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Hintergrund: Das sind Salafisten

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Hintergrund  

Was ist der Salafismus?

27.05.2014, 18:53 Uhr | Von Klaus Tscharnke, dpa

Man hört die Begriffe und ist sich unsicher, was sie bedeuten und was sich dahinter verbirgt. Diese Definitionen erklären die Rolle des Salafismus innerhalb des Islams.

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islams, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.

Rückwärtsgewandter Ur-Islam

Sie vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und wenden sich gegen jede theologische Modernisierung. Die Gleichberechtigung der Geschlechter lehnen Salafisten ab. Aus ihrer Sicht weist der Islam Frauen allein die Rolle der Ehefrau und Mutter zu.

Zahl der Salafisten in Deutschland steigt

Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz bis Ende 2013 auf 5500 gestiegen. Die Zahl der Islamisten insgesamt dürfte um ein Vielfaches höher sein. In Hessen etwa ging der Landes-Verfassungsschutz für 2012 von 900 dort lebender Salafisten aus und 6050 Islamisten insgesamt. 2010 lag die Zahl der Islamisten dort noch bei 5200.

Verdacht auf Verbindung zu Terrornetzen

Die Verfassungsschützer verdächtigen Teile der Salafisten-Bewegung, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzen zu pflegen. Allein aus Nordrhein-Westfalen seien mehr als 120 dort lebende Salafisten nach Syrien gezogen, Bayern spricht von 30 Ausgereisten. Bundesweit sind es nach Erkenntnissen des Verfassungschutzes 320.

Was deutsche Salafisten in das Bürgerkriegsland Syrien treibt

Die bayerische Staatsregierung stuft sie als Sicherheitsrisiko ein - die Behörden gehen dennoch davon aus, dass auch weiterhin radikalisierte Anhänger der islamistischen Salafisten-Szene auf geheimen Wegen über Drittstaaten nach Syrien reisen. Über die Zahl der Ausgereisten gibt es nur grobe Schätzungen. Auch die Verfassungsschützer haben bisher keine konkreten Angaben gemacht.

Wie viele in Deutschland lebende Salafisten sind zuletzt nach Syrien ausgereist?

Bayern hatte noch am Jahresende 2013 von 30 Salafisten gesprochen, NRW von 120, die nach Syrien gereist sind. Bundesweit geht das Bundesamt für Verfassungsschutz von rund 320 aus. Die Berliner Arabistin und Islamismusexpertin Claudia Dantschke von der Beratungsstelle "Hayat" schätzt die Zahl sogar auf rund 500. Die Dunkelziffer sei sehr hoch.

Was sind die Motive für junge Deutsche, in ein vom Bürgerkrieg zerrüttetes Land wie Syrien zu ziehen?

Nach Ansicht von Fachleuten spielen drei Motive eine Rolle: Eine Gruppe möchte an der Seite von Dschihadisten kämpfen, eine andere möchte sich in einer Hilfsorganisation im Umfeld dieser Gruppen einbringen, etwa in der Versorgung von Verletzten. Eine dritte Gruppe sieht in Syrien den Beginn des prophezeiten islamischen Großreiches und möchte unabhängig von den Kämpfen zu dessen Aufbau beitragen. "Manche sind überzeugt, auf diese Weise Geschichte schreiben zu können", erläutert die Arabistin Claudia Dantschke.

Wie reagieren die deutschen Behörden auf die Ausreisewellen in der salafistischen Szene?

Die Sicherheitsbehörden sind besorgt. So spricht das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz von einer "abstrakten Gefährdung", die von den Ausgereisten ausgehe. Denn der Bürgerkrieg in Syrien wirke auf die meisten jungen Menschen "in besonderem Maße emotionalisierend und mobilisierend". Konkrete Aufträge für Anschläge waren dem Verfassungsschutz zuletzt aber nicht bekannt.

Gibt es Bestrebungen, radikalisierten deutschen Salafisten einen Ausstieg zu ermöglichen?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet seit 2012 ein bundesweites Beratungsnetzwerk für Angehörige an. Hilfe und Rat erhalten Eltern, Geschwister, Partner oder Freunde unter der Hotline-Nummer 0911-9434343. Anrufer werden dort an regionale Beratungsstellen weitervermittelt. Die Berater setzen in der Regel darauf, die gestörte Kommunikation etwa zwischen Eltern und ihren in die Hände von radikalen Salafisten geratenen Kindern wieder zu kitten, Probleme zu lösen und den Betroffenen zu einer Lebensperspektive als Muslim in dieser Gesellschaft zu verhelfen.

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