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"Generation Wodka": Was schützt Jugendliche vor Alkoholmissbrauch?

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"Generation Wodka"  

"Generation Wodka": Was schützt Jugendliche vor Alkoholmissbrauch?

07.10.2011, 16:06 Uhr | dpa

"Generation Wodka": Was schützt Jugendliche vor Alkoholmissbrauch?.

Viele Jugendliche praktizieren mindestens einmal im Monat das sogenannte Binge-Trinken. (Bild: archiv, adeo)

Grenzen testen, Langeweile vertreiben - aus verschiedensten Gründen greifen Jugendliche zur Flasche. Alkohol wird in Deutschland immer noch zu sehr verharmlost, sagen Experten. Doch was hilft? Mehr Prävention oder strengere Gesetze?

Dramatische Szenen im Kinderzimmer

Jugendliche, die Trinken bis zum Umfallen, sorgen für traurige Nachrichten. Immer wieder. In seinem neuem Buch "Generation Wodka" beschreibt der Berliner Arche-Gründer Bernd Siggelkow dramatische Szenen über Alkoholmissbrauch im Kinderzimmer.

Alkoholverbot für Schwangere

Zuspitzender Untertitel: "Wie unser Nachwuchs sich seine Zukunft vernebelt". Seine Forderung daraus: Schärfere Gesetze. Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, 0,5-Promille-Grenze für Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr, höhere Preise für Hochprozentiges, und Alkoholverbot für Schwangere. "Denn das ist mit Blick auf das Kind schwere Körperverletzung", sagt Buchmitautor Wolfgang Büscher.

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Konsum von Bier ist rückläufig

Traurige Tatsache, die repräsentativ belegt ist (BZgA, 2011): Etwa jeder Elfte der jüngsten Konsumenten zwischen zwölf und 15 trinkt einmal pro Woche Alkohol. Tatsache aber auch: Die Tendenz ist seit den frühen 70er Jahren insgesamt deutlich rückläufig. Griffen damals noch bis zu 70 Prozent der 18- bis 25-Jährigen sowie gut ein Viertel der zwölf bis 17-Jährigen regelmäßig zu Bier und Co, waren es 2010 nur noch 35 beziehungsweise 13 Prozent. Das heißt: Noch nie seit Beginn der Erhebungen trinken so wenig Kinder und Jugendliche Alkohol wie heute.

Jungen trinken mehr

Wermutstropfen dabei bleibt der beständig hohe Anteil der jungen Leute ab 16, die sich häufiger als einmal pro Monat einen Rausch antrinken. Er liegt weiter bei rund 13 Prozent - wobei Jungen deutlich stärker vertreten sind als Mädchen.

Jeder Vollrausch ist zu viel

Jeder Vollrausch ist einer zu viel, da sind sich Suchtexperten einig. Doch mit Strafen und Gesetzen allein sei wenig geholfen. "Es ist immer gut, ein enges Zusammenspiel von Prävention und gesetzgeberischen Maßnahmen zu haben. Nur Verbote allein funktionieren nicht, die werden umgangen", sagt Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sie führt den Rückgang der Rauschtrinker bei den zwölf- bis 15-jährigen auch auf die große bundesweite Aufklärungskampagne "Kenn-Dein-Limit" zurück.

Erwachsene sind die Vorbilder

Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (Hamm), sieht das Problem in größerem Rahmen. "Wir haben in Deutschland kein spezielles Alkoholproblem Jugendlicher, sondern allgemein ein Alkoholproblem", sagt er. Jugendliche tränken nicht mehr als Erwachsene, und diese machten es ja vor. "Wir liegen auf Platz zehn weltweit."

Verkaufsbeschränkungen als wirkungsvolles Mittel

Wenn in Deutschland weniger getrunken werden solle, dann seien Verkaufsbeschränkungen und höhere Preise die wirkungsvollsten Mittel. "An Tankstellen hat Alkohol nichts verloren. Man verkauft ja auch kein Feuerzeug im Spielwarenladen."

Kein Alkoholverbot in Deutschland

Von einem generellen Alkoholverbot in der Öffentlichkeit hält er jedoch wenig: "Damit drängen wir den Alkohol in einen dunklen Raum." Auch ein Alkoholverbot für Schwangere ist aus Gaßmanns Sicht nicht durchsetzbar.

Präventionsarbeit in Schulen

"Deutschland ist mit gutem Grund ein Land, in dem es erlaubt ist, sich selbst zu schädigen."  Präventionsarbeit in Schulen sei ergänzend wichtig, um dem lauten Credo der Werbung, die Alkohol als hip, lecker und gesellig darstelle, etwas entgegenzusetzen.

USA - das Herkunftsland des Binge-Trinkens

Kerstin Jüngling, Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention in Berlin, pflichtet dem bei: "Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Alkohol schädlich ist. Den erreicht man aber nicht durch Verbote." Als Beispiel nennt sie USA, das Herkunftsland des Koma-Trinkens. Eine Form davon ist das Binge-Drinking, wobei fünf alkoholische Getränke rasch hintereinander getrunken werden müssen. "Und dort ist Alkohol erst ab 21 erlaubt."

Lösungen für öffentliche Plätze

Konsenslösungen hält sie auch in Berlin für erfolgsversprechend. So sei es auch mit Lösungen für öffentliche Plätze - etwa am Leopoldplatz im Berliner Stadtteil Wedding, wo Trinker seit kurzem ein eigenes Areal haben. "Das ist sinnvoll im Sinne des friedlichen Miteinanders." Auch für U- oder S-Bahn kann Jüngling sich eine solche Herangehensweise vorstellen. "Anstatt eines generellen Alkoholverbots könnte die freundliche Durchsage mit der Bitte um Alkoholverzicht schon einiges bewirken. 

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