Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Jugendliche >

Ausbildungsbrücke: Paten helfen bei Schulabschluss und Ausbildung

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schulabgänger  

Ehrenamtliche Paten werden "Brückenbauer" für Hauptschüler

14.08.2012, 15:34 Uhr | , t-online.de

Ausbildungsbrücke: Paten helfen bei Schulabschluss und Ausbildung. Ehrenamtliche Paten helfen Hauptschülern beispielsweise bei Bewerbungen. (Quelle: dpa)

Ehrenamtliche Paten helfen Hauptschülern beispielsweise bei Bewerbungen. (Quelle: dpa)

Jugendliche mit Hauptschulabschluss haben es bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz schwer. So werden auch Ausbildungsstellen für Friseure, Bäcker oder Lageristen zunächst an Bewerber mit Realschulabschluss vergeben. Hauptschüler – auch die Fleißigen mit guten Noten – gehen häufig leer aus. Das zu ändern, hat sich die Ausbildungsbrücke auf die Fahnen geschrieben, eine bundesweite Initiative unter dem Dach der Diakonie. Mit Hilfe ehrenamtlicher Paten werden Schulabgänger fit gemacht für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben.

Hauptschüler sind die Ladenhüter auf dem Arbeitsmarkt

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben ist nie leicht. "Was kann ich? Was will ich? Und wie fange ich das am besten an?" Fragen, die schon für Abiturienten schwierig zu beantworten sind, stellen Hauptschulabgänger vor noch größere Herausforderungen. Mitten in der Pubertät ist eine zentrale Weiche für den weiteren Lebensweg zu stellen und der eingeschlagenen Richtung dann mindestens für die Dauer der Ausbildung zu folgen.

Abgesehen davon, muss sich erst einmal ein Unternehmen finden, dass zur Ausbildung bereit ist, denn bei einem Hauptschulabschluss sind selbst gute Noten keine Jobgarantie. Viele Unternehmen unterstellen ihnen Unzuverlässigkeit und Schwächen in grundsätzlichen Kompetenzfeldern wie Kopfrechnen, Dreisatz oder Lesefähigkeit. Ausbildungssuchende mit Hauptschulabschluss gehören zu den Ladenhütern auf dem Arbeitsmarkt.

Viele Hauptschüler haben Defizite im Fachlichen und der Persönlichkeit

Ursachen dafür gibt es genug, und den schwarzen Peter einfach bornierten Personalern in den Betrieben zuzuschieben, wird dem Kern des Problems nicht gerecht. Der liegt in Wahrheit viel tiefer, nämlich bei der mangelnden Ausbildungsfähigkeit vieler Hauptschulabsolventen sowohl im Fachlichen als auch bei unabdingbaren Sekundärtugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.

"Oft geht es gar nicht in erster Linie darum, Schülern Wissen zu vermitteln, sondern erst einmal ihre Persönlichkeit zu stärken", bestätigt Joachim Uszkoreitis, Koordinator bei der Darmstädter Ausbildungsbrücke. Er versucht, Schüler mit problematischem Bildungshintergrund und ehrenamtliche Paten zusammenzubringen, die die Schulabgänger dann bei Schulabschluss, Berufsorientierung und der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz unterstützen sollen.

Die Ausbildungsbrücke vermittelt kostenlose Eins-zu-Eins-Betreuung

Die Ausbildungsbrücke gibt es bundesweit inzwischen in 42 Städten und an 74 Schulen. Das Prinzip ist immer gleich: Ein Pate übernimmt Verantwortung für einen einzigen Jugendlichen und betreut diesen mehrere Jahre lang – im Idealfall vom Beginn des letzten Schuljahres an bis zum erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Während dieser Zeit treffen sich beide zu regelmäßigen Coaching-Terminen.

"Wir verstehen uns als Vermittler, der Schüler und Pate zusammen bringt", macht Uszkoreitis die eigene Rolle als Koordinator der Ausbildungsbrücke deutlich. In die Beziehung zwischen Pate und Schüler mische man sich so wenig wie möglich ein. Schließlich mache die Eins-zu-Eins-Beziehung das Wesen und einen Gutteil des Erfolgs beim Patenmodell aus.

"Ehrenkodex" für Paten in der Ausbildungsbrücke

Dieses enge Verhältnis zwischen Pate und Schüler stellt aber auch hohe Anforderungen an die Ehrenamtlichen. Alle Paten unterschreiben einen "Ehrenkodex", in dem sie sich unter anderem zu Loyalität gegenüber ihrem Schützling verpflichten. "Sie verpflichten sich, eine einmal aufgenommene Ausbildungspatenschaft verbindlich zu Ende zu führen", heißt es dort etwa. Auch die absolute Vertraulichkeit zwischen Pate und Schüler ist Bestandteil dieses Ehrenkodexes.

