Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Kleinkind >

Kindergarten: Welche Vor- und Nachteile bieten die Konzepte? II

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Erziehungsmodelle im Kindergarten  

Welche Vor- und Nachteile bieten die Konzepte?

11.08.2009, 14:25 Uhr | Jenni Zwick

Kindergarten: Welche Vor- und Nachteile bieten die Konzepte? II. Montessori-, Waldorf- oder Reggiopädagogik?

Montessori-, Waldorf- oder Reggiopädagogik? (Bild: Archiv)

Nach der italienischen Ärztin Maria Montessori trägt jedes Kind einen „Bauplan der Seele“ in sich. Aufgrund ihrer Beobachtungen an behinderten und verhaltensauffälligen Kindern kam sie zu der Auffassung, dass sich Kinder, wenn ihnen eine so genannte vorbereitete Umgebung mit bestimmten Arbeitsmaterialen zur Verfügung stehen, allein, frei und spontan entwickeln können. Montessori entwickelte diese Spielmaterialien, die die Kinder zum Forschen anregen sollen, selbst. Der Erzieher soll die Kinder bei eigenständigem Lernen unterstützen, aber möglichst wenig eingreifen. Es gilt der Grundsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Fehler sollen selbst erkannt und korrigiert werden dürfen, Erwachsene sind Begleiter, die lernen müssen, sich überflüssig zu machen und zu beobachten statt einzugreifen. In Stillzeiten und gemeinsamen Mahlzeiten sollen die Kinder soziale Kompetenzen und ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl vermittelt bekommen. Oftmals entstehen Montessori-Kindergärten aus Elterninitiativen, so dass die Elternarbeit sehr stark gefordert wird. Gebühren, Betreuungszeiten und Essensangebote sind sehr unterschiedlich. Seit etwa vier Jahren ist der Begriff "Montessori-Kindergarten" geschützt und die Einrichtungen durch diverse Dachverbände kontrolliert. Die Erzieher müssen eine spezielle Zusatzausbildung absolvieren und das Spielmaterial von Maria Montessori muss vorhanden sein.

Die Vor- und Nachteile

- Die Kinder können sich frei entfalten, da sie sich ihre Beschäftigung selbst suchen und steuern können
- Ansonsten entsprechen die Vor- und Nachteile denen der Eltern-Initiative

Waldkindergärten

Die ersten Waldkindergärten entstanden vor etwa 25 Jahren in Dänemark. In Deutschland sind sie meistens als freie Eltern-Initiativen gegründet. Oftmals haben die Waldkindergärten keine eigenen Räumlichkeiten, sondern nutzen einen Bauwagen oder ein Art Schuppen, da sich das Leben der Kinder im Freien abspielt. Bei Wind und Wetter, Sommer wie Winter draußen, erfahren die Kinder die Natur sehr unmittelbar. Sie sind ständig aktiv und lernen Verantwortungsbewusstsein vor jedem Wachstum und Leben. Häufig werden die Kinder weniger krank, da sie die meiste Zeit des Tages an der frischen Luft sind. Die Gruppen sind ähnlich groß, wie bei den klassischen Eltern-Initiativen, Essen bringen ebenfalls die Eltern mit. Die Betreuungszeiten sind geringer als in herkömmlichen Einrichtungen. Dies kann aber von Waldkindergarten zu Waldkindergarten variieren.

Die Vorteile

- Die Kinder suchen sich ihre Spielsachen in der Natur - das fördert die Kreativität
- Die Kinder sind vom Alltagsstress der Stadt geschützt
- Die Gesundheit der Kinder wird gestärkt

Die Nachteile

- Für das Bringen und Abholen der Kinder ist ein Auto notwendig, da die Anfahrtswege häufig weiter als bei örtlichen Kindergärten sind
- Die begrenzte Betreuungszeit von drei Stunden im Winter schließt Familien mit einem höheren Betreuungsbedarf von vorneherein aus
- Fingerfertigkeiten beim Basteln werden nicht geübt

Waldorfkindergärten

Grundprinzip der Waldorfpädagogik nach Gründer Rudolf Steiner ist die Nachahmung. Allein durch das positive Vorleben der Erwachsenen lernen die Kinder, wie sie sich zu verhalten haben. Kernelemente der Erziehung sind feste Rhythmen im Tagesablauf, im Wochenablauf und ein starker Bezug zu den Jahreszeiten. Das Spielzeug in Waldorfkindergärten besteht hauptsächlich aus Naturmaterialien wie Holz, Steinen, Muscheln und Tannenzapfen und einfachen Stoffpuppen. Die Gruppen bestehen meistens aus etwa 20 Kindern bei zwei Erziehern. Die Räumlichkeiten sind dem ganzheitlichen Anspruch Steiners entsprechend mit qualitativ hochwertigen Naturmaterialien eingerichtet. Hintergrund der Waldorfpädagogik ist die Anthroposophie - eine weltweit vertretene spirituelle Weltanschauung, die den Menschen in seiner Beziehung zum Übersinnlichen betrachten will - mit der die Eltern zumindest einverstanden sein müssen. Dies wird bei einem eingehenden Aufnahmegespräch geprüft. Die aktive Mitarbeit ist auch in diesem Kindergarten gefordert, wobei für die pädagogischen Fragen ausschließlich die extra ausgebildeten Erzieher zuständig sind.

