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Pubertät  

Die Pubertät ist keine Krankheit

13.09.2013, 11:54 Uhr | Claudia Urban, dpa-tmn, dpa

Pubertät ist keine Krankheit. Pubertät bringt Körper und Seele der Kinder durcheinander - je früher desto mehr.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Pubertät bringt Körper und Seele der Kinder durcheinander - je früher desto mehr. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Busen mit acht und die Regelblutung mit zehn - das ist heute keine Seltenheit mehr. Manche Mädchen sind noch früher dran. Bei Eltern und Kindern können die frühzeitigen körperlichen und seelischen Veränderungen und das Hormon-Chaos in der Pubertät zu großer Verunsicherung führen.

Die Pubertät, die Phase der geschlechtlichen Entwicklung vom Kind zur Frau oder zum Mann, ist eine turbulente Zeit - für die Heranwachsenden und ihre Eltern gleichermaßen. Sie ist von zahlreichen Veränderungen geprägt. Ein typisches äußeres Zeichen für die beginnende Pubertät ist bei Mädchen die einsetzende Brustentwicklung. Bei Jungen nimmt das Hodenvolumen zu, bevor der Penis zunächst an Umfang und dann an Länge gewinnt. Erste Schamhaare zeigen sich, Körpergröße und -gewicht nehmen zu.

"Im Mittel setzt die Pubertät in Deutschland bei Mädchen kurz vor dem elften und bei Jungen kurz vor dem zwölften Lebensjahr ein", erklärt Professor Olaf Hiort, Leiter des Hormonzentrums für Kinder- und Jugendliche des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. "Es gibt aber eine große Schwankungsbreite."

Diese Faktoren bestimmen den Beginn der Pubertät

Bestimmte Faktoren scheinen einen frühen Reifungsprozess zu begünstigen. So geht aus Studien ein früherer Eintritt der Pubertät im Zusammenhang mit bestimmter ethnischer Herkunft hervor. In Deutschland lebende Afroamerikanerinnen zum Beispiel kommen oft eher in die Pubertät als Mädchen mit deutschen Wurzeln. Auch die Gene spielen eine Rolle.

Häufig sind Kinder von Müttern oder Vätern, die Frühstarter waren, auch früher dran. Daneben beeinflussen Lebensbedingungen wie familiärer Stress und die Ernährung den Pubertätsbeginn. Stark übergewichtige Mädchen erleben die Pubertät in der Regel früher als normalgewichtige Mädchen.

Frühe Pubertät kann Krankheitswert haben

Wichtig sei die Frage, ab wann frühe Pubertät einen Krankheitswert hat und behandelt werden muss, betont Hiort. "Wenn die Mädchen mehr als acht und die Jungen mehr als neun Jahre alt sind, dann ist das eher nicht der Fall, dann ist es in der Regel eine frühe normale Pubertät", beruhigt der Mediziner. Erst wenn die Pubertät eher einsetzt - bei Mädchen vor dem achten und bei Jungen vor dem neunten Geburtstag -, sprechen Ärzte von vorzeitiger Pubertät. "Hier würde in jedem Fall eine medizinische Abklärung erfolgen", erklärt Hiort.

Körperliche Krankheiten stecken manchmal dahinter, besonders bei sehr jungen Kindern. "Oftmals ist es allerdings so, dass der Schalter, der die hormonellen Prozesse anstößt, einfach früher umgelegt wird, ohne dass sich dafür eine Erklärung finden lässt", sagt der Hormonspezialist. Zu den Risiken der vorzeitigen Pubertät, die eine Behandlung erforderlich machen können, gehöre der Aspekt, dass die Kinder mit den frühen körperlichen Veränderungen überfordert sein können. Außerdem kann Kleinwüchsigkeit ein Problem sein, das oft gemeinsam mit vorzeitiger Pubertät auftritt.

Keine voreilige Hormonbehandlung

Voreilig sollte sich aber niemand zur Behandlung mit Hormonen entschließen, warnt Esther M. Nitsche, Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin und zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland. "Immer wieder sehe ich Eltern, für die ist die Pubertät gefühlt zu früh. Gemessen ist sie aber völlig altersgerecht", erklärt die Expertin. "Die erste Brustknospung mit acht bis neun Jahren, in der dritten bis vierten Klasse, das darf sein." Viele Eltern drängten auf eine Therapie, obwohl gar kein krankhafter Befund bestehe.

Das sind die Probleme der Frühstarter

"Mit einer Behandlung greifen wir massiv in den Hormonhaushalt ein", stellt Nitsche klar. Auch ein Alter unter acht Jahren bei Mädchen oder neun Jahren bei Jungen sei noch kein Beweis für eine krankhafte Entwicklung, sondern lediglich ein Anlass zur Abklärung. Die Kinderärztin weist aber zugleich darauf hin, dass nicht nur eine vorzeitige, sondern auch eine früh-normale Pubertät zu Problemen führen kann. "Es ist immer schwer, gerade bei den Mädchen, die Erste zu sein, zumal man die Veränderungen auch sieht", sagt Nitsche. Auch die Missbrauchsgefahr steige. Hinzu komme, dass Jungen wie Mädchen während der Pubertät hormonell bedingten Stimmungsschwankungen unterliegen und Frühstarter von ihrem Umfeld oft als verhaltensauffällig wahrgenommen werden.

Die Entwicklungspsychologin Karina Weichold von der Universität Jena bestätigt, dass Frühreife eine Reihe psychosozialer Konsequenzen nach sich ziehen kann. "Wenn etwa kleine Mädchen pubertätsbedingt anders als die Freundinnen schon früh mit Fettpölsterchen zu kämpfen haben, fördert dies emotionale Problematiken wie mangelndes Selbstvertrauen, Depressionen oder Angststörungen", erläutert sie.

Eine frühe Reife könne darüber hinaus bei beiden Geschlechtern zu frühen sexuellen Kontakten und dem Missbrauch von Alkohol und Drogen führen. Bei Mädchen seien frühe Schwangerschaften und ein geringeres Bildungsniveau mögliche Folgen. Als erwiesen gilt, dass frühreife Kinder häufiger Kontakt zu älteren Bezugsgruppen haben und entsprechende Verhaltensweisen viel zu früh übernehmen.

Frühzeitige Aufklärung ist unbedingt notwendig

Umso wichtiger ist es laut Weichold, dass Eltern am Ball bleiben, einen guten Kontakt zu ihren Kindern pflegen und diese vor allem auch umfassend und frühzeitig aufklären. "Wenn von Anfang an eine gute Gesprächskultur entwickelt wird und die Kinder freiwillig von sich erzählen, was sie in der Schule und der Freizeit erleben, dann ist das ein sehr wichtiger Schutzfaktor gegen viele verschiedene Problemverhaltensweisen", stellt die Entwicklungspsychologin klar.

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