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Das länderübergreifende Abitur rückt näher

11.07.2012, 17:16 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Das länderübergreifende Abitur rückt näher. In sechs Bundesländern werden ein einheitliche Abituraufgaben getestet. (Quelle: dapd/Uwe Meinhold)

In sechs Bundesländern werden ein einheitliche Abituraufgaben getestet. (Quelle: Uwe Meinhold/dapd)

Die Frage, ob der Bildungsföderalismus in Deutschland wirklich eine gute Idee ist, wird immer wieder in den Raum gestellt. Vor allem Vertreter der Wirtschaft beklagen, dass Abitur nicht gleich Abitur ist. Auch für die Schüler gestaltet sich die Regelung schwierig. Nämlich dann, wenn sie umziehen müssen, zum Beispiel von der Spree an die Isar. Ganz klar, dass da die Forderung nach einem Zentralabitur, zumindest in den Kernfächern, immer lauter wird. Manche Länder wagen bald den ersten Schritt.

Im Frühjahr 2014 wird es ernst

Bayern, Sachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind die Bundesländer, die man als Vorreiter in Sachen Zentralabitur bezeichnen kann. Bereits im Frühjahr 2014 werden die Schüler dieser Länder im Rahmen der schriftlichen Abiturprüfung gemeinsame Aufgabenteile zu bewältigen haben. Seit April gibt es Musteraufgaben, im Herbst 2013 sind die ersten Probeklausuren geplant. Nicht zuletzt sollen so auch Konsequenzen aus Pisa und anderen Studien gezogen werden, die immer wieder ein erhebliches Leistungsgefälle zwischen den einzelnen Ländern beklagt haben.

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Vergleichbarkeit der Abschlüsse ist das Ziel

Ziel ist, die Abschlüsse in Deutsch, Englisch und Mathematik vergleichbarer zu machen: "Hinter gleichwertigen Abschlüssen müssen nach meiner festen Überzeugung auch gleichwertige Leistungen stehen", begründet Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle das Vorhaben in einem Schreiben an alle bayerischen Gymnasien. Damit diese Vergleichbarkeit zustande kommt, arbeiten Experten der besagten Bundesländer an der Entwicklung gemeinsamer Aufgaben. Zusammen mit den anderen Ländern wolle man so die Voraussetzungen für höhere Mobilität, mehr Chancengerechtigkeit und eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse schaffen, ohne die Schulen zusätzlich zu belasten. Diese sind durch das G8 schließlich geplagt genug. Wie bisher auch bekommen also die Gymnasien vom Ministerium die entsprechenden Prüfungsaufgaben und korrigieren sie dann vor Ort.

Identisches Abitur scheitert bereits am Organisatorischen

Wer nun aber glaubt, man teile einfach deutschlandweit an ein und demselben Tag ein- und diesselben Aufgaben aus, der irrt sich. Das ist allein aufgrund der unterschiedlichen Ferienzeiten und der entsprechenden Verteilung des Stoffs in den Lehrplänen organisatorisch gar nicht möglich. Es wird stattdessen einen Pool mit Prüfungsfragen geben, aus dem sich die Länder bedienen können. Diese Prüfungsfragen liegen in ihren Anforderungen alle auf dem gleichen Niveau ohne den gleichen Wortlaut zu haben. Und sie machen nur einen Teil des jeweiligen Abiturs aus, hinzu kommen mündliche Prüfungen sowie die Kursnoten aus dem Schuljahr.

Kritische Stimmen werden lediglich etwas leiser

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes (bpv), Max Schmidt, begrüßt zwar grundsätzlich länderübergreifende Initiativen, die die Qualität und Vergleichbarkeit in den Abiturprüfungen steigern, da so mehr Gerechtigkeit geschaffen werde. Er fordert aber trotzdem, die Sache mit Bedacht anzugehen: "Auf die Ladehemmung darf jetzt kein Schuss ins Blaue folgen!"

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigt sich kritisch. Der niedersächsische Schulexperte Henner Sauerland hält es für einen Irrtum, dass die stärkere Zentralisierung von Prüfungen einen besseren Vergleich der Studierfähigkeit ermöglicht. Er befürchtet zudem, so wird Sauerland auf der Seite des NDR zitiert, dass das Niveau des Unterrichts an den niedersächsischen Oberstufen durch zu viel einfaches Reproduzieren sinken könne. Schließlich sei selbstständiges Arbeiten, Vergleichen und Bewerten viel wichtiger, um Schüler auf ein Studium vorzubereiten.

Nicht vergleichbar, aber vergleichbarer

Vor Jahren schon haben alle Länder in einer Kultusministerkonferenz einheitliche Prüfungsanforderungen für die Abiturprüfungen beschlossen. Das länderübergreifende Abitur ist sozusagen ein weitergehender Schritt - von einem Zentralabitur allerdings noch weit entfernt. Aber vielleicht entscheiden sich in Zukunft noch mehr Bundesländer für die Version der sechs Vorreiter und sicher lässt sich auch diese immer weiter modifizieren. Denn momentan lässt das geplante länderübergreifende Abitur noch ziemliche Unterschiede zu. Von vergleichbar kann man also sicher auch nach der Einführung nicht sprechen, von vergleichbarer aber schon.

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