähigkeit, gesundes Leben - leisten können. Wir hoffen, gemeinsam mit den Experten auf diesem Gebiet eine kühne Vision zu den anstehenden Problemen entwickeln und zeigen zu können, wie Lese- und Schreibkompetenz dazu beiträgt, eine starke, wettbewerbsfähige Wirtschaft und eine gesunde Gesellschaft in der EU zu schaffen."

Noch größere Anstrengungen in Europa nötig

Die jüngsten Ergebnisse des Programms zur internationalen Schülerbewertung (PISA), einer weltweiten Studie zu den Leistungen 15-jähriger Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, zeigen, dass jeder Fünfte (also 20 Prozent) nur geringe Schreib- und Lesekompetenz hat. Diese Zahlen, die jedes Jahr von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammengestellt werden, weisen für Europa seit 2000 eine leichte Verbesserung aus. Es sind jedoch noch größere Anstrengungen nötig, damit die EU-Mitgliedstaaten ihr Ziel erreichen können, bis 2020 den Anteil der Schüler mit Schwächen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften auf unter 15 Prozent zu senken.

Der Plan der EU zur Steigerung der Lese- und Schreibkompetenz steht im Zusammenhang mit den Europa-2020-Flagschiffinitiativen „Jugend in Bewegung“ und „Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten“, die beide auf eine Förderung der Qualifikationen in Europa durch bessere allgemeine und berufliche Bildung abzielen.

Ziele der Hochrangigen Gruppe für Alphabetisierung

Aufgabe der Hochrangigen Gruppe für Alphabetisierung ist es, der Förderung der Lese- und Schreibkompetenz in Europa in der Öffentlichkeit und in der politischen Diskussion mehr Geltung zu verschaffen. Die Gruppe wird wissenschaftliche Daten analysieren und prüfen, welche Lösungen am erfolgversprechendsten sind. Die elf Mitglieder der Gruppe sind Experten für Alphabetisierung aus Hochschulwelt, Politik und Wirtschaft.

Die Gruppe wird in den nächsten 18 Monaten regelmäßig zusammentreten und der Kommission Mitte 2012 Vorschläge unterbreiten. Auf der Grundlage dieser Vorschläge wird Kommissarin Vassiliou den Bildungsministern im Herbst 2012 entsprechende Empfehlungen vorlegen. Davon ausgehend werden die Mitgliedstaaten und die Kommission im Rahmen ihrer strategischen Zusammenarbeit zu allgemeiner und beruflicher Bildung („Allgemeine und berufliche Bildung 2020“) weitere Maßnahmen treffen.

PISA: Anteil der Schüler mit Leseschwäche

2000

2003

2006

2009

Österreich

19,3

20,7

21,5

27,5

Belgien

19,0

17,9

19,4

17,7

Bulgarien

40,3

51,1

41,0

Tschechische Republik

17,5

19,4

24,8

23,1

Dänemark

17,9

16,5

16,0

15,2

Estland

13,6

13,3

Finnland

7,0

5,7

4,8

8,1

Frankreich

15,2

17,5

21,7

19,8

Deutschland

22,6

22,3

20,0

18,5

Griechenland

24,4

25,2

27,7

21,3

Ungarn

22,7

20,5

20,6

17,6

Irland

11,0

11,0

12,1

17,2

Italien

18,9

23,9

26,4

21,0

Lettland

30,1

18,0

21,2

17,6

Litauen

25,7

24,3

Luxemburg

35,1

22,7

22,9

26,0

Niederlande

9,5

11,5

15,1

14,3

Polen

23,2

16,8

16,2

15,0

Portugal

26,3

22,0

24,9

17,6

Rumänien

41,3

53,5

40,4

Slowakei

24,9

27,8

22,3

Slowenien

16,5

21,2

Spanien

16,3

21,1

25,7

19,6

Schweden

12,6

13,3

15,3

17,4

Vereinigtes Königreich

12,8

19,0

18,4

EU (25 Länder)

23,1

19,6




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