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Jeder sechste Berliner Jugendliche wird Opfer von Kriminalität

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Jeder sechste Berliner Jugendliche ist Opfer von Kriminalität

20.10.2011, 09:27 Uhr | Andreas Rabenstein, dpa, dpa

Jeder sechste Berliner Jugendliche wird Opfer von Kriminalität. Geschlagen, erpresst, beraubt -  jeder sechste Jugendliche in Berlin ist Opfer von Kriminalität. (Quelle: dpa)

Geschlagen, erpresst, beraubt - jeder sechste Jugendliche in Berlin ist Opfer von Kriminalität. (Quelle: dpa)

Wie kriminell ist unsere Jugend? Dieser Videofilm aus dem U-Bahnhof schockierte Deutschland: Ein junger Mann tritt einem anderen mehrmals brutal auf den Kopf. Immer mehr Opfer und Täter unter Jugendlichen gebe es besonders in Berlin, lautet eine oft verbreitete Schlussfolgerung. Eine aktuelle Studie widerspricht.

Jeder sechste junge Berliner beraubt, erpresst oder geschlagen

Jeder sechste Berliner Jugendliche in den vergangenen zwölf Monaten ist laut einer aktuellen Studie Opfer von Kriminalität geworden. 17,9 Prozent der befragten Neuntklässler gaben an, sie seien beraubt, erpresst oder geschlagen worden. 12,8 Prozent, also etwa jeder achte, wurde im letzten Jahr Opfer von Körperverletzung. Das ist das Ergebnis der Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, die am 19. Oktober vorgestellt wurde.

In Berlin ist es nicht schlimmer als in anderen Städten

Die Hauptstadt schneidet aber nach einer neuen Studie nicht schlechter ab als der Bundesdurchschnitt. Berlin habe aber keine auffallend höhere Rate von Jugendkriminalität als andere Städte, sagte der Direktor des Forschungsinstituts, Christian Pfeiffer. "Es gibt positive Befunde und nicht primär Kritisches und Negatives zu berichten, etwa, dass Berlin am allerschlimmsten ist."

Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland gewalttätig

Für die Studie "Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Berlin" befragte das Institut 2010 genau 3167 Jugendliche. In den Jahren 2007 und 2008 waren in ganz Deutschland in einer ähnlichen Untersuchung des gleichen Instituts 44.000 Schüler befragt worden. In den ausführlichen Fragebögen gaben 19 Prozent der Berliner Schüler an, schon einmal eine Gewalttat verübt zu haben. Im Bundesdurchschnitt waren es 21 Prozent. In den letzten zwölf Monaten waren demnach elf Prozent der Jugendlichen einmal gewalttätig.

Der wahre Grund für Gewaltbereitschaft bei Migranten

Schüler aus Einwanderer-Familien werden demnach häufiger gewalttätig. Besonders Jugendliche, deren Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion (17,1 Prozent) oder aus der Türkei (14,1 Prozent) stammen, weisen deutlich höhere Gewalt- und Kriminalitätsquoten als der Durchschnitt auf.

Pfeiffer betonte, die Gründe dafür seien nicht die Herkunft, sondern lägen in anderen Bereichen: der sozialen Schicht, Gewalt in der Familie und einer teilweise vorhandenen Macho-Kultur. Vergleiche man etwa türkischstämmige und deutsche Jugendliche aus vergleichbaren Verhältnissen gebe es "keine Unterschiede".

Gute schulische Integration senkt Gewaltrate

Pfeiffer betonte aber: "Berlin schneidet bei der Integration deutlich besser ab als der Bundesdurchschnitt." Jugendliche mit ausländischem Hintergrund seien viel stärker in weiterführenden Schulen vertreten. Das sei auch entscheidend für den Kampf gegen Kriminalität: "Je besser die schulische Integration läuft, desto niedriger ist die Gewaltrate."

Mehr U-Bahn-Kriminalität in Berlin

In Berlin geschehen viel mehr Angriffe von Jugendlichen in der U- oder S-Bahn als sonst in Deutschland. Im öffentlichen Nahverkehr werden mehr als 20 Prozent der Taten verübt. Ähnlich wie im Bund sind die Täter meistens Jungen. Häufiges Trinken von Alkohol, Drogen wie Haschisch oder Gewaltfilme führen zu einer höheren Quote von Gewalttätern.

Warum Kriminologen Statistiken nicht trauen

Sinn der Studie sei, die tatsächlichen Zahlen von Kriminalität und Gewalt zu erforschen, erläuterten die Wissenschaftler. Die Kriminalstatistiken der Polizei würden ein zu großes Dunkelfeld offen lassen. "Wir als Kriminologen trauen diesen Statistiken nicht. Da taucht nur das auf, was angezeigt wird, etwa nur ein Viertel der Taten. Dreiviertel der Taten bleiben unentdeckt."

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