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Einschulung: Schavan gegen starre Altersgrenze

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Einschulung  

Schavan gegen starre Altersgrenze

24.07.2009, 13:16 Uhr | rev, AFP, dpa, t-online.de

Einschulung: Schavan gegen starre Altersgrenze . Kind schreibt mit Kreide an eine Tafel.

Sollten Kinder schon mit vier Jahren eingeschult werden? (Bild: Archiv)

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will Deutschlands Kinder früher einschulen. "Die Altersgrenze von sechs Jahren führt dazu, dass viele Kinder in Deutschland für ihre Verhältnisse zu spät in die Schule kommen", sagte Schavan dem "Hamburger Abendblatts". "Am Ende der ersten Klasse haben sie dann keine Lust mehr, weil sie unterfordert sind." Daher sollte es für die Einschulung keinen starren Stichtag mehr geben.

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Uneinheitliche Regelung in den Bundesländern

In der Regel werden Kinder eingeschult, wenn sie bis zu einem bestimmten Stichtag sechs Jahre alt sind. Diese Stichtage - die in Deutschland nicht einheitlich geregelt sind - werden in mehreren Bundesländern aber immer weiter nach hinten verschoben, damit die Kinder früher in die Schule kommen. So sitzen etwa in Bayern immer häufiger schon Fünfjährige auf der Schulbank. Viele Eltern sind damit allerdings unzufrieden und lassen ihre Kinder zurückstellen, weil sie sie noch nicht für schulreif halten. Deshalb hatte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) vor wenigen Tagen angekündigt, keine sogenannten Dezemberkinder mehr einzuschulen. Ursprünglich sollten alle Kinder eines Jahrgangs gemeinsam eingeschult werden - auch wenn sie erst im Dezember nach der Einschulung ihren sechsten Geburtstag feiern.

"Flexibles Einschulalter"

Schavan warb unterdessen für eine "viel stärkere Verbindung von Kindergarten und Grundschule". Als Beispiel führte sie Bildungshäuser ein, die es seit rund zwei Jahren als Modellversuch in Baden- Württemberg gibt. Dabei handelt es sich um gemeinsame Bildungseinrichtungen für Kindergarten- und Grundschulkinder, wo Drei- bis Zehnjährige unter der Anleitung von Erziehern und Lehrern gemeinsam spielen und lernen. Nach Schavans Einschätzung kann die gemeinsame Lernzeit "ruhig sechs Jahre betragen, wenn früher damit begonnen wird - etwa im Alter von vier statt erst mit sechs Jahren." Der FDP-Bildungspolitiker Patrick Meinhardt warnte hingegen davor, Kinder "im Galopp" durch Kindergarten und Schule zu "pauken". Jeder müsse seinen persönlichen Bildungsweg finden können. Meinhardt sprach sich für ein "flexibles Einschulalter" ab dem fünften Lebensjahr aus sowie für eine gemeinsame Einstiegsphase der ersten und zweiten Klassenstufe.

"Weit weg von der Realität"

Der Deutsche Lehrerverband bezeichnete Schavans Vorstoß als "unglaublich weit weg von der Realität". Noch vor etwa fünf Jahren sei das durchschnittliche Einschulungsalter mit 6,8 Jahren tatsächlich zu hoch gewesen, sagte Verbandspräsident Josef Kraus der Nachrichtenagentur AFP. Seither aber habe sich viel getan. So hätten die Bundesländer den Stichtag für die Einschulung schrittweise nach hinten verschoben, so dass Schulanfänger inzwischen durchschnittlich gut 6,4 Jahre alt seien. Angepeilt seien etwa 6,3 Jahre. "Man kann psychologische Entwicklungen nicht endlos beschleunigen", sagte Kraus. Er habe den Eindruck, dass Bildungspolitik immer öfter ökonomischen statt pädagogischen und entwicklungspsychologischen Aspekten folge. "Für die persönliche Entwicklung, für die Entfaltung der Kreativität muss in der Vorschulzeit Platz sein."

Erstklässler langweilen sich nicht

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezweifelt den Nutzen noch früherer Einschulungen. Krippen und Kindergärten hätten in allen Bundesländern einen Bildungsauftrag, sagte die Stellvertretende Vorsitzende Marianne Demmer der AFP: "Da wird natürlich gelernt." Dass viele Kinder sich bereits im ersten Schuljahr langweilten, hält Demmer für "aus der Luft gegriffen". In der Regel seien Grundschüler mit Eifer bei der Sache. Sollte sich ein Kind im Einzelfall langweilen, könne es individuell gefördert werden, sagte sie. Eine engere Zusammenarbeit von Kindergärten und Schulen wiederum scheitert ihrer Ansicht nach oft an personellen Kapazitäten - und nicht an der grundsätzlichen Bereitschaft zur Kooperation.

Schwierige Umsetzung

Eine Forderung wie die von Schavan ist leicht aufgestellt, deren Umsetzung könnte jedoch problematisch werden. Nicht nur, dass in Deutschland etwa 40.000 Lehrer fehlen, es besteht auch ein Mangel an kompetentem und gezielt geschultem Personal, was die Frühförderung betrifft, obwohl das Angebot an Frühförderungsmaßnahmen schon heute sehr groß ist. Für Schüler ist heutzutage der Leistungsdruck, dem sie ausgesetzt werden, schon in der Grundschule enorm. Ob die Belastung für die Kinder abnimmt, wenn sie bereits mit vier Jahren beginnen Schulstoff zu lernen, ist fraglich. Gerade im bisherigen Vorschulalter ist eine gesunde und ausgewogene Mischung aus Förderung und Spiel gefragt. Zu viel Förderung kann schnell zu einer Überforderung der Kleinen führen.

Frühe Einschulung bringt keine Vorteile

In Großbritannien wird das, was nun Schavan forderte, bereits umgesetzt: Kinder werden mit drei und vier Jahren besuchen die Nursery School, eine freiwillige Vorschule, mit fünf beginnt dann die Schulpflicht. Doch erst 2008 hat eine britische Studie der Vorstellung, dass Kinder früher mit dem Lernen anfangen müssen, einen Dämpfer verpasst. Abgesehen davon, dass auch in Großbritannien die eingesetzten Lehrer nicht ausgebildet sind, um mit so jungen Kindern zu arbeiten, und es zudem an passenden Einrichtungen fehlt, zeigte sich, dass Schule zu stressig und damit nicht geeignet ist für kleine Kinder. Stattdessen sei spielerisches Lernen weitaus sinnvoller in dieser Altersgruppe. Auch im internationalen Vergleich wurde deutlich, dass eine frühe Einschulung keine Vorteile mit sich bringt. Im Gegenteil, im Sommer geborene Kinder ("Juli-Kinder"), die früher in die Schule gehen, erzielen durchschnittlich schlechtere Leistungen, als diejenigen, die bei der Einschulung älter sind. In Finnland, Sieger in der PISA-Studie, werden alle Kinder sogar erst im Alter von sieben Jahren eingeschult.


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