23.08.2011, 16:06 Uhr | dapd
"Wohlstandsverwahrlosung": Komasaufen ist kein Problem der Unterschicht. (Quelle: imago)
Eine geschenkte Wodka-Flasche ebnete Johannes' Weg zum Komasäufer. Der 16-Jährige mischte das hochprozentige Getränk mit "irgendeinem süßen Zeug". Die Hälfte der Flasche hatte er geleert, da musste er sich übergeben. Von nun an gehörte er fest zur Clique. Das Alkoholproblem von Johannes ist eine der Geschichten, die der Gründer des christlichen Kinder- und Jugendwerks Arche, Bernd Siggelkow, in seinem neuen Buch "Generation Wodka - Wie sich unser Nachwuchs mit Alkohol die Zukunft vernebelt" schildert.
"Es sind keine Einzelfälle. Wir sprechen hier von einem größeren Problem", sagt Siggelkow bei der offiziellen Buchpräsentation mit den beiden Co-Autoren Wolfgang Büscher und Marcus Mockler in Berlin. Zwar griffen immer weniger Jugendliche und Kinder zur Flasche. Dafür seien "härtere Sachen", wie eben Wodka, immer häufiger angesagt.
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Der regelmäßige Konsum ging bei den Zwölf- bis 17-Jährigen zwischen 2004 und 2010 von 21 auf 13 Prozent zurück, wie aus dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervorgeht. Allerdings ist das "Rauschtrinken", also der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit, weiter beliebt: Fast 17 Prozent haben dies "im letzten Monat" praktiziert.
Schauspielerin Veronica Ferres, Patin des Hilfswerkes Arche, zeigt sich angesichts der Zahlen entsetzt. "Es macht mich nicht betroffen, es hat mich schockiert", sagt die 46-Jährige. Bislang habe sie die Schlagzeilen in den Tageszeitungen als Einzelfälle abgetan.
In "Generation Wodka" vereinen die drei Autoren bewegende Biografien mit harten Hintergrundfakten. Da ist zum Beispiel Marek aus einer Berliner Vorstadtsiedlung, der im besoffenen Zustand aus nichtigen Gründen einen Bekannten tot prügelt und trotzdem weiter von seiner Freundin angehimmelt wird.
Julian zählt wie Wodka-Trinker Johannes zur Oberschicht. Julians Saufgelage führt eines Tages in die Bewusstlosigkeit und endet in der Reha-Klinik. Die passenden Videos und Bilder dazu darf er sich heute im Internet ansehen.
"Es ist kein Problem der Unterschicht", erklärt Siggelkow. "Wir haben eine sogenannte Wohlstandsverwahrlosung." Viele Eltern kümmerten sich neben dem Beruf nicht ausreichend um den Alkoholkonsum ihrer Kinder. "Lasst sie ruhig trinken. Das wird sich schon wieder geben" laute häufig die Devise. Dabei müssten die Kinder mehr geschützt werden.
Als Gegenmaßnahme dringen die drei Autoren auf ein striktes Alkoholverbot. In der Öffentlichkeit müsse der Konsum von Bier, Wein und Schnaps grundsätzlich untersagt werden, findet Siggelkow. In Straßenbahnen und Bussen sollten nur noch diejenigen mitfahren dürfen, die höchstens 0,5 Promille im Blut hätten.
Der Verkaufspreis für Alkohol müsse spürbar angehoben werden. Und Tankstellenbetreiber sollten Spirituosen komplett aus ihren Regalen nehmen, heißt es in dem Buch. Siggelkow sagt: "Alkohol ist nicht nur eine Einstiegsdroge. Alkohol ist die Droge Nummer Eins."
Quelle: dapd
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