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Einschulung: Früh eingeschulte Kinder besuchen seltener ein Gymnasium

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Einschulung  

Früh eingeschult - seltener auf das Gymnasium?

19.08.2009, 12:15 Uhr | mmh, t-online.de

Einschulung: Früh eingeschulte Kinder besuchen seltener ein Gymnasium. Junge sitzt ratlos im Unterricht.

Versperrt eine frühe Einschulung spätere Bildungschancen? (Bild: Imago)

Schulreif oder nicht? Irgendwann im Laufe des letzten oder vorletzten Kindergartenjahres muss diese Frage beantwortet werden. Das fällt nicht immer leicht. Aber stellt man damit schon die Weichen für die weiterführende Schule? Eine neue Studie belegt dies: Früh eingeschulte Kinder haben schlechtere Chancen, später den Sprung auf das Gymnasium zu schaffen.

Schulreif oder nicht?

Rund 700.000 Kinder werden dieses Jahr neu eingeschult. Nicht wenige davon sind sogenannte "Kann-Kinder", deren Eltern sich entscheiden mussten, ob ihr Kind, das nach dem Stichtag sechs Jahre alt wurde schon in die Schule gehen oder noch ein Jahr im Kindergarten bleiben soll. Eine Studie hat nun herausgefunden, dass diese Entscheidung schon früh die Weichen für die spätere Schullaufbahn stellt.

Bildungskarriere beeinflusst

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und die Universität Hannover wollten gesicherte Daten erheben, inwieweit eine frühe Einschulung die Bildungskarriere beeinflusst. Wirkt sich das Alter bei der Einschulung mehr aus als Intelligenz? Ihr Fazit: Relativ früh eingeschulte Kinder besuchen seltener ein Gymnasium als "normal" eingeschulte. Früher eingeschulte Kinder schneiden am Ende ihrer Grundschulzeit nämlich durchschnittlich wesentlich schlechter ab als ihre älteren Mitschüler. Die Forscher zogen dazu vor allem standardisierte Tests und die Ergebnisse der IGLU-Studie (Grundschullesestudie) heran. Jüngere Kinder erzielten darin weniger Punkte.

Übertrittswahrscheinlichkeit

Für den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium hat das Auswirkungen: Um etwa 13 Prozent verringert sich die Chance der Jüngeren gegenüber den Älteren. Die Wahrscheinlichkeit für jüngere Kinder ist absolut gesehen etwa um ein Drittel verringert.

Später aufgeholt

Trost gibt aber eine weitere Studie (Deutsch-Britische Gesellschaft), die Schüler bis zum 13. Schuljahr begleitete. Sie sagt, dass die früher eingeschulten Kinder später doch wieder etwas aufholen. Häufig wechseln sie nach der zehnten Klasse von einer niedrigeren Schulform auf ein berufliches Gymnasium oder eine Fachoberschule und erwerben auf diesem Weg einen höheren Schulabschluss. Damit könnte sich, so die Autoren der Studie, der anfängliche Effekt, dass früher Eingeschulte seltener ein Gymnasium besuchen, wieder neutralisieren. Die Studie hat außerdem noch einen weiteren Ausgleich entdeckt: Der finanzielle Gewinn, der dadurch entsteht, dass die Kinder nach ihrem Schulabschluss früher in den Arbeitsmarkt eintreten, überwiege den Verlust, der durch die frühe Einschulung entstehe.

Chancen vertan

Schadet man den Kindern mit einer frühen Einschulung also mehr als man sie fördert? "Dass die Früheingeschulten zunächst seltener auf das Gymnasium gehen und erst später auf eine entsprechende Schulform wechseln, belegt, dass hier eine Gruppe eigentlich geeigneter Kinder auf Grund ihres relativen Alters für mehrere Jahre der Zugang zum Gymnasium erschwert wird", so die Autoren der Studie, Andrea Mühlenweg und Patrick Puhani von der Leibniz Universität Hannover. Sie leiten aus den Ergebnissen Handlungsbedarf ab: "Die Ergebnisse stellen eine Herausforderung für die Lehrer, aber auch für die Eltern dar. Um die Nachteile, die Kindern auf Grund ihres jungen Alters entstehen, abzumildern, sollte bei der Entscheidung für eine weiterführende Schule das Alter der Kinder mit berücksichtigt werden.

Eltern verunsichert

Diese Aussagen verunsichern Eltern natürlich, die selbst ein "Kann-Kind" haben. Früh einschulen, damit das Kind im Kindergarten nicht unterfordert ist? Oder langfristig denken, ein Jahr länger Kindergarten planen, damit der Nachwuchs auf das Gymnasium kommt? Eine schwierige Entscheidung, denn auf das Sozialverhalten in der Kindergartengruppe wirkt es sich auch nicht immer positiv aus, wenn einer der Jüngsten plötzlich der Älteste ist.

Diesen Rollenwechsel genießen manche Kinder, andere können ihn nicht vollziehen oder entwickeln sich im schlimmsten Fall zum Gruppenclown oder aggressiven Rabauken, da sie unterfordert und gelangweilt sind. Kinder, die sich stark für Lesen und Schreiben interessieren, wollen auch in die Schule, oft besuchten sie auch im Kindergarten schon die Vorschulgruppe.

Hilferufe im Netz

Ein typischer "Hilferuf" betroffener Eltern aus einem Internet-Forum fasst es zusammen: "Sollen wir unsere Tochter mit fünf Jahren und zehn Monaten einschulen, oder besser nicht? Dagegen spricht sicherlich, dass es keinen Zeitdruck gibt und dass sich die frühe Einschulung möglicherweise negativ auf ihre Entwicklung auswirkt. Sie wäre immer eine der Jüngsten, müsste vielleicht mehr kämpfen. Was allerdings dafür spricht, ist ihre Art und Weise zu spielen, alters- und geschlechtstypisches Spielen (Puppen, Kaufmannsladen, Küche, etc.) ist ihr fremd. Am liebsten beschäftigt sie sich mit Lük-Kästen, dem Alphabet, mit Rechenaufgaben, ihrem Lerncomputer (hat sie sich gewünscht) und mit dem Nach- und Abschreiben einzelner Worte und kleiner Sätze. Es ist nicht so, dass wir dieses Verhalten über Gebühr fördern würden und sie bewusst anleiten, wie man schreibt und rechnet. Sie fragt und wir antworten. Wir glauben, dass sie ihr erlerntes Wissen jedoch weiter ausbauen wird, wenn wir noch ein Jahr warten. Sie würde sich immer weiter vom normalen Wissensstand eines Erstklässlers entfernen. Dann wird sie sich möglicherweise langweilen. Ein weiterer Grund sie einzuschulen ist, dass der Großteil ihrer Spielkameraden aus dem Kindergarten diesen Sommer zur Schule geht."

Nicht immer sind Erzieher dabei die erste Adresse, nach Rat zu fragen, sondern immer öfter suchen Betroffene den Rat anderer, die ebenfalls vor der Entscheidung standen und im Rückblick urteilen können, ob ihr gewählter Weg richtig oder falsch war.

Flexible Schulformen

Leider gibt es nicht überall neue flexible Einschulungsformen, so können beispielsweise "Kann-Kinder" die schon schreiben lernen wollen in "Null-Klassen" noch am Sozialverhalten und der Motorik arbeiten oder Wackelkandidaten in flexiblen Eingangsstufen die ersten zwei Jahrgänge in einem, zwei oder drei Jahren absolvieren. Viele Schulen machen damit inzwischen gute Erfahrungen.

Dilemma Übertrittsempfehlung

Gelegentlich bekommen Eltern von "Kann-Kindern" in der vierten Klasse im Elterngespräch zu hören: "An der Intelligenz liegt es nicht, aber er ist noch so jung, da empfehlen wir kein Gymnasium, denn da geht es jetzt mit dem G8 noch viel härter zu." Sozialverhalten und Zartheit contra Intelligenz und Leistung? Was ist wichtiger? Eltern sind in solchen Fällen hilflos, suchen eine reibungslose Verzahnung zwischen Kindergarten und Schule.

Individuelles Kind sehen

Die Studie - so betonen die Autoren - wolle auf keinen Fall das institutionalisierte Lernen an sich in Frage stellen: "Würden alle Kinder beispielsweise ein Jahr später eingeschult, löste dies nicht das Problem, dass die jüngsten Kinder in dieser Klasse zu einem gegebenen Zeitpunkt im Durchschnitt nicht denselben Entwicklungsstand erreicht haben wie die ältesten Kinder in der Klasse."

Zwar sind die erhobenen Daten repräsentativ und damit allgemeingültig, aber wichtig seien individuelle Entwicklungsprognosen. Statistische Daten seien etwas anderes als die Entwicklungsprognose für ein individuelles Kind mit all seinen Stärken und Schwächen. "Es wird immer Fälle geben, in denen die Jüngsten einer Klasse sich als Überflieger entpuppen oder später Eingeschulte Schwierigkeiten in der Schule haben. Hier bleibt es die Aufgabe von Eltern und Erziehenden, die persönliche Entwicklung der Kinder genau zu beobachten."

Schulreife oder Schulfähigkeit

Was bedeutet überhaupt Schulreife oder Schulbereitschaft? Die Psychologin Renate Niesel sagt, dass es keine allgemeingültige Definition dafür gibt. "Um schulfähige von nicht schulfähigen Kindern unterscheiden zu können, hat man versucht, psychologische Schulreife- beziehungsweise Schulfähigkeitstests zu entwickeln. Diese Bemühungen führten zu keinen befriedigenden Ergebnissen. Die Tests erfassen immer nur den Entwicklungsstand eines Kindes zum Testzeitpunkt. Prognosen bezüglich des Schulerfolgs durch Tests erwiesen sich als unzuverlässig."

Man weiß, dass nicht nur das Alter ausschlaggebend ist, sondern auch die Umwelteinflüsse, so sind beispielsweise die Lernmöglichkeiten in Familien und in Kindertageseinrichtungen sehr wichtig für die Erlangung der Kompetenzen, die Kinder brauchen, um den Schulalltag erfolgreich zu bewältigen.

Welche Kompetenzen sind nötig?

Niesel - Mitarbeiterin des Instituts für Frühpädagogik - sagt "ein Schulkind wird das Kind in der Schule", das bedeutet, dass ein Kind nicht schon vor der Einschulung alles können muss, was ein Erstklässler kann, um reif zu sein. Eltern. Erzieherinnen und Lehrer sollten besser fragen: "Ist das Kind fähig und bereit, ein Schulkind zu werden?" Niesel gibt als Kriterien an: "Zu den Anforderungen, die mit ’Schulfähigkeit’ im allgemeinen verknüpft werden, gehören kognitive Leistungen, soziale Kompetenzen so wie die Kompetenzen der Arbeitshaltung und Motivation, aber auch die körperliche Verfassung ist wichtig."

Sind Schulen kindfähig?

Niesel stellt aber auch die Frage, ob Schulen kindfähig sind, denn sie ist der Meinung, Kinder haben Anspruch darauf, dass die Schule, die sie aufnimmt, ihnen hilft, den Übergang zu bewältigen und sie zu begleiten - eine große pädagogische Herausforderung.

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