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Mobbing: Lehrer-Humor hilft gegen Mobbing

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Lustige Wissenschaft: Fiese Lehrer - weniger Mobbing?

19.01.2012, 16:57 Uhr | Sven Eichstädt, mmh, dapd

Mobbing: Lehrer-Humor hilft gegen Mobbing. Zynisch, witzig, lustig. So wirkt Lehrerhumor gegen Mobbing.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zynisch, witzig, lustig. So wirkt Lehrerhumor gegen Mobbing. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Was hören wir da? Je fieser die Lehrer, desto weniger Mobbing? Je zynischer, desto besser? Haben wir da was verpasst? Junge Wissenschaftler aus Leipzig jedenfalls haben jetzt die Auswirkungen von Humor in Schulen untersucht. Ihr Fazit: Lustig verpackte Kritik von Lehrern hält Schüler zum Beispiel von Mobbing ab. Diese Studie wurde sogar ausgezeichnet vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sie ist eines von 15 Gewinnerprojekten beim Wettbewerb "Was macht gesund?“ im Wissenschaftsjahr 2011 - Forschung für unsere Gesundheit. Humor gegen Mobbing gehört anscheinend dazu. Also: Lehrer, seid aggressiv und negativ! Das hilft unseren Kindern ganz bestimmt - oder doch nicht?

Aggressiver Humor hilft gegen Mobbing

Herablassend wirft der Lehrer der Neuntklässlerin ihre Deutscharbeit auf den Tisch. "Für deine Verhältnisse ganz gut", sagt der Pädagoge zu der Gymnasiastin, "Note 5". Ein solches Verhalten gruppiert die Leipziger Psychologin Tabea Scheel als aggressiven Humor ein. Zusammen mit dem Masterstudenten Mario Csonka untersuchte Scheel, die an der Universität Leipzig promoviert und sich anschließend habilitieren will, welche Auswirkungen verschiedene Humorstile im Unterricht auf Schüler haben. Dafür wurden Jugendliche in Sachsen befragt.

"Wenn Lehrer aggressiven Humor anwenden, tritt in den Klassen seltener Mobbing auf", berichtet Scheel aus den Ergebnissen der Untersuchung. "Schüler, die sonst vielleicht Mitschüler mobben würden, fühlen sich durch den aggressiven Humor ihres Lehrers abgeschreckt." Das Ergebnis habe sie überrascht, sagt Scheel. "In leichter Ausprägung führt aggressiver Humor, der eigentlich negative Auswirkungen hat, damit zu positiven Konsequenzen."

Auf die Langzeitfolgen für junge Schüler-Seelen haben die Forscher allerdings nicht geachtet. Welcher Schüler lässt sich schon gerne vom Lehrer abkanzeln? Was ist schlimmer: Lehrer-Fiesheit oder Mitschüler-Mobbing?



Negativer Humor nur kurzfristig erfolgreich

Scheel orientierte sich in ihrer Studie an den Humorkategorien des kanadischen Psychologen Rod A. Martin. Dieser ordnet aggressiven Humor als "negativen Humor" ein, ebenso wie selbstabwertenden Humor. Zu den beiden positiven Humortypen zählt er selbstaufwertenden sowie sozialen, verbindenden Humor.

Das sind die Humorkategorien

Selbstaufwertender Humor meint bei Martin die Fähigkeit, sogar bei Stress eine humorvolle Perspektive zu behalten. Verbindender Humor beschreibt die Tendenz, Witziges zu sagen, um andere zu amüsieren, Beziehungen zu erleichtern und zwischenmenschliche Spannungen zu reduzieren. Aggressiver Humor wird benutzt, um andere zu kritisieren oder mit Sarkasmus zu manipulieren. Selbstabwertender Humor bezeichnet das Verhalten, sich mit witzigen Bemerkungen über eigene Schwächen oder durch ein Verstecken negativer Gefühle beliebt machen zu wollen.

"Kurzfristig kann negativer Humor durchaus erfolgreich sein, aber auf lange Sicht hat er negative Konsequenzen", sagt Scheel, die an der Berliner Humboldt-Universität studiert hat und für ihr Projekt "Humor macht gesund" vom Bundeswissenschaftsministerium einen mit 10.000 Euro dotierten Preis erhalten hat.

Schüler sind kreativer nach selbstaufwertendem Humor

Um die Auswirkungen der verschiedenen Humorstile zu ermitteln, befragte Student Csonka nicht nur 340 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren in Schulen in Leipzig, Rochlitz (Landkreis Mittelsachsen) und Markneukirchen (Vogtlandkreis), er maß auch ihren Puls. "Schüler, die vermehrt Humor haben, sind entspannter und haben einen niedrigeren Puls", berichtet Scheel. Bei Schülern, die verstärkt selbstaufwertenden Humor einsetzen, hätten sie zudem eine bessere Kreativleistung messen können.

Selbstabwertender, also negativer Humor hingegen habe die gegenteilige Auswirkung und vermindere die Kreativleistung, außerdem noch die Rechenleistung. Richtig krank macht Mobbing: Schüler, die Mobbing erleben mussten, berichteten den Psychologen Scheel zufolge über Schlafprobleme, weniger Elan und davon, dass sie gereizter und nervöser sind.

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