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ARD: "Kindheit unter Drogen"

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ARD erzählt Annas tragische Kindheit  

"Ohne Drogen hätte ich nicht überlebt":

21.08.2012, 09:33 Uhr | rev, t-online.de, dpa

ARD: "Kindheit unter Drogen". Aus der ARD-Doku "Kindheit unter Drogen": Anna (heute 24) schaut sich alte Fotos von sich an. (Quelle: HR)

Aus der ARD-Doku "Kindheit unter Drogen": Anna (heute 24) schaut sich alte Fotos von sich an. (Quelle: HR)

Mit neun Jahren trinkt Anna zum ersten Mal. Ihr wird schlecht, aber sie merkt auch, wie der Alkohol sie "leicht berieselt". Der Start einer Suchtkarriere, die der Film "Kindheit unter Drogen - Annas Weg ins Leben" eindrucksvoll beschreibt. Regisseurin Dorothee Kaden wirft gemeinsam mit der jungen Frau einen Blick zurück: Auf den schlagenden Vater, die alkoholkranke Mutter, die ahnungslose Schule, das hilflose Jugendamt. Ohne voyeuristisch zu sein, erzählt der Film, der am 20. August 2012 im Rahmen der ARD-Reihe "Die Story im Ersten" ausgestrahlt wurde, Annas Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen.

Düster hatte Annas Leben begonnen: Nach außen hin scheint ihre Familie perfekt. Der Vater - ein promovierter Akademiker -, die Mutter - stets adrett gekleidet - und drei Kinder leben in einem Eigenheim in einem kleinen hessischen Ort. An manchen Tagen, wenn die Mutter nicht aufsteht, schmiert Anna die Brote für ihren Zwillingsbruder. Doch hinter der Fassade sieht es ganz anders aus: ein unberechenbarer Vater, der häufig nur am Wochenende zu Hause ist und Anna immer wieder demütigt und "gnadenlos" schlägt, und eine schwache Mutter, die trinkt, um dem Alltag zu entfliehen und die ihrem Mann während seiner Prügelattacken nur die Bitte zuruft: "Mach die Fenster zu und schlag sie nicht auf den Kopf!"

Annas Doppelleben

Nur im Rausch kann Anna dieser brutalen Realität entfliehen. Sie trinkt und schluckt in dieser Zeit Schmerzmittel, die Ärzte ihr anscheinend problemlos verschreiben. In der Schule spricht sie niemand an, wenn sie teilnahmslos im Unterricht sitzt. Sie beginnt Ecstasy zu nehmen, verletzt sich selbst und führt ein Doppelleben. Als ihre Mutter Blut im Bett der Tochter findet, glaubt sie die Geschichte mit dem Nasenbluten. Bei einer Scherbe in der Schultasche denkt sie an eine Waffe. Annas Drogensucht habe sie jedoch nicht wahrhaben wollen.

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Im Film stellt Anna ihre Mutter zur Rede und fragt sie, warum sie damals nichts gegen den Vater unternommen habe. "Ich hatte Angst, es alleine nicht zu schaffen, ohne Partner und mit den Kindern", lautet die Antwort der Mutter. Sie ergänzt: "Und ich hatte nicht den Mut, etwas auszuprobieren."

Selbstmordgefährdet: Zwangseinweisung in die Psychiatrie

In dieser schlimmen Zeit wird schließlich die Mutter des besten Schulfreundes von Anna aufmerksam und schaut genauer hin. Sie schreibt ans Jugendamt, dass Anna selbstmordgefährdet und autoaggressiv ist. Doch das Mädchen muss zurück in ihre Familie, es wird depressiv. Als Anna ihren Selbstmord ankündigt, wird sie in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Tatsächlich war sie damals bereit, sich das Leben zu nehmen, sich die Pulsadern aufzuschneiden, wie sie in der Doku erklärt. Sie hatte ihren eigenen Tod sogar schon geplant, hatte im Kopf, wer ihre Sachen bekäme und wer zu ihrer Beerdigung kommen sollte.

Dann jedoch erkannte sie im letzten Moment in der Einweisung in die Psychiatrie auch eine Chance. Dort erzählte Anna einer Therapeutin zum ersten Mal, was wirklich in ihrer Familie vorging. Trotzdem wurde es nicht besser, als sie nach einem halben Jahr aus der Einrichtung entlassen wurde. Sie trifft ihre alten Freunde und kommt mit 15 Jahren in Kontakt mit harten Drogen wie Kokain und Heroin. In die Schule geht sie kaum noch. Stattdessen wird das Geld knapp und Anna beginnt zu klauen und zeitweise sogar selbst mit Drogen zu dealen.

Anna packt aus und zieht vor Gericht

Anna hat in dieser Phase immer weniger Kontakt zu ihren Eltern. Wenn sie allerdings ihrem Vater mal begegnet, ist es schlimmer als je zuvor. Immer brutaler verprügelt er seine Tochter - bis zu dem Tag, an dem Anna beschließt, nicht länger den Schein zu wahren. Anna packt aus - gegenüber Bekannten, Lehrern und dem Jugendamt erzählt sie von den grausamen Taten ihres Vaters und zeigt ihn schließlich auch an.

Sie gewinnt vor Gericht gegen ihren Vater. Er muss Anna mehrere tausend Euro Schmerzensgeld zahlen - doch die Drogensucht bleibt. "Wenn ich die Drogen nicht gehabt hätte, dann hätte ich es nicht überlebt", sagt Anna im Film. "Das Gefährliche ist, dass man denkt, du brauchst niemanden mehr um dich herum. Du hast ja die Drogen."

Die eigene Entscheidung

Als Anna körperlich bereits stark vom Konsum der harten Drogen gezeichnet ist, entschließt sie sich zu entgiften - kalt, ohne Medikamente, denn sie will, dass es ihr dabei schlecht geht. Die Erfahrung soll sie vor einem Rückfall schützen. Anschließend sucht sich Anna einen Langzeittherapieplatz weit weg von zu Hause.

In dieser Zeit vor vier Jahren trifft Regisseurin Dorothee Kaden auf Anna. Sie scheint den Wendepunkt geschafft zu haben. Nach der Langzeittherapie ist das Filmteam von einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte überzeugt, doch kurz bevor der Film fertig ist, bricht die Hauptfigur den Kontakt ab. Unbemerkt von allen ist die damals 20-Jährige zurück in die Welt der Drogen abgedriftet. Monatelang verschanzt sie sich mit Drogen in ihrem Zimmer und lebt von Rausch zu Rausch. "Es war nicht mehr die Entscheidung meines Vaters", erklärt Anna. "Es war diesmal meine eigene Entscheidung, hilflos durch die Welt zu gehen, vollgeknallt mit Drogen." Für Anna selbst grenzt es an ein Wunder, dass sie diese Zeit überlebt.

"Sicherheit gibt es nicht für ihren Weg"

Als Anna ganz unten ist, merkt sie, dass sie leben will und sucht wieder einen Therapieplatz. Erstmals geht es in der Therapie nicht nur um die Drogensucht, sondern vor allem um ihre unterdrückten Gefühle. 2012 meldet sich Anna wieder bei Kaden. Sie schaut den alten Film und kommentiert, wie es ihr damals gegangen ist. Die Autorin gibt ihr Raum und Respekt, gewährt ihr Zeit zum Erzählen.

Anna ist jetzt 24, älter, erwachsener, klüger. Wie sie heute lebt, wie sie auf ihre eigene Vergangenheit schaut, das erzählt der Film mitunter schonungslos, aber immer voller Respekt für die Lebensleistung einer jungen Frau, die als Kind ihr Leben nicht mehr lebenswert fand. Der Film von Dorothee Kaden arbeitet sich nicht an platten Schuldzuweisungen ab. Er ist ein Plädoyer dafür, genau hinzuschauen, Aufmerksamkeit auch da zu schenken, wo es unbequem wird und den eigenen Frieden stören könnte.

Demnächst beginnt Anna eine Lehre in der Metallindustrie. Die Stimme aus dem Off sagt: "Wir glauben Anna wieder, Sicherheit gibt es nicht für ihren Weg."

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