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Sucht hält Millionen Deutsche fest im Griff

17.05.2011, 14:31 Uhr | dpa

Sucht hält Millionen Deutsche fest im Griff . Pfeife wird angezündet.

Drogenbeauftragte Dyckmans fordert mehr Schutz für Minderjährige. (Foto: dpa)

Das so genannte Komasaufen bleibt ein gravierendes Problem vieler Jugendlicher - auch wenn insgesamt weniger Minderjährige als früher trinken, rauchen oder kiffen. Millionen Bundesbürger kommen nicht von der Flasche, den Zigaretten oder auch den Spielautomaten los.

Sucht hat Millionen Bundesbürger im Griff

Immer mehr Jugendliche werden mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht - Sucht in allen Facetten hat Millionen Bundesbürger im Griff. Insgesamt greifen Jugendliche in Deutschland aber seltener zu Flasche, Zigarette oder Joint. Das geht aus dem neuen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervor. "Es ist der Alkohol, der uns im Moment die größten Schwierigkeiten macht", so Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans in Berlin.

Vor allem Jungen trinken sich regelmäßig bewusstlos

Beim berüchtigten Komasaufen gebe es keine Trendwende, vor allem Jungen trinken sich regelmäßig bewusstlos. Jeder fünfte zwölf- bis 17-Jährige trinkt sich laut Bericht mindestens einmal pro Monat in einen Rausch, bei den 18- bis 25-Jährigen war es sogar jeder zweite. 2009 wurden 26.400 Menschen zwischen zehn und 20 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs akut im Krankenhaus behandelt - 2,8 Prozent mehr als noch 2008, sogar 178 Prozent mehr als 2000. Dyckmans rief die Händler dazu auf, Jugendlichen keinen Alkohol zu verkaufen: "Ich erwarte vom Einzelhandel und den Tankstellen, dass die vereinbarten Maßnahmen auch wirklich flächendeckend umgesetzt werden."

Deutschland an vorderster Stelle im Alkoholkonsum

Mit im Schnitt zehn Liter reinen Alkohols pro Kopf und Jahr sei Deutschland "an vorderster Stelle im Ländervergleich", sagte die FDP-Politikerin. Allein zehn Prozent der Menschen tränken davon etwa die Hälfte. Insgesamt 16 Millionen Menschen rauchen. 110.000 Menschen sterben pro Jahr daran. 1,4 Millionen sind abhängig von Medikamenten, 1,3 Millionen von Alkohol, wie Dyckmans mitteilte. Insgesamt gefährden sich 9,5 Millionen Menschen durch übermäßiges Trinken. Mindestens 73.000 sterben jedes Jahr an den Folgen von Alkoholmissbrauch.

Andere Drogen und Glücksspiel

"Circa 200.000 Menschen weisen einen problematischen Cannabiskonsum auf", berichtete die Drogenbeauftragte weiter. 200.000 Menschen nähmen andere illegale Drogen. Bis zu 600.000 Menschen gelten als glücksspielsüchtig. Besonders in Gaststätten mit Spielautomaten werde der Jugendschutz zu wenig beachtet. Dyckmans stellte hier gesetzliche Verbesserungen in Aussicht, ohne Einzelheiten zu nennen. Im Februar hatte die Drogenbeauftragte mit dem Vorstoß, die bis zu 70.000 Spielgeräte in Gaststätten, Tankstellen, Einkaufszentren und Flughäfen abzubauen, in der Regierung wenig Begeisterung ausgelöst.

Internetsucht führt zu sozialer Vereinsamung

560 000 Menschen seien abhängige Internetnutzer, teilte Dyckmans zudem mit. "Die Internetsucht beginnt dann, wenn man sich überhaupt nicht mehr aus dem Netz herausbewegt und die sozialen Kontakte völlig abbricht."

Rückgang des Gebrauchs von Suchtstoffen

Weniger Minderjährige als in den vergangenen Jahren greifen zu Suchtstoffen. 2010 tranken 13 Prozent der zwölf- bis 17-Jährigen regelmäßig Alkohol - 21 Prozent waren es sechs Jahre zuvor. 13 Prozent der Jugendlichen rauchen - im Jahr 2001 waren es 23 Prozent. fünf Prozent der Minderjährigen nehmen ab und an Cannabis - fünf Prozent-Punkte weniger als vor sechs Jahren.

 

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