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Berufswahl vertagt: Europas Schüler wollen länger lernen

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Schüler wollen länger lernen statt in den Beruf zu starten

21.03.2013, 14:45 Uhr | t-online.de, dpa

Berufswahl vertagt: Europas Schüler wollen länger lernen. Wie bereitet Schule auf die Berufswahl vor? Eigentlich gar nicht, finden Deutschlands Schüler.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wie bereitet Schule auf die Berufswahl vor? Eigentlich gar nicht, finden Deutschlands Schüler. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Was will ich einmal werden? Je näher die Entscheidung rückt, desto unklarer scheint die Berufsperspektive für Jugendliche zu werden. Teenager wollen sich nicht zu früh auf einen Beruf festlegen. Ängste und Barrieren spielen eine große Rolle. Das Forschungsprojekt Governance of Educational Trajectories in Europe (GOETE) fragt deshalb, wie Bildungsverläufe von Kindern und Jugendlichen in Europa zustande kommen und wie Bildungsentscheidungen getroffen werden. Die Bildungspolitik versagt dabei total.

Bloß nicht zu schnell entscheiden, damit könnten Alternativen verbaut werden - das denken offensichtlich viele deutsche Schüler. Das deutsche Schulsystem sei nicht offen genug, meinen Wissenschaftler. Besser sei es dagegen in Finnland und Slowenien.

Lieber in der Schule lernen als einen Beruf wählen

Die meisten Schüler in Europa wollen so lange wie möglich die Schulbank drücken und sich nicht frühzeitig auf einen Berufsweg festlegen. Den Jugendlichen gehe es vor allem darum, sich Wahlmöglichkeiten offen zu halten, betonte Professor Andreas Walther von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, Leiter des Projekts "Regulierung von Bildungsverläufen in Europa" (Goete - Governance of Educational Trajectories in Europe). Das deutsche dreigliedrige Schulsystem mache ihnen das aber schwer.

Neue Rolle: Lehrer als Bildungsbegleiter

Außerdem ist die Rolle der Lehrer als reine Wissensvermittler heute in Frage gestellt. Auf ihre neue Rolle als Bildungsbegleiter und -berater sind Lehrkräfte allerdings gar nicht vorbereitet. Die Studie zitiert eine Schülerin aus Deutschland: "Die sollten uns fragen, was wir werden möchten, uns ermutigen." Doch auch in anderen Ländern ist die Berufswahl nicht so ideal, wie eine Schülerin aus Slowenien schildert: "Alle haben auf mich eingeredet und so habe ich das halt entschieden."

Nach dem Ergebnis einer internationalen Studie in acht europäischen Ländern möchten in Deutschland 75 Prozent der Schüler nach der neunten oder zehnten Klasse weiter zur Schule gehen - "auch gegen den Rat von Lehrern", sagte Walther. Im Durchschnitt der acht untersuchten Länder - neben Deutschland Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Polen und Slowenien - wollten 71 Prozent der Schüler weiter zur Schule gehen. Für die Studie füllten mehr als 12.000 Schüler, Lehrer, Eltern und Fachleute in den acht beteiligten Ländern Fragebögen aus.

Deutsches Schulsystem bedrängt die Schüler

"Nach zehn Jahren Schule ist die Entscheidung für einen Beruf zu früh", so Walther. Das deutsche System mit Übergängen an andere Schulen nehme die Motivation zum Weiterlernen und dränge die Jugendlichen, sich zu entscheiden. "Schulwechsel sind immer Sollbruchstellen", sagte Walther. Anders in Finnland und Slowenien: Dort lernten alle Kinder neun Jahre gemeinsam, in allen Schulen arbeiteten Lehrer und Sozialarbeiter, und alle weiterführenden Bildungsgänge führten zur Hochschulreife. Damit hätten auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien bessere Chancen.

Überraschender Gewinner im Vergleich: die Hauptschule

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten die Vorteile der Hauptschule. Dort gebe es keine Übergänge oder "Aussortierstellen". An den Schulen müssten multiprofessionelle Teams zusammenarbeiten, um die Jugendlichen besser ins Berufsleben zu begleiten, meint Walther.

Bildung im öffentlichen Fokus

Bildung rückt immer stärker in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Themen der Debatte sind immer wieder die Schüler, die dem Leistungsdruck nicht gewachsen sind, Lehrer, die an Burn-out leiden und die aktuellen Irrungen der Schulreformen. Auch die Studie nimmt diese Punkte auf.

Das Fazit der Studie lässt sich in diesen Thesen zusammenfassen:

  • Bildungsentscheidungen sind das Ergebnis komplexer Aushandlungsprozesse. Sie sind weder Einzelentscheidungen von Schülern und ihren Eltern, noch des Bildungssystems.
  • Schüler sind vor allem daran interessiert, sich Wahlmöglichkeiten für später zu erhalten und wehren sich gegen frühzeitige Anpassung an "realistische" Bildungs- und Berufsziele.
  • Eltern und Freunde sind für Schüler wichtigere Unterstützungsquellen als Lehrer und Schulsozialarbeiter, aber Eltern fühlen sich vom Schulsystem nicht ernst genommen.
  • Lehrkräfte sind auf eine Rolle als Bildungsbegleiter und -berater nicht vorbereitet.
  • Durchlässigkeit, flexible Unterstützung und höhere Bildungsausgaben sind das Erfolgsrezept der inklusiven Bildungssysteme in Finnland und Slowenien.
  • Bildungspolitik verliert zunehmend an Einfluss. Die Regulierung von Bildungssystemen erfolgt zunehmend durch das komplexe Wechselspiel vielfältiger Akteure, das durch ideologische Diskurse gesteuert wird.
  • Wettbewerb, Kooperation und lokale Netzwerke gewinnen zunehmend an Bedeutung.

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