Die Vorteile

- Die Kinder sind sehr behütet und wachsen in einem christlichen Umfeld auf
- Durch das Spiel mit Naturmaterialien werden Kreativität und Fantasie gefördert
- Die musische Förderung ist sehr groß

Die Nachteile

- Der Kindergarten ist sehr teuer und elitär
- die Eltern müssen sich mit der anthroposophischen Weltanschauung auseinandersetzen
- die Erzieher prägen die Kinder sehr stark

Reggio-Pädagogik

Der Kindergarten soll ein Ort sein, wo Kinder forschen, hinterfragen und Dinge prüfen können. Das ist der Grundsatz der Reggio-Pädagogik, die von Pädagoge und Psychologe Lors Malaguzzi aus der Not heraus entwickelt wurde. Der Leiter kommunaler Krippen und Kindergärten engagierte sich in der Nachkriegszeit gemeinsam mit Eltern für den Aufbau privater Schulen und Betreuungseinrichtungen für unterernährte Kriegskinder. Das Erziehungskonzept, das in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia ab den späten 60er Jahren entwickelt und ausgebaut wurde, versteht Erziehung als Gemeinschaftsaufgabe. Wenn die Kinder beispielsweise ein Baumhaus bauen mochten, halfen Schreiner und Eltern, besorgten Holz und bauten gemeinsam mit den Kindern das Baumhaus. Interessierten sich die Kinder dafür, wie Brot gebacken wird, kam der Bäcker und erklärte es ihnen und backte Brot mit ihnen. Wie kleine Wissenschaftler dürfen Kinder in Reggio-Kindergärten ihre Welt entdecken, eignen sich Wissen und Können durch Neugier und Experimentierfreude selbst an. Das Konzept experimenteller Pädagogik fand und findet weltweit Anerkennung. Es hat in Deutschland viele Versuche gegeben, das Modell Reggio zu importieren, doch dies erwies sich als recht schwierig, da die Reggio-Pädagogik weniger eine Technik ist, die erlernt und angewendet werden kann, sondern eher eine Philosophie über den Weg der Kinder in die Welt. Das Modell Reggio kann nicht von einem Erzieher allein realisiert werden. Es muss außerdem von den Eltern, von Wissenschaftlern, Künstlern, Architekten und so weiter mitgetragen werden. So kommt es, dass in Kindertagesstätten Elemente der Reggio-Pädagogik zu finden sind (wie etwa Spiegelzelte, Spiele mit Licht und Schatten oder kleine Projekte), wesentliche Grundlagen für eine konstruktive und systematische Begleitung der Kinder auf ihren Wegen aber häufig fehlen.

Berliner-Modell

Das Berliner Modell ist kein eigenes Kindergartenkonzept, es gliedert den Verlauf der Eingewöhnung in mehrere Abschnitte. Die Eltern sind länger in der Einrichtung, so dass das Kind einen sehr weichen Übergang in die Kindergartenzeit bekommt. Vor der Aufnahme in den Kindergarten steht in der Regel ein ausführliches Aufnahmegespräch, in dem der Erzieher über Ernährung, Schlafgewohnheiten und Spielverhalten des Kindes informiert wird. In der dreitägigen Grundphase wird das Kind in die Einrichtung begleitet und die Erzieher nehmen Kontakt zu ihm auf. Am vierten Tag verlässt das Elternteil die Einrichtung das erste Mal für eine halbe Stunde. Die folgende Reaktion des Kindes entscheidet über die Dauer der Eingewöhnungszeit. Die Eingewöhnungszeit kann bis zu drei Wochen in Anspruch nehmen. Das Kind lernt dabei den Bezugserzieher als Bindungsperson kennen. Dadurch entsteht ein sehr enger persönlicher Kontakt, der das Sicherheitsempfinden gerade kleinerer Kinder fördert. Ist diese Bindungsperson krank, im Urlaub oder anderweitig nicht anwesend, kann diese enge Bindung zu Unsicherheiten führen. Studien haben belegt, dass Kinder, die nach diesem Modell eingewöhnt werden, weniger krank sind.

Worauf Eltern noch achten sollten

Unabhängig von den pädagogischen Konzepten muss der Kindergarten auch zu den Eltern passen. Deshalb sollten sie bei der Suche nach den richtigen Einrichtungen auch noch folgende Dinge beachten:

- Wohnort- oder Arbeitsplatznähe: Wie weit ist der Kindergarten entfernt, kann das Kind ab einem gewissen Alter auch mit dem Lauf- oder Fahrrad fahren oder muss immer der Buggy oder der Bus genommen werden? Oder soll der Kindergarten so nah sein, dass das Kind den Weg zu Fuß schafft?
- Öffnungszeiten: Stimmen die Öffnungszeiten des Kindergartens mit den Arbeitszeiten der Eltern überein? Gibt es einen Notdienst in den Ferien? Ist das überhaupt notwendig oder arbeitet sowieso nur ein Elternteil?
- Elternmitarbeit: Wie viel Zeit wollen oder können die Eltern in die Mitarbeit investieren?
- Kontakt zu anderen Eltern: Wie groß ist der Wunsch nach einem Kindergarten, in dem die Eltern viel Zeit mit anderen Eltern verbringen und somit schnellen Anschluss finden?
- Kosten: Welcher Betrag  muss monatlich aufgewendet werden für Grundbetreuung, Zukaufstunden, Ernährung, Ausflüge und so weiter?

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal