Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Kleinkind >

Wenn Kinder nach dem Tod fragen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Wenn Kinder nach dem Tod fragen  

"Opa, wann wirst du sterben?"

06.05.2015, 10:06 Uhr | sca, rev, t-online.de

Wenn Kinder nach dem Tod fragen. Wenn Kinder ältere Menschen fragen, ob diese bald sterben würden, geschieht das ohne böse Hintergedanken. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Kinder ältere Menschen fragen, ob diese bald sterben würden, geschieht das ohne böse Hintergedanken. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der fünfjährige Joel ist bei seiner 60 Jahre alten Oma zu Besuch. Er buddelt fröhlich im Garten und will ihr eine "Überraschung" zeigen: "Guck mal, ich habe schon mal ein Grab für Dich gebuddelt." Manche Großeltern bleiben gelassen, andere sind schockiert. Wie reagiert man auf Kinderfragen nach dem Tod?

An den eigenen Tod wird niemand gern erinnert. Kinder gehen aber mit dem Tod ganz unbefangen um. Da ihnen bereits im Alter von vier oder fünf Jahren klar ist, dass unter normalen Umständen ihre Großeltern als nächstes sterben werden, kommt es nicht selten vor, dass sie Oma um Opa dazu recht direkt befragen. "Wann stirbst Du, Opa?" oder "warum lebst du noch, Oma?" sind Fragen, die viele Kinder in diesem Alter bewegen. Manche Senioren sind dann erst einmal schockiert, anderen gelingt es aber auch, gelassen zu bleiben.

Nicht böse gemeint

"Kinder stellen solche schwierigen Fragen ohne böse Hintergedanken, weil sie einfach neugierig sind", erklärt Gertrud Teusen, Autorin verschiedener Familien-Ratgeber. Dass sie damit ein unbeliebtes Thema ansprechen, sei den Kleinen meist nicht bewusst. Erwachsene sollten dieses kindliche Interesse an heiklen Themen daher nicht als taktlosen Angriff werten. "Man sollte solche Fragen unbedingt ehrlich beantworten", rät Teusen. Man könne dem Kind durchaus erklären, dass man selbst nicht wisse, ob man bald sterbe.

UMFRAGE
Sollte man auch schon mit Kleinkindern über den Tod sprechen?

Erste Erfahrungen mit Trauer

Oft habe das Kind durch eine Geschichte oder durch Erzählungen anderer Kinder erfahren, dass Omas und Opas sterben können. "Vor allem wenn das Kind selbst noch keine Erfahrungen mit Trauer gemacht hat, kann es die Endgültigkeit des Todes noch nicht begreifen", so Teusen. Ein Besuch auf dem Friedhof könne helfen, dem Kind das Thema näher zu bringen. "Wenn man sich über die Frage nach dem eigenen Tod spontan ärgert und nicht über das Thema reden möchte, sollte man das dem Kind aber auch sagen", findet Teusen. So lerne der Nachwuchs, dass das Thema Tod für viele Leute mit Trauer und Empfindlichkeiten verbunden sei und man es daher vorsichtig behandeln sollte.

Auf jeden Fall ehrlich antworten

Wenn ein Kind sich mit dem Tod beschäftigt, kann der Anlass aber auch der Familienhamster sein, der eines Morgens tot im Käfig liegt oder ganz banal ein toter Regenwurm. Was aber, wenn ein geliebter Mensch schwerkrank ist oder tödlich verunglückt oder gar das Kind selbst sterben wird? Wie sollen Eltern dem Kind erklären, was sie selbst oft nicht verstehen? "Grundsätzlich ist es ganz wichtig, offen und ehrlich zu sein und den Kindern die Fragen zu beantworten, die sie stellen", sagt die Theologin und Pädagogin Christine Fleck-Bohaumilitzky, die sich seit vielen Jahren mit Trauerbegleitung beschäftigt und im Beirat des Bundesverbandes Verwaiste Eltern in Deutschland (VEID) sitzt.

Die Eltern sollten ihren Kindern so einfach und klar wie möglich antworten, um sie nicht zu verwirren und der Entwicklung von Ängsten oder Schuldgefühlen vorzubeugen. Formulierungen wie "Oma ist eingeschlafen" oder "von uns gegangen" sollten vermieden und stattdessen deutlich gesagt werden: "Oma ist tot." Auch die Todesursache sollte offen angesprochen werden, selbst dann, wenn ein Suizid oder ein Gewaltverbrechen vorliegt. Das Kind sollte die Wahrheit nicht von Fremden erfahren müssen. Der Umgang mit dem Tod und auch die anschließende Trauer sind bei Kindern individuell verschieden, allerdings stark abhängig vom Alters- und Entwicklungstand.

Altersspezifischer Umgang mit Tod

Im Kindergartenalter erfassen Kinder den Tod noch nicht als etwas Endgültiges. Sie glauben, der Verstorbene komme irgendwann zurück, eine typische Frage ist: "Wie lange dauert Totsein?" Im Grundschulalter hingegen erfassen sie die Endgültigkeit des Todes und interessieren sich für die praktischen Dinge: Wie sieht der Sarg aus? Was passiert mit dem Toten im Grab? Sie haben jedoch noch kein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass sie selbst sterben können. Anders ist es bei Jugendlichen, die ein ähnliches Verständnis vom Tod haben wie Erwachsene. Eltern benutzen oftmals Bilder wie "der Opa ist im Himmel" oder "die Mama ist jetzt ein Schutzengel". Dies kann für viele Familien hilfreich sein. "Dabei ist es sinnvoll, Bilder zu wählen, an die man selbst glaubt, so dass man für das Kind glaubwürdig ist", sagt Fleck-Bohaumilitzky.

Die eigenen Vorstellung ernst nehmen

Oft helfe es auch, das Kind zu fragen: "Wie stellst du dir das vor?" Die Vorstellung des Kindes müsse so belassen werden, wie sie ist. "Es ist entscheidend, dass sich das Kind in seiner Trauer von den Erwachsenen ernst genommen fühlt", betont die langjährige Trauerbegleiterin. Auch Rituale können Kindern im Umgang mit dem Tod helfen, beispielsweise eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden. Sofern die Kinder dies wünschen, sollen sie auch zum Abschiednehmen und zur Beerdigung mitgehen dürfen. Bereits etablierte Familienrituale wie das abendliche Vorlesen müssen auch im Trauerfall beibehalten werden, um den Kindern weiterhin Stabilität zu vermitteln. Ihr Leben soll so normal wie möglich weiterlaufen.

In unserer "Eltern-Welt" finden Sie alles, was Eltern bewegt: Jetzt Fan werden und mitdiskutieren!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Historischer Panzer fährt nach 70 Jahren wieder

Mit großer Not startet der 520-PS-starke Motor zu neuem Leben. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Nur heute und nur für die 1.000 schnellsten Besteller

tolino page eBook-Reader zum Schnäppchenpreis von nur 49.- € statt 69.- € bei Weltbild.de. Shopping

Shopping
iPhone 7 32 GB im Tarif MagentaMobil L mit Handy

Nur 99,95 €¹. Nur online: 24 Monate 10 % sparen! bei der Telekom Shopping

Vernetzung
Christmas Shopping: Jetzt 15,- € Gutschein sichern!

Nur bis zum 14.12.16. Erfahren Sie mehr zur Aktion auf MADELEINE.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal