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Aus Albanien geflohen: Rebecca (13) lebt mit der Angst vor Abschiebung

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Aus Albanien geflohen  

Rebecca (13) lebt mit der Angst vor Abschiebung

08.11.2015, 16:39 Uhr | dpa

Aus Albanien geflohen: Rebecca (13) lebt mit der Angst vor Abschiebung. Rebecca und ihre Mutter haben die Aufforderung bekommen, aus Deutschland auszureisen. (Quelle: dpa)

Rebecca und ihre Mutter haben die Aufforderung bekommen, aus Deutschland auszureisen. (Quelle: dpa)

Seit vier Wochen lebt Rebecca aus Albanien mit ihrer Mutter in Deutschland. Jetzt droht die Abschiebung, denn die beiden kommen aus einem "sicheren Drittstaat". Mutter und Tochter stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. 

Diesen Tag Anfang Juli wird Rebecca nicht so schnell vergessen. "Meine Mama kam nach Hause, schwenkte zwei Zettel und sagte: Das sind unsere Fahrscheine. Morgen fahren wir los." Das Zuhause der 13-Jährigen war bis dahin Tirana, die Hauptstadt Albaniens, gewesen. Ein paar Tage später waren sie in Deutschland. Doch jetzt haben Mutter und Tochter die Ausreiseaufforderung erhalten. Die Zukunft ist ungewiss. 

"Mischmasch" im Kopf

Rebecca trägt ein bedrucktes schwarzes T-Shirt, schwarze Leggings, bunte Joggingschuhe. Ihr Lieblingswort in Deutsch ist "Mischmasch". Als ihre Mutter die Busfahrkarten schwenkte, habe sie Mischmasch im Kopf gehabt. "Ich wollte gar nicht weg. Ich hatte da meine Freunde, ich war da Zuhause."

Aber da ist auch die andere Seite der Heimat. Der Alltag sei trostlos, die Aussichten trübe. "Familien aus dem Umfeld der Regierung oder der Verwaltung haben Arbeit, die anderen eben nicht", sagt Rebecca. "Überall ist Korruption. Einen Führerschein macht man nicht, man kauft ihn."

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Doch es gab auch dieses Fenster in eine bessere Welt, das Internet. "Da habe ich Bilder von Deutschland gesehen und ich habe Filme geguckt. Ich wollte so gern zu 'Voice of Germany', das hab' ich bei YouTube gesehen. Ich singe so gerne."

"Meine Mutter hat gesagt, sie will eine bessere Zukunft für mich." Am nächsten Tag um 9.00 Uhr fuhr der Bus los. 690 Euro habe die Mutter für sie beide bezahlt, erzählt der Teenager und stochert nachdenklich in den Pommes, die vor ihr auf dem Tisch stehen. Dazu eine "Mischmasch-Limonade".

Allein mit der Mutter quer durch Europa

Komplett, bis Deutschland, war ihnen versprochen worden. Aber schon in Ungarn der Schock. "Plötzlich sagt der Busfahrer, wer nach Deutschland will muss extra bezahlen. Vor dem Bus stehen Polizisten. Die arbeiten zusammen. Alle haben bezahlt, nur wir nicht", erzählt Rebecca etwas stolz. "Wir haben uns geweigert, uns beschwert, dann durften wir weiter mitfahren."

Vier Tage waren sie unterwegs, durch sieben Länder. "Ich wusste gar nicht, was ich denken sollte", erinnert sich die 13-Jährige. "Mischmasch in my head." Allein mit der Mutter, die weder Englisch noch Deutsch kann, quer durch Europa, nach Deutschland.

Einen Monat lang im Zelt gelebt

"Erst waren wir in Düsseldorf, dann kamen wir am 7. Juli mit dem Zug nach Hamburg. Am Hauptbahnhof wusste keiner, wohin." Irgendwann werden sie zur zentralen Registrierungsstelle in die Harburger Poststraße geschickt. "Sieben Stunden haben wir in der Schlange gestanden."

Dann werden sie in eine Unterkunft in Wilhelmsburg gebracht. In einem Zelt leben sie einen Monat lang mit vier anderen Familien. "Das Essen sah manchmal aus wie Hundefutter", sagt Rebecca und schüttelt sich. Seitdem wohnen sie in einer ehemaligen Schule in Hamburg-Langenhorn.

Rebeccas Kindheit ist vorbei

Spätestens seit der Abfahrt aus Tirana ist Rebeccas Kindheit vorbei. Sie wirkt abgeklärt, ein Teenager in der Pubertät mit robuster Fassade. Sie verhandelt mit korrupten Busfahrern und Polizisten, erledigt die Bürokratie, ist Ansprechpartnerin für die deutschen Beamten, übersetzt für ihre Mutter oder auch für andere Flüchtlinge.

"Ich vermisse meine Freunde und meinen Lieblingslehrer", sagt Rebecca. Sie wollte auf die Highschool, dann studieren. Welches Fach? "Keine Ahnung." Dafür müsste sie ohnehin Studiengebühren aufbringen. Woher? Vielleicht wäre sie auch gerne Polizistin geworden. Jetzt findet sie es allerdings spannender, TV-Nachrichtenmoderatorin zu sein. Und sie würde gerne mal auf ein Heavy-Metal-Konzert gehen. Träume-Mischmasch.

"Nach der dritten Aufforderung werden wir zum Flughafen gebracht"

Schon in Tirana kannte Rebecca einige, die es nach Deutschland geschafft hatten. "Die sind aber alle schon wieder zurück." Dort haben Mutter und Tochter bei Verwandten gewohnt. "Dahin können wir nicht zurück." Die Eltern von Rebecca haben sich getrennt. Und wo werden sie wohnen? Rebecca zuckt die Schultern.

Seit gut einer Woche leben Rebecca und ihre Mutter in ständiger Angst. "Da kam dieser Bescheid: Ihr müsst weg", sagt die 13-Jährige. "Ich will aber nicht weg." Ein Datum für die Ausreise stehe noch nicht fest. Geld für die Rückreise haben sie nicht. "Nach der dritten Aufforderung werden wir zum Flughafen gebracht, einfach so."

An den Nebentischen sitzen junge Leute, essen, lachen. Findet sie das ungerecht? "Was soll ich fühlen? Der eine kommt aus einem großen, reichen Land, der andere aus dem Nirgendwo."  

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