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"Papa, ich bin schwul": Coming Out der Kinder gelassen sehen

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Homosexualität  

"Papa, ich bin schwul": Wie Eltern mit dem Outing umgehen sollten

10.01.2014, 12:45 Uhr | dpa-tmn

"Papa, ich bin schwul": Coming Out der Kinder gelassen sehen. Nur Freunde oder ist da mehr? Steht der Sohn nicht auf Frauen brauchen Eltern oft eine Weile, um damit klar zu kommen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nur Freunde oder ist da mehr? Steht der Sohn nicht auf Frauen brauchen Eltern oft eine Weile, um damit klar zu kommen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Freundinnen gehen Händchen haltend shoppen, Jungs hängen teilweise stundenlang eng nebeneinander an der Spielkonsole - normal freundschaftliches Verhalten unter Teenies oder Anzeichen für Homosexualität? Eltern wissen oft nicht, wie sie solche Signale deuten sollen. Experten raten abzuwarten, bis die Kinder von selbst etwas sagen.

Viele Eltern tun sich schwer

Berlin hat seit Jahren einen schwulen Bürgermeister, neuerdings hat Deutschland eine lesbische Umweltministerin und mit Thomas Hitzlsperger hat sich nun der erste deutsche Fußballprofi öffentlich geoutet. Gleichgeschlechtliche Liebe ist nichts Verwerfliches mehr, was nur im stillen Kämmerchen gelebt wird. Trotzdem führt das Thema - wie zurzeit in Baden-Württemberg - immer noch zu öffentlichen Diskussionen. Und innerhalb des eigenen Umfelds sieht es ohnehin oft ganz anders aus: "Für Eltern ist es sehr schwer, mit der Homosexualität des eigenen Kindes klar zu kommen", erklärt Sven Norenkemper vom Verein Coming Out Day.

Vorurteile auf beiden Seiten

Grund seien nicht zuletzt gängige Vorurteile, etwa "dass Lesben Männer hassen oder Schwule an Aids sterben". Aber auch zerstörte Wunschvorstellungen spielen eine Rolle, wie jene, keine Enkelkinder zu bekommen. Die Homosexuellen wiederum halten sich mit dem Outing oft zurück, aus Angst, dass es negativ aufgenommen wird. "Neben der Befürchtung, dass die Eltern ihre Neigung nicht akzeptieren könnten, ist da auch die Angst, wegen ihr vielleicht weniger geliebt zu werden - davor, dass es zu einem Bruch kommt", sagt Norenkemper.

Jugendliche müssen erst mit sich ins Reine kommen

In jungen Jahren, wenn der Kontakt zu den Eltern noch sehr eng ist, ist der psychische Druck besonders groß und ebenso die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Geheimniskrämerei kommt. "Es ist völlig normal, dass Jugendliche ihre Homosexualität erst einmal für sich behalten, bis sie mit sich im Reinen sind. Verdrängen sie sie dauerhaft, kann das jedoch zu schweren psychischen Problemen führen", erklärt André Sandmann von der Initiative Rosa-Lila, einem Beratungszentrum für Homosexuelle.

Hinweise nicht ignorieren

Deshalb sollten Eltern, die vermuten, dass ihr Kind homosexuell ist, bestimmte Verhaltensregeln beachten: "Zunächst einmal gilt, dass man vorhandene Hinweise auf keinen Fall ignorieren sollte, besonders weil sie von den Jugendlichen teils bewusst gesetzt werden", betont Sandmann. Da werde etwa eine Aufklärungsbroschüre sichtbar liegen gelassen oder bei einem Film, der sich mit der Thematik befasse, auffällig interessiert nach der Meinung der Eltern gefragt. "Manch einer traut sich einfach nicht, etwas zu sagen und hofft, dass sie selbst darauf kommen."

Ansprechen oder nicht?

Genauso gut möglich ist allerdings, dass Sohn oder Tochter nichts unangenehmer finden, als wenn sich die Eltern in ihr Privatleben einmischen. "Ist das der Fall und man spricht sie auf ihre sexuelle Orientierung an, kann es sein, dass sie sich überrumpelt fühlen und komplett dicht machen", erläutert Loni Bonifert vom Bundesverband der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen. Deshalb gelte es, sehr behutsam vorzugehen und im Zweifelsfall lieber ansprechbar zu sein.

Brücken bauen

Im Klartext bedeutet das, seinem Kind deutlich zu machen, dass man ein offenes Ohr für seine Fragen oder Probleme hat. "Etwa indem man sagt: 'Ich habe das Gefühl, dich beschäftigt etwas. Wenn du willst, kannst du jederzeit mit mir sprechen'", sagt Bonifert. Brücken, die es den Jugendlichen erleichtern, sich zu öffnen, könne man auch durch positive Signale bauen.

Über das Thema informieren

Man könne etwa einen Artikel, der sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe befasst, zum Anlass nehmen, zu betonen, dass man daran nichts Schlimmes findet. Oft ist zunächst eher das Gegenteil der Fall, und die Eltern sind schockiert von der Möglichkeit, dass ihr Kind homosexuell sein könnte. Ist das so, ist erst recht Zurückhaltung angezeigt. "Gerade für die Väter und Mütter, die Probleme damit haben ist es ratsam, sich eingehend über das Thema Homosexualität zu informieren", erklärt Sandmann.

Ruhe bewahren

So könnten Vorurteile abgebaut werden und ein Verständnis dafür entstehen, dass am gleichgeschlechtlichen Leben und Lieben nichts Schlimmes ist. Dadurch sind Eltern auch ein Stück weit auf das Coming Out selbst vorbereitet.

Wenn die Jugendlichen sich zu ihrer Neigung bekennen, kochten die Emotionen oft hoch. Die mit der für sie oft unbequemen Realität konfrontierten Eltern ließen sich teils zu Vorwürfen oder abwertenden Kommentaren hinreißen. Trifft es sie nicht eiskalt, tun sich Eltern oft leichter, das Richtige zu tun: Ruhe bewahren, geduldig zuhören und herausfinden, ob ihr Kind mit der Situation klar kommt.

Konsequenzen abwägen

Falle das schwer, sollten sie sich zwei Dinge vor Augen führen: Was für ein wahnsinniger Vertrauensbeweis es ist, wenn sich ein Kind mit einer so schwierigen Angelegenheit an seine Eltern wendet. Und was die Konsequenz eines Coming-Out-Eklats sein könnte: ein dauerhaft zerrüttetes Verhältnis.

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