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Soziale Herkunft: Jugendliche glauben nicht an Chancengleichheit

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"Wenn ich groß bin, werde ich Hartz IV, wie Papa"

27.11.2012, 11:24 Uhr | dpa, dapd

Soziale Herkunft: Jugendliche glauben nicht an Chancengleichheit. Soziale Herkunft: Wer einmal unten ist, bleibt unten - so sehen das viele Jugendliche. (Quelle: imago/blickwinkel)

Wer einmal unten ist, bleibt unten - so sehen das viele Jugendliche. (Quelle: blickwinkel/imago)

Ist die soziale Herkunft in Deutschland eine Sackgasse? Die Mehrheit der Jugendlichen aus armen Verhältnissen glaubt nicht, dass ihnen durch gute Leistungen ein sozialer Aufstieg gelingt. Besonders pessimistisch sind die Ostdeutschen. Das geht aus einer Allensbach-Umfrage "Chancengerechtigkeit durch Förderung von Kindern - ein deutsch-schwedischer Vergleich" hervor. Die Studie im Auftrag der "Bild der Frau" und des Familienministeriums ist am 26. November in Berlin vorgestellt worden.

Leistung lohnt sich nicht - eine demotivierende Haltung

Mehr als jeder zweite der unter 30-jährigen einkommensschwachen Deutschen hält einen Aufstieg aus einer einfachen sozialen Schicht für nur sehr schwer möglich. Nur knapp jeder fünfte ist davon überzeugt, dass man es durch persönliche Anstrengungen in der Regel auch "zu etwas bringt". Für viele von ihnen zählt allein das Elternhaus. Kurzum: Leistung lohnt sich nicht. Der Glaube, sich durch Leistung verbessern zu können, sei aber eine Grundvoraussetzung dafür, sich verstärkt zu engagieren, sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher, bei der Vorstellung der Studie.

Während es in Deutschland eher heißt: "Wenn ich groß bin, werde ich Hartz IV, wie Papa" sind junge Menschen in Schweden unabhängig von ihrer sozialen Schicht vom Gegenteil überzeugt. Gut zwei Drittel sind der Auffassung, dass jeder alles werden kann. Lediglich 28 Prozent halten einen sozialen Aufstieg für nur sehr schwer möglich.

Wie weit reicht der Erziehungsauftrag der Eltern?

Auch der Umfang des elterlichen Erziehungsauftrags wird in Deutschland und Schweden unterschiedlich wahrgenommen. Zwar sind in beiden Ländern Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und Selbstständigkeit zentrale Erziehungsziele im Elternhaus. In Deutschland fühlen sich mehr als zwei Drittel der Eltern aber auch für vielseitige Bildung, Durchhaltevermögen und Leistungsbereitschaft verantwortlich. In Schweden sieht das nur weniger als ein Drittel der Eltern so. Stattdessen delegieren sie diese Erziehungsziele an die staatlichen Bildungsinstitutionen.

Gegensätzliche Auffassungen zur Kinderbetreuung

Während schwedische Eltern glauben, dass Kinder davon profitieren, wenn sie schon sehr früh in die Kita oder zur Tagesmutter gehen, sind die Deutschen der Meinung, dass ein Kleinkind unter der Berufstätigkeit der Mutter oder beider Elternteile leidet. In Deutschland besucht bislang nur rund ein Viertel der unter Dreijährigen eine Kinderbetreuungseinrichtung. Schweden verzeichnet dagegen eine Betreuungsquote von mehr als 90 Prozent für Zweijährige.

Allmendinger: Das deutsche Schulsystem ist zu starr

Der enge Zusammenhang zwischen Bildungshintergrund der Eltern und dem Bildungsweg der Kinder prägt laut Köcher die Vorstellung der Deutschen sehr stark, ob man es in dieser Gesellschaft mit Leistung zu etwas bringen könne, erläutert die Meinungsforscherin. Soziale Unterschiede seien normal. "Die entscheidende Frage ist, ob eine Gesellschaft auch Auf- und Abstiege ermöglicht", betonte die Meinungsforscherin.

Bereits das dreigliedrige deutsche Schulsystem sei sehr starr und nicht durchlässig, ergänzte dazu die Bildungssoziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, Jutta Allmendinger. Sie kritisierte, dass die Herkunft von Schülern bei der Beurteilung ihrer Chancen oft eine zu große Rolle spiele.

Ostdeutsche zweifeln stärker an ihren Chancen als Westdeutsche

In der Allensbach-Umfrage zur Chancengerechtigkeit wurde auch untersucht, wie sich die Meinungen von Ost- und Westdeutschen unterscheiden und welche Wünsche türkischstämmige Eltern für ihre Kinder haben. Das Ergebnis zeigt, dass Ostdeutsche die Aufstiegsmöglichkeiten in eine höhere Schicht pessimistischer einschätzen als Westdeutsche. So ist etwa die Hälfte der Westdeutschen der Meinung, dass man es mit genügend Anstrengung zu etwas bringen kann. Das denken nur 35 Prozent der Ostdeutschen.

Ausgeprägter Wunsch nach Aufstieg in türkischstämmigen Familien

70 Prozent der türkischstämmigen Eltern von Kindern unter zwölf Jahren äußerten den Wunsch, dass ihr Nachwuchs sozial aufsteigt - damit heben sie sich deutlich vom Durschnitt (42 Prozent) der insgesamt befragten Eltern ab. Die türkischstämmigen Eltern helfen ihren Kindern zwar häufiger bei Hausaufgaben, schätzen ihre eigenen Voraussetzungen dafür aber deutlich schlechter ein als Eltern insgesamt. Ein Grund seien die oft unzureichenden Sprachkenntnisse, sagte Köcher.

Das Allensbach Institut für Demoskopie befragte in der repräsentativen Studie Menschen in Schweden und Deutschland zu Betreuung, Förderung und Erziehung von Kindern. In Deutschland wurden rund 1800 Menschen, in Schweden rund 1000 Menschen befragt.

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