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    Gewalt in der Familie: Sind Eltern überfordert?

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    Gewalt in der Familie: Sind Eltern überfordert?

    20.08.2010, 10:43 Uhr | mmh, