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Sexualstrafrecht: Gina-Lisa Lohfink bekommt Hilfe von Aktivistinnen

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Hilfe von Aktivistinnen  

Sexualstrafdebatte: Was Gina-Lisa Lohfink mit allen Frauen verbindet

27.06.2016, 09:40 Uhr | Maria M. Held, t-online.de/mit Material von dpa

Sexualstrafrecht: Gina-Lisa Lohfink bekommt Hilfe von Aktivistinnen. Das Gesicht des Models Gina-Lisa Lohfink wurde zum Symbol für die Tücken des bestehenden Sexualstrafrechts.  (Quelle: dpa)

Das Gesicht des Models Gina-Lisa Lohfink wurde zum Symbol für die Tücken des bestehenden Sexualstrafrechts. (Quelle: dpa)

Es passiert nur zufällig zur gleichen Zeit, aber das eine nützt wohl dem anderen: Der Prozess um die mutmaßliche Vergewaltigung der ehemaligen "Germany`s Next Topmodel"-Kandidatin Gina-Lisa Lohfink und die aufgeheizte Debatte um die Verschärfung des Sexualstrafrechts. Debatte und Prozess bewegen und erschüttern vor allem Frauen, insbesondere Mütter

Das Model Gina-Lisa Lohfink wurde zum Gesicht der Debatte, deren Schlagwort lautet "Nein heißt nein". Eine treibende Kraft bei der Reform des Sexualstrafrechts ist Eva Högl, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. "Ein Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht ist nötig. Wir werden jede Form der nicht einvernehmlichen sexuellen Handlung unter Strafe stellen. Der Grundsatz 'Nein heißt Nein' wird damit im Gesetz verankert", so heißt ihre Forderung.

Trotz Gesetzesreform bleibt eine große Hilflosigkeit

K.O.-Tropfen, Filmriss, Vergewaltigung, Date Rape, Revenge Porn - bei jedem Clubbesuch der Töchter laufen in den Köpfen vieler Mütter Horrorfilme ab. Die Angst, dass dem eigenen Kind so etwas passiert, ist groß. Selbst mit dem Rechtsgrundsatz "Nein heißt Nein" bleibt das Problem der Beweissicherung bestehen. 

Nach Gerichtsverhandlung 
Gina-Lisa Lohfink in Tränen vor der Kamera

Das Model Gina-Lisa Lohfink hat sich im Streit um eine von ihr angezeigte angebliche Vergewaltigung vor Gericht gegen den Vorwurf der falschen Verdächtigung gewehrt. Video

"Für Eltern bleibt eine große Hilflosigkeit", gibt Gunhild Mewes von der Initiative für Gerechtigkeit bei sexueller Gewalt (IfGbsG) gegenüber t-online.de zu. Die Initiative versteht sich als mobile Eingreiftruppe, die punktuell Gerichtsverhandlungen beobachtet und wie bei dem Prozess von Gina-Lisa Lohfink gegen die von ihnen so empfundene drastische Ungerechtigkeit demonstriert. 

"Inakzeptable Schutzlücken beseitigen"

"Mögliche Probleme, ein strafwürdiges Verhalten nachzuweisen, dürfen für uns als Gesetzgeber kein Argument sein, es erst gar nicht unter Strafe zu stellen", sagt Eva Högl gegenüber t-online.de: "Wir beseitigen jetzt inakzeptable Schutzlücken. Denn bisher bleiben Fälle straflos, in denen das Opfer mit Worten oder Gesten widerspricht, vom Täter überrascht wird, aus Angst erstarrt ist und sich nicht wehrt.". Damit spricht die Politikerin das sogenannten "Freezing" an, wenn das Opfer vor Angst erstarrt und zu keiner Abwehrhandlung fähig ist.

"Nur Bruchteil wird angezeigt"

In Umfragen äußerten sich 86 Prozent der Deutschen für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts. Högl sieht einen klaren Auftrag: "Da bisher bestimmte Handlungen nicht unter Strafe gestellt sind, müssen wir den Katalog der Straftaten erweitern, sonst können diese Taten erst gar nicht angezeigt werden."

Nur ein geringer Teil der tatsächlichen Sexualstraftaten kommt zur Anzeige, rund 8000 pro Jahr. Davon allerdings kommen nur 20 Prozent vor Gericht, der Bärenanteil wird eingestellt, oft weil die Beweislage nicht eindeutig ist.

Promi-Faktor nützt der Debatte

Für Högl ist der Promi-Faktor des Prozesses um Gina-Lisa Lohfink unerheblich. "Der Fall Gina-Lisa Lohfink sollte von unserer unabhängigen Justiz bearbeitet werden, denn nur die kennt alle relevanten Akten und Fakten dazu. Eine Einmischung durch die Politik verbietet sich da. Im Übrigen haben die Diskussionen über den Fall in den konkreten Beratungen über dieses Gesetz keine Rolle gespielt. Die Diskussion darüber zeigt allerdings, wie wichtig eine Reform des Sexualstrafrechts ist."

Gunhild Mewes von IfGbsG dagegen sieht den Vorteil der Prominenz: "Wir nutzen die Aufmerksamkeit, um den Druck in der Sexualstrafrechtsreform auszuüben." Ihr geht der bisherige Gesetzentwurf noch nicht weit genug. Er enstpreche noch nicht den Forderungen des Istanbul-Protokolls.

"Justiz rollt Tätern den roten Teppich aus"

"Das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung ist vom Gesetz nicht genügend geschützt. Eine einfache 'Nein heißt nein'-Lösung genügt uns nicht. Das ist täterfreundlich", sagt Mewes. Für sie ist die Gesetzesänderung nichts, worauf man sich ausruhen könne. Sie prangert die "Bereitschaft der Justiz, den Tätern den roten Teppich auszurollen" an. 

Bisher kann eine Tat nur dann als Vergewaltigung bestraft werden, wenn das Opfer sich körperlich zur Wehr gesetzt hat. Das ist nach dem Rechtsempfinden vieler Bürgerinnen und Bürger falsch und ruft großes Unverständnis hervor.

Zur Solidaritätsdemonstration für Gina-Lisa Lohfink vor dem Gericht in Berlin erwartet Mewes zahlreiche Teilnehmer, damit wollen sie ein Zeichen für alle Betroffenen setzen. Das Motto: "Wir brauchen endlich ein Gesetz, das die Opfer schützt, nicht die Täter".

Beratung und Hilfen ausbauen

Trotzdem ist auch der Bundestagsabgeordneten Högl klar, wie sehr das Schicksal des Models Opfer oder auch Eltern von betroffenen jungen Frauen bewegt: "Es ist für jedes Opfer, dem so etwas passiert, nicht einfach, das anzuzeigen. Aber nur dann können Täter auch verurteilt werden. Besonders wichtig sind eine gute Beratung und konkrete Hilfsangebote. Die müssen wir ausbauen."

Anonym Taten dokumentieren

In manchen Städten gibt es die Möglichkeit gibt, solche Übergriffe auch anonym und kostenlos dokumentieren zu lassen. In Berlin gibt es beispielsweise an der Charité eine Gewaltschutzambulanz und in Hannover das Netzwerk ProBeweis. "Das ist wegweisend, denn so haben Opfer von Gewalt eine Anlaufstelle und können sich auch noch zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Anzeige bei der Polizei entschließen. Und dann liegen eben schon gerichtsverwertbare Beweise vor." 

Einiges hat sich auch im Opferschutz schon getan, betont Högl: "Damit Opfer von Kriminalität im Strafverfahren nicht erneut traumatisiert werden, haben wir neue Maßstäbe beim Opferschutz im Strafverfahren geschaffen. Menschen, die Opfer schwerer Gewalt- und Sexualstraftaten geworden sind, wird eine psychosoziale Prozessbegleitung an die Seite gestellt, die ihnen die notwendige emotionale und psychologische Unterstützung gibt."

So reagieren Eltern richtig

Diese Hinweise und Aussagen können betroffenen Frauen und Eltern junger Opfer Hilfe bieten:

  • "Für Eltern ist das Wichtigste, dass sie ihrem Kind glauben und nicht Gründe finden, dass die Schuld auf Seiten des Mädchens liegt", sagt Gunhild Mewes.
  • Hilfsangebote finden
  • Beweise sichern
  • Die Entscheidung zur Anzeige sollte immer bei dem Betroffenen liegen, Eltern sollten bei diesem entscheidenden Erlebnis das Kind zu nichts drängen
  • Sind die Beweise gesichert, kann bis zu zehn Jahre nach der Tat noch Anzeige erstattet werden.
  • weiterführende Webseiten: gewaltschutz-ambulanz.charite.de und Netzwerk ProBeweis
  • Hilfsangebote bei Wildwasser, Frauennotruf, Tauwetter (für Jungs).


Hintergrund zum Fall Gina-Lisa Lohfink

Der Fall des Models hat hohe Wellen geschlagen, zum einen wegen der Prominenz, zum anderen weil im Verlauf des Verfahrens, die Rollen von Täter und Opfer getauscht wurden. Der Fall empört viele Frauen, lässt dagegen viele Männer nur mit den Schultern zucken.

2012 hat die heute 29-jährige Gina-Lisa Lohfink nach einer Partynacht Sex mit zwei Männern. Die nehmen das Geschehen auf Video auf, wollen Geld damit machen, stellen den Clip schließlich ins Netz. In dem Video ist zu hören, wie das Model "Nein, nein, nein" und "Hör auf" sagt. Sie lässt "wegen der Vorgänge" Strafanzeige stellen.

In den Ermittlungen erhärtet sich laut Gericht der Verdacht der Vergewaltigung nicht. Die beiden Männer werden aber wegen der Verbreitung des Videos verurteilt. Und das Model selbst kassiert wegen falscher Verdächtigung einen Strafbefehl von 24.000 Euro. Weil sie den nicht akzeptiert, läuft nun der Prozess.

Lohfink engagiert sich für alle Frauen

Für viele ist Gina-Lisa Lohfink zur Gallionsfigur der Frauen geworden, die für die Rechte von Vergewaltigten streiten. Sie sehen Lohfink als Opfer von Männern und Justiz und zugleich als mutige Vorkämpferin für Opfer sexueller Gewalt, die den Schritt zur Polizei wagen. Sie werfen der Staatsanwaltschaft vor, das Opfer zur Täterin gemacht zu haben. #TeamGinaLisa ist das Schlagwort der Unterstützer im Netz. Lohfink will sich in einem eigenen Verein namens "Women are strong", Frauen sind stark, engagieren: "Ich möchte Frauen schützen, damit ihnen nicht sowas passiert wie mir."

Kritiker sehen dagegen eine Inszenierung des Models, ihres Managers und ihrer Anwälte. Die erste Gruppe argumentiert, dass es eben kein "perfektes Vergewaltigungsopfer" gebe, dass auch eine Frau, die mit ihrem Körper Geld mache, sich leicht bekleidet zeige und für eine Erotikmesse werbe, ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung habe.

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