Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Jugendliche >

TV-Drama "Komasaufen" zeigt hemmungslosen Umgang mit Alkohol

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Komasaufen  

ARD-Drama "Komasaufen": Alkohol gegen Teenie-Tristesse

29.10.2013, 09:26 Uhr | cst, t-online.de, dpa

TV-Drama "Komasaufen" zeigt hemmungslosen Umgang mit Alkohol. ARD-Drama "Komasaufen": Lukas will dazugehören, deshalb greift er zum Alkohol. (Quelle: SWR / Alexander Kluge)

ARD-Drama "Komasaufen": Lukas will dazugehören, deshalb greift er zum Alkohol. (Quelle: SWR / Alexander Kluge)

Erfahrungen mit Alkohol zu machen, gehört zum Erwachsenwerden dazu. Von mäßigem Umgang und vorsichtigem Kennenlernen halten viele Jugendliche aber gar nichts, im Gegenteil. Berichte über volltrunkene Teenager, die sich absichtlich mit Alkohol abschießen, sorgen immer wieder für Aufregung. Mehr als 26.000 Jugendliche wurden allein 2011 stationär im Krankenhaus behandelt. Der TV-Sender EinsPlus widmete dem Komplex "Komasaufen" einen Themenabend mit Spielfilm und Expertendiskussion. Der Film "Komasaufen" spiegelt das Thema facettenreich.

Jeder zehnte Jugendliche hat ein Alkoholproblem

Für Jugendliche und Kinder ist Alkohol die Droge Nummer eins. Trinken ist gesellschaftlich akzeptiert, die Eltern und Erwachsenen machen es vor und Alkohol ist, im Gegensatz zu anderen Drogen, relativ leicht zu beschaffen. Jeder zehnte Jugendliche hat Experten zufolge ein Alkohol- oder Drogenproblem. Ein Problem, das sich durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht, wie Jörg Kreutziger weiß, der bei "Halt" arbeitet, einem Berliner Frühinterventionsprojekt für Kinder mit riskantem Alkoholkonsum. "Im Durchschnitt sind die Jugendlichen zwischen 14 und 15 Jahre alt. Dabei bilden die größte Gruppe mit mehr als 65 Prozent die Gymnasiasten", sagt Kreutziger im Begleittext zum Film.

Komasaufen - warum Jugendliche trinken

Nach dem Absturz, wenn die Kinder im Krankenhaus aufwachen, sind Sozialpädagogen wie Kreutziger erste Ansprechpartner. Auf die Frage, warum Jugendliche trinken, weiß er eine klare Antwort: "Die meisten wollen sich ja nicht absichtlich ins Koma trinken. Wir haben einige Klienten, die nach dem Erstkonsum bei uns landen, aber es gibt auch sehr viele, die ein missbräuchliches Konsumverhalten aufweisen, die trinken, um Probleme zu vergessen und mit Stresssituationen und dem Leistungsdruck zurechtzukommen. Wir haben in einer aufwendigen Studie die Jugendlichen nach den Motiven für den Alkoholkonsum befragt. An erster Stelle nannten sie Spaß, dann folgte Gruppendynamik, was ja eher fremdmotiviert ist, und schon an dritter Stelle Probleme, Sorgen und Stress."

Den Druck aushalten

Jugendliche stehen unter Druck, wollen den Eltern klarmachen, dass sie keine Kinder mehr sind, müssen ihren Platz in der Clique finden, sich in der Schule behaupten. Auch das ist ein Grund, warum sie für Alkohol empfänglich sind. Wie im Film "Komasaufen" der 16-jährige Lukas. Er kämpft an allen Fronten: Seine Eltern sind getrennt und Karsten, der neue Freund der Mutter, will zu Hause einziehen. Lukas empfindet ihn als Bedrohung, fühlt sich von dem erfolgreichen und karrierefixierten Geschäftsmann eingeschüchtert. In der Schule gilt er als Außenseiter, seine Noten sind schlecht, von der angesagten Clique wird er nicht wahrgenommen. Zu allem Überfluss ist er auch noch in Sylvia verliebt, die Freundin des Cliquenanführers.

