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Teenager: Kopfhörer sorgen für Gefahr im Straßenverkehr

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Unterschätzte Gefahr: Musik über Kopfhörer kann zur Todesfalle werden

24.07.2012, 15:23 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Teenager: Kopfhörer sorgen für Gefahr im Straßenverkehr. Gefahr im Straßenverkehr: Musikbeschallung über Kopfhörer "vernebelt" die Sinne. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gefahr im Straßenverkehr: Musikbeschallung über Kopfhörer "vernebelt" die Sinne. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es gehört inzwischen zum normalen Straßenbild: Immer mehr gehen nicht mehr "oben ohne" und wollen auf mobile Musikberieselung per Kopfhörer oder Ohrstöpsel nicht mehr verzichten. Vor allem für Jugendliche ist es völlig selbstverständlich, auf Schritt und Tritt Dauerbeschallung aus dem MP3-Player oder dem Smartphone zu konsumieren. Doch dieser Trend birgt große Gefahren. Denn immer häufiger verunglücken gerade Teenager im Straßenverkehr wegen der dröhnenden Knöpfe im Ohr.

"Schlafwandeln über Straßen und Bahnsteige"

Es sind keine erfreulichen Zahlen, die das Statistische Bundesamt im Januar veröffentlichte: Im Jahr 2011 gab es nämlich seit 20 Jahren zum ersten Mal wieder mehr Verkehrstote als im Vorjahresvergleich. Besonders alarmierend war die Anzahl der tödlich verunglückten Fußgänger, die um ein Viertel gestiegen ist.

Bundesverkehrsminister Ramsauer spekulierte angesichts dieser Tendenz gegenüber der "Saarbrücker Zeitung", dass die verstärkte Nutzung von MP3-Player oder Smartphone dafür die Ursache sein könnte. Denn immer mehr Menschen hörten unterwegs Musik und bekämen so von der Umgebung nicht mehr viel mit. "Mit lauter Musik oder dem Handy am Ohr schlafwandeln sie über Straßen und Bahnsteige. Das ist ein sehr gefährlicher Trend", so der Politiker. Ramsauer appelliert daher, stets "Augen und Ohren offen zu halten" und auf Beschallung über Kopfhörer im Straßenverkehr grundsätzlich zu verzichten. Auch zahlreiche Verkehrssicherheitsexperten wünschen sich mangels konkreter Gesetze und Verordnungen vor allem zum Schutz der eigenen Person mehr Verantwortungsbewusstsein und empfehlen zumindest die Lautstärke so zu drosseln, dass Umgebungsgeräusche noch wahrnehmbar sind.

Je lauter desto besser

Die alltägliche Hör-Praxis ist von solchen moderaten Tönen jedoch meist weit entfernt. Hier gilt vor allem bei jugendlichen Musikkonsumenten das Motto "je lauter desto besser". Eine österreichische Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) hat dazu herausgefunden, dass jeder fünfte Teenager fast immer Musik hört, wenn er als Fußgänger oder mit dem Fahrrad unterwegs ist. Jeder zehnte gab zudem an, schon einmal gefährliche Situationen durch Kopfhörer im Straßenverkehr erlebt zu haben.

Gefahren werden unterschätzt

Dennoch scheint vielen trotz solcher Erfahrungen das erhöhte Risiko offenbar nicht bewusst zu sein. Bei der Befragung waren nämlich ein Drittel der bis zu 24-Jährigen der Meinung, dass "mobile" Musikbeschallung per Ohrhörer gar nicht oder kaum gefährlich sei. Und jeder Zweite war fest davon überzeugt, keine Wahrnehmungsbeeinträchtigung zu haben, obwohl die Mehrzahl der Teenager bei der Erhebung angab, die Lautstärke am liebsten auf den höchsten Pegel zu drehen. Das können bei vielen Geräten bis zu hundert Dezibel sein, was dem Schalldruck eines Presslufthammers entspricht.

Warum Ablenkung und akustische Abschottung gerade bei Fußgängern und Fahrradfahrern fatale Folgen haben kann, erklärt der ADAC- Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino gegenüber der Elternredaktion von t-online.de: "Die Verkehrsströme sind hier nicht so standardisiert wie beim Autofahren. Richtungswechsel sind durch die größere Wendigkeit ständig möglich und machen die Bewegungen sprunghafter und unkalkulierbarer für andere Verkehrsteilnehmer. Deshalb braucht man unbedingt den Gehörsinn. Nur die Augen reichen zur Einschätzung einer Situation nicht aus. Das ist sehr trügerisch."

"Kopfhörer-Unfälle" häufen sich

Wie verhängnisvoll sich tatsächlich solche "vollen Dröhnungen" am Ohr im Straßenverkehr auswirken, dokumentieren Schlagzeilen der vergangenen Monate: Im März etwa wurde in Kassel ein 15-Jähriger von einer heranfahrenden Straßenbahn erfasst und getötet. Ermittlungen zufolge übersah er den Zug, als er die Gleise überquerte und hörte auch das Klingeln nicht, weil er Kopfhörer trug. In Karlsruhe wurde im April ein jugendlicher Radfahrer verletzt, nachdem er die Ampelanlage der Stadtbahn missachtete und es so zur Kollision kam. Auch er reagierte nicht rechtzeitig auf das Schienenfahrzeug, da er laut Musik hörte. Und in Krefeld lief im Juni ein 16-Jähriger in einen Notarztwagen mit Blaulicht. Bei dem Zusammenprall wurde er jedoch nur leicht verletzt. Auch dieser Junge hatte wegen seiner Ohrenstöpsel das Martinshorn nicht wahrgenommen.

Meist Jugendliche und junge Erwachsene sind betroffen

Ähnliche Unfallhäufungen zeigen sich auch in den USA: Hier belegt eine Langzeit-Studie von der Universität Maryland in Baltimore, die jüngst im Fachblatt "Injury Prevention" veröffentlicht wurde, dass sich in den vergangenen sieben Jahren die Anzahl schwerer Unfälle von Fußgängern, die Musik per Smartphone oder MP3-Player hörten, verdreifacht haben. Davon endeten, das zeigten die ausgewerteten Fälle, etwa 70 Prozent tödlich, weil die Opfer Warnsignale oder Hupen überhört hatten. Betroffene waren auch hier zum größten Teil Teenager und junge Erwachsene unter 24 Jahren.

"Vernebelung der Sinne"

Nach den Erkenntnissen der US-Forscher "vernebelt" die Musik über Ohrstöpsel oder die großen Kopfhörer, die gerade besonders im Trend liegen, nicht nur das Gehör sondern auch die anderen Sinne, so die Wissenschaftler. Dies lenke gleich auf zweifache Weise von den Gefahrenquellen des Verkehrs ab: Einerseits durch die verlagerte Konzentration auf die Musik, mit der nachweislich die Fähigkeit des Gehirns sinke, auf andere Reize zu reagieren. Andererseits dämmten sowohl die Musik als auch die Kopfhörer die manchmal überlebenswichtigen Hup- und Warnsignale oder blendeten sie sogar komplett aus.

"Das Gefährliche dabei ist", erläutert Verkehrspsychologe Chiellino, "dass die Aufmerksamkeit eigentlich auf eine Nebenaufgabe und nicht auf die Hauptaufgabe des Verkehrsgeschehens gerichtet ist. Die Nebenaufgabe, nämlich die Musik, wird so unbewusst zur Hauptaufgabe. Man fühlt sich sorglos und beschwingt und bewegt sich mit dem Gefühl 'mir passiert schon nichts'. Diese gefühlte Sicherheit entspricht aber nicht der Realität."

Hörschäden bei jedem vierten Jugendlichen

Auch Mediziner machen sich Sorgen über die Dauerbeschallung nah am Ohr, gerade bei Heranwachsenden. Denn nach einer Untersuchung der DAK von 2009 nimmt Schwerhörigkeit bei Teenagern in Deutschland dramatisch zu. Danach hat jeder vierte Jugendliche inzwischen einen nicht heilbaren Hörschaden. Das besonders Tückische daran sei, so die Experten der Krankenkasse, dass laute Musiktöne als angenehmer und entspannender wahrgenommen würden als entsprechend intensiver Bau- oder Verkehrslärm. Dennoch sei die Belastung für die Ohren dieselbe. Denn wer jahrelang Musik mit Schalldruckpegeln von über 100 Dezibel höre, laufe Gefahr die feinen Haarzellen im Innenohr auf irreparable Weise für immer zu schädigen.

Verordnungen und Verbote helfen nicht weiter

Ob es eines Tages angesichts steigender Unfallzahlen offizielle Regelungen bezüglich des Tragens von Kopfhörern in Straßenverkehr gibt, bleibt offen. Bislang jedenfalls existieren keine konkreten Pläne. Auch entsprechende Studien, die Zusammenhänge genau nachweisen, fehlen noch in Deutschland. Skeptisch äußert sich auch Verkehrsexperte Chiellino: "Wenn es hierzu Verordnungen gäbe, wie sollte man sie reglementieren und kontrollieren? Das ist schwierig. Sollen dann im gesamten öffentlichen Raum keine Kopfhörer mehr getragen werden? Oder ist es beispielsweise an einer Bushaltestelle erlaubt, weil dort vielleicht nicht die Straßenverkehrsordnung gilt? Anstatt an Verordnungen zu glauben, sollte man gerade bei Jugendlichen eher die Eigenverantwortung stärken und an die Vernunft appellieren. Das bewirkt mehr als bloße Verbote."

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