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"Menschen hautnah": Lucas' letzter Brief

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Warum hat Lucas B. sich das Leben genommen?

18.09.2012, 16:31 Uhr | rev, t-online.de

"Menschen hautnah": Lucas' letzter Brief. Der verstorbene Lucas (links) mit seinem Vater. (Quelle: WDR)

Der verstorbene Lucas (links) mit seinem Vater. (Quelle: WDR)

"Guten Tag Mama, guten Tag Papa, ich möchte mich hiermit von dieser Welt verabschieden." So beginnt der Abschiedsbrief von Lucas B., der sich am 6. Juni 2011 das Leben nahm. Wie es so weit kommen konnte, weiß niemand. Lucas' Eltern, seine Freunde, sein Lehrer wie auch die betreuenden Psychologen des 16-jährigen Realschülers mussten in den letzten Monaten alle begreifen, dass sie einem Jungen nahe standen, ohne auch nur annähernd zu ahnen, wie es in ihm aussah. In dem Dokumentarfilm "Lucas' letzter Brief" aus der WDR-Reihe "Menschen hautnah" begaben sie sich auf die Suche nach Antworten.

Täglich wurde er verspottet

Mobbing in der Schule nennt Lucas in seinem Abschiedsbrief als einen der Hauptgründe für seinen Suizid. Tobias, ein Klassenkamerad, der Lucas mochte und als einer der wenigen bereit ist über das Problem zu sprechen, bestätigt es: Lucas, der mit seiner Zwei-Meter-Länge, dem massigen Körper und den ungelenken Bewegungen ohnehin auffiel, wurde täglich Opfer der Hänseleien und des Spotts von Mitschülern. Regelmäßig wurde er beim Sport ausgelacht, im Unterricht mit Papierkügelchen beschossen und wegen seiner Epilepsie fertig gemacht.

Hätte die Schule darauf nicht reagieren müssen? "Ich glaube, wir sind als Schule ziemlich hilflos. Wir müssen Arbeit leisten, die eigentlich das Elternhaus hätte erledigen müssen", äußert sich der Direktor von Lucas' Schule zu den Mobbingproblemen. Er persönlich habe deshalb nichts zu bereuen - allerdings fügt er nach kurzer Zeit hinzu: "Ich bereue aber, dass es nicht mehr Sozialarbeit in der Schule gibt."

"Der schafft es noch nicht mal, sich umzubringen"

Noch heftiger als in der Schule waren jedoch die Kommentare, mit denen Lucas im Internet bedacht wurde. Schon einmal hatte Lucas versucht sich das Leben zu nehmen. Sein bester Freund Marko erzählt von Internet-Einträgen nach diesem missglückten Suizidversuch. Da hätten Sätze gestanden wie: "Der schafft es noch nicht mal, sich umzubringen."

Lucas ließ keine Hilfe zu

Auch Lucas' Klassenlehrer habe die eine oder andere Stichelei bemerkt. Doch er schränkt ein: "Aber das gab es doch auch früher. Das war doch nicht ernst gemeint." Gleichzeitig fragt er sich, ob er besser hätte aufpassen müssen, ob er mehr hätte machen können. Doch Lucas' Strategie mit seinen Problemen umzugehen, ließ Hilfe kaum zu. Während er in der Schule die Schikanen seiner Mitschüler einfach ignorierte oder sogar mitlachte, verschwieg er das Mobbing zu Hause vollkommen.

Der Vater von Lucas ist sich sicher, dass sein Sohn kein einziges Mal zu Hause irgendetwas von Demütigungen in der Schule berichtete. Im Gegenteil, Lucas, Fan des 1. FC Köln sowie begeisterter und äußerst erfolgreicher Sportschütze, sei "ein aufgeweckter Junge mit ganz viel Wissensdurst und Ideen" gewesen. Als sie vor zwei Jahren in einen alten Bauernhof gezogen seien, habe Lucas den Garten geplant. Zusammen mit seinem Vater hatte er die Pläne umsetzen wollen. Heute quält den Vater die Frage, ob sie beide zu viel über Dinge wie den Garten gesprochen haben und zu wenig über das, was Lucas innerlich wirklich bewegte.

Epilepsie und Depression

Die Schwierigkeiten, denen Lucas tagtäglich in der Schule ausgesetzt war, waren zweifellos nicht das einzige, das ihn belastete: Lucas war elf Jahre alt, als er Epilepsie bekam. Die schwere Krankheit traf ihn zu Beginn der Pubertät und die Medikamente, die er fortan nehmen musste, lösten bei ihm als Nebenwirkung Depressionen aus.

Als Folge davon und seines ersten Selbstmordversuchs wurde er in einer Tagesklinik von Psychologen betreut. Als Lucas sich das Leben nimmt, sind auch die Experten der Klinik geschockt. Seine behandelnde Therapeutin trifft der Tod des Jungen so sehr, dass sie mehrere Monate dienstunfähig bleibt. Alle Psychologen, die mit Lucas zu tun hatten, waren sich sicher, dass er nicht mehr suizidgefährdet ist. Doch kann man die Schwere einer Depression überhaupt erkennen? Und kann man einen Menschen wirklich vom Selbstmord abhalten?

"Wir hatten keine Chance"

Vielleicht haben viele Menschen um Lucas herum vieles nicht gesehen, als er noch lebte. Nun wollen sie zumindest verstehen, warum er starb. Ein verzweifeltes Unterfangen - denn die eine Antwort gibt es nicht und wird es nie geben. Lucas' Mutter, die zu Beginn der WDR-Dokumentation nicht gefilmt werden will, spricht schließlich am Ende des Films doch. Sie fragt sich, warum Lucas sich ihnen nicht anvertraut hat und ob sie als Eltern nicht gut genug waren, um ihren Sohn auf den richtigen Weg zu führen. Dabei wirkt sie emotional aufgewühlt. Gleichzeitig weiß sie aber auch, dass sie wohl nicht hätten verhindern können, was geschah: "Irgendwann stößt man an seine Grenzen. Mann kann nicht in einen Menschen hineinschauen."

Auf Nachfrage, ob sie denn keine Chance hatten, etwas dagegen zu unternehmen, antwortet sie: "Nein, null! Wir hatten keine Chance."

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