Dass gerade in dieser vertraulichen Beziehung zwischen einem erwachsenen Paten und einem Schüler auch ein Gefahrenpotenzial schlummern kann, ist Uszkoreitis bewusst: "Wir fordern von allen Paten ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis," sagt er. So soll Missbrauch ausgeschlossen werden.

Darüber hinaus zählen bei Paten vor allem das Engagement und der persönliche Hintergrund. Eine akademische Bildung wird ebenso wie Personalverantwortung zwar gern gesehen, ist aber nicht Voraussetzung für eine Patenschaft.

"Lehrer kann ich mir nicht aussuchen. Meinen Paten schon."

"Wir gehen mit den Paten in die Schulen, mit denen wir kooperieren", erklärt Uszkoreitis. Dort stellen die Paten sich und ihren beruflichen Hintergrund vor. Die Entscheidung, ob sie das Angebot annehmen und welchem Paten sie sich anvertrauen wollen, obliegt allein den Schülern.

In diesem Prinzip sieht Wolfgang Weber, der die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Darmstädter Ausbildungsbrücke verantwortet, einen entscheidenden Vorteil: "Eltern und Lehrer kann ich mir als Schüler nicht aussuchen. Meinen Paten schon." Dadurch steige auch die Bereitschaft, mit diesem zusammenzuarbeiten und sich an Spielregeln zu halten.

Bewusstsein für die Folgen eigenen Handelns schaffen

Spielregeln – zu allererst das zuverlässige und pünktliche Erscheinen zu den Coaching-Terminen – sind für den Erfolg einer Patenschaft unerlässlich, aber bei der betreuten Klientel keineswegs selbstverständlich, weiß Uszkoreitis: "Termine werden auch schonmal erst fünf Minuten vorher abgesagt – nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Gedankenlosigkeit." Für den Paten gehe es dann zunächst darum, beim Schüler das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sein Handeln auch für andere Menschen Folgen hat.

Individuelle Förderung ist effektiver als es Schule sein kann

Inhaltlich richtet sich das Coaching am individuellen Bedarf des Schülers aus. Die Ausbildungsbrücke schließt Kooperationsverträge mit örtlichen Schulen ab, um den Paten den Zugang zu Lehrern und Praktikumsbetrieben zu erleichtern. "Die Lehrer kennen den Paten und sind mit ihm in regem Austausch", erklärt Uszkoreitis. So können im Coaching genau die Kompetenzen gestärkt werden, die der Schüler zur Verwirklichung seiner Ziele braucht.

Wenn ein Schüler gerne Bäcker werden will, im Praktikum aber Schwächen im Kopfrechnen offenbart hat, wird mit ihm eben genau daran gearbeitet. Gegebenenfalls geht der Pate hinterher noch einmal auf den Praktikumsbetrieb zu und bietet ein weiteres Praktikum an, in dem sich sein Schützling nun erneut beweisen kann. Durch solche, gezielt am Bedarf eines potenziellen Arbeitgebers ausgerichtete Förderung, steigen die Chancen auf eine Ausbildung.

So erfolgreich ist das Patenmodell

Aussagekräftige Statistiken über die Erfolge der Ausbildungsbrücke gibt es noch nicht. Dafür ist das 2008 initiierte Projekt einfach noch zu jung. Vergleichbare Patenmodelle gibt es allerdings schon länger für Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderung – Gruppen also, die mindestens ebenso schwer auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar sind, wie es Hauptschulabgänger sein dürften.

Solche Patenmodelle sind um ein Vielfaches erfolgreicher, als es Jobcenter und Arbeitsagenturen je sein könnten. 2011 seien insgesamt 933 Patenschaften abgeschlossen worden. "Davon wurden 646 vermittelt, eine Quote von 69,3 Prozent", berichtet Ausbildungsbrücken-Koordinator Uszkoreitis nicht ohne Stolz. Zahlen, vor denen selbst die Bundesregierung nicht die Augen verschließen kann. Seit 2009 wird das Patenmodell vom Familienministerium als "Leuchtturmprojekt" geführt.

In unserer "Eltern-Welt" finden Sie alles, was Eltern bewegt: Jetzt Fan werden und mitdiskutieren!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Rutschpartie des Jahres 
Selbst der Schneepflug scheitert an diesem Hügel

Das Video begeistert schon mehr als 22 Millionen Menschen im Internet. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

Shopping
Macht den Kaffeemoment zur besten Zeit des Tages

Siemens Kaffeevollautomat der EQ Serie: Erfahren Sie vollendeten Kaffeegenuss. von OTTO

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal