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Kindersicherheit  

Lebensgefahr durch Lauflernhilfe

20.07.2010, 10:34 Uhr | rev, t-online.de

Kindersicherheit: Lebensgefahr durch Lauflernhilfe. Lauflernhilfen können Kinder sogar in Lebensgefahr bringen. (Bild: imago)

Lauflernhilfen können Kinder sogar in Lebensgefahr bringen. (Bild: imago)

Fast jede dritte Familie in Deutschland besitzt ein Lauflerngerät. Nach Angaben eines Herstellers werden hierzulande noch immer 100.000 Exemplare jährlich verkauft. Dabei warnen Kinderärzte seit Jahren: Ob Lauflernhilfe, Gehfrei oder Babywalker, alle diese Geräte für Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr sind sinnlos, schaden der natürlichen Bewegungsentwicklung und sind vor allem ungemein gefährlich. "Lauflernhilfen sind eine der schädlichsten Erfindungen für Kinder", erklärt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte gegenüber der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder e.V.". Hartmann fordert: "Die EU sollte diese Geräte endlich konsequent verbieten anstatt nur neue Sicherheitsnormen für sie festzulegen." Was aber macht die Lauflernhilfen für Kleinkinder so gefährlich?

Das sind die Risiken

Laut Kindersicherheitsexperten kommt es in Deutschland aufgrund von Lauflernhilfen zu etwa 6000 Unfällen. Betroffen sind vorwiegend kleine Kinder zwischen sechs und zwölf Monaten. Das macht die Geräte so gefährlich für die Kleinen:

  • in den Geräten bewegen sich Kleinkinder deutlich über ihre altersspezifischen Fähigkeiten hinaus

  • die Kids erreichen mit Babywalkern und Co. eine unnatürlich hohe Geschwindigkeit von bis zu zehn Kilometern pro Stunde

  • die Kinder gelangen mit den Geräten häufiger in für sie besonders gefährliche Bereiche: die Folge sind Stürze über Türschwellen, über auf dem Boden liegende Gegenstände und insbesondere Treppenstürze - Verletzungen von harmlosen Schürfwunden bis hin zu lebensbedrohlichen Schädelbrüchen können nicht ausgeschlossen werden

  • durch die Lauflernhilfen kommen Kinder zudem auch an höher liegende Gegenstände und können zum Beispiel auch leichter an Kabeln von Elektrogeräten ziehen: das kann letztendlich die Ursache von Verbrühungen, Verbrennungen oder auch Vergiftungen sein, wenn die Kinder so in Kontakt mit Medikamenten oder Zigaretten kommen

Professor Dr. Otto Schofer, Chefarzt der Kinderklinik im saarländischen Kohlhof, muss immer wieder Kinder behandeln, die mit einer Lauflernhilfe gestürzt sind. In der ARD-Sendung "Plusminus" vom 13. Juli 2010 berichtete der Arzt, dass es sich dabei oft um sehr schwere, zum Teil bleibende Verletzungen handelt: "Die Spanne geht bis hin zu Kopfverletzungen und da ist immer die Gefahr, dass es innerhalb des Kopfes zu Blutungen kommen kann." Mal gebe es mehr Vorfälle, mal weniger, so Schofer: "Man merkt, dass manchmal offensichtlich auch die Werbung wieder verstärkt wurde. Dann werden die Dinger mehr benutzt und es kommt auch wieder zu mehr Unfällen."

Haltungsschäden vorprogrammiert

Doch es werden nicht nur die Unfallrisiken kritisiert. Die Kinderchirurgin und Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" ergänzte in der Sendung: "Es gibt viele Untersuchungen, die belegen, dass Kinder, die häufig so im Alter von acht Monaten in diese Lauflernhilfen gesetzt werden, später laufen lernen und sich falsche Bewegungsmuster angewöhnen." Haltungsschäden seien somit die zweite große Gefahr, die von Lauflernhilfen ausgeht.

Es braucht Verbote statt Normen

Das große Problem: Laut EU-Norm sind die Geräte trotz allem zulässig - sie müssen nur eine bestimmte Sicherheitsnorm erfüllen, die beispielsweise bestimmte Brems- und Feststellvorrichtungen vorschreibt. Diese Sicherheitsmaßnahmen können jedoch nicht die zahlreichen Unfälle mit Lauflernhilfen vermeiden, wie die Statistik beweist. Alle Experten sind sich einig: Statt Normen ist hier ein klares Verbot gefragt. Aus diesem Grund lehnen es auch nahezu alle Prüferinstitute ab, die Produkte überhaupt zu testen. So auch der TÜV Rheinland, Marktführer bei Tests von Spielsachen in Deutschland.

Ralf Diekmann, Sprecher vom TÜV Rheinland, erklärte bei "Plusminus": "Babylauflernhilfen testen wir schon seit Jahren nicht mehr, weil einfach das Gefahrenpotenzial zu hoch ist. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass damit ein Kind im Haushalt verunfallt, weil die entsprechende Aufsichtspflicht womöglich nicht da ist, ist sehr groß und deswegen lehnen wir es ab, diese Geräte zu prüfen und zu zertifizieren."

Zuständig für ein mögliches Verbot der Lauflernhilfen ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Auf Anfrage von "Plusminus" kam nur eine kurze schriftliche Auskunft: Die Geräte seien laut EU-Norm nun einmal zulässig. In anderen Ländern, wie unter anderem Kanada, sind die Geräte bereits verboten.

ratgeber.t-online.de: Baby Lauflernhilfe: Wenn das Baby Laufen lernt

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