Absturz mit Folgen

Alles scheint für Lukas leichter zu werden, als er zu trinken beginnt. Er findet Zugang zur Clique, fühlt sich erstmals akzeptiert. Welche fatalen Folgen das Trinken hat, wird ihm schmerzhaft klar, als Sylvia nach einer Sauftour ins Krankenhaus eingeliefert werden muss. Wie Sylvia sind im Jahr 2011 mehr als 26.000 Jugendliche nach exzessivem Trinken derart abgestürzt, dass sie stationär im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Fallzahlen nehmen zu, Eltern und Sozialarbeiter wissen um die Probleme, stehen ihnen aber häufig hilflos gegenüber.

Helfen Kampagnen gegen Komasaufen?

Plakatkampagnen und Aufklärung sollen die Jugendlichen vom Saufen abhalten. Ob Slogans wie "Kenn dein Limit", "Bunt statt blau" oder "Null Alkohol - Voll Power" helfen? Die Alkoholindustrie hält jedenfalls dagegen. Marken wie Jägermeister oder Becks arbeiten mit riesigem Aufwand an ihrem Image als Spaß- oder Coolness-Garanten. In "Komasaufen" geht es allerdings kaum ums Spaßhaben und Coolsein. "Ihr feiert nicht, ihr sauft nur!", schleudert ein Mädchen der Clique einmal entgegen und beschreibt damit die Grundstimmung des Films.

"Komasaufen" zeigt aber auch, was Jugendliche sich wünschen: Anerkennung und Zugehörigkeit. Wie man das ohne Alkohol bewältigt, ist eine Frage, mit der sich jeder auseinandersetzen muss.

"Wer einmal abhängig war, bleibt es sein Leben lang"

Was sagen Jugendliche selbst über das Komasaufen? Im Anschluss an den Film wurde in der Sendung "Klub konkret" mit Experten darüber diskutiert. War der Film realistisch? Zeigt er die Lebenswelt unserer Teenager? Klar wird: Jeder trinkt, Alkohol probieren alle einmal aus. Zwar wird nicht jeder Jugendliche zwangsläufig zum Komasäufer, manche kommen aber nicht mehr davon los. So wie Mats. Er ist 21 und alkoholabhängig. Mats hat mit zwölf das erste Mal getrunken, mit 17 war er abhängig, heute ist er trocken, sieht sich den Verlockungen des Alkohols aber täglich ausgesetzt.

"Wer einmal abhängig war, bleibt es sein Leben lang", warnt Suchtberater Thorsten Kienast. Kleinste Anreize wie Gerüche, ein Kneipenambiente oder herumstehende Flaschen können Suchtreize auslösen. Auch die Werbung arbeitet damit. Alkoholhersteller vermarkten ihre Produkte aggressiv und sprechen gezielt Jugendliche an. Kienast sieht die Alkoholindustrie in der Pflicht, die Vermarktung nicht mehr an den Jugendlichen auszurichten.

Alkoholvergiftung als Chance begreifen

"Jugendliche trinken, weil sie die Grenzerfahrung suchen", erklärt die Soziologin Yvonne Niekrenz. Sie unterscheidet den Rausch von der Sucht, denn "Sucht ist krankhaft, Rausch dagegen eine kulturelle Konstante", die die Menschen seit jeher begleitet habe. Niekrenz ist sich sicher, dass Alkohol verboten werden würde, wenn er ein Erfindung von heute wäre.

Und die Eltern? Was können sie tun, wenn ihre Kinder extreme Erfahrungen mit Alkohol machen? Die Ratschläge der Experten sind nicht neu: Vorbild sein, selbst maßvoll mit Alkohol umgehen, in Kontakt mit den Kindern bleiben, deren Bedürfnisse erspüren. "Eine Alkoholvergiftung ist immer auch eine Chance für ein Gespräch", ist sich die Sozialarbeiterin Sabine Lang sicher und bringt die Diskussion des Abends auf den Punkt: "Wir brauchen keine weiteren Verbote beim Alkohol, sondern einen angemessenen Umgang."

Sie finden uns auch auf Facebook - jetzt Fan unserer "Eltern-Welt" werden und mitdiskutieren!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
UMFRAGE
Sollte es ein striktes Verbot für Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit geben?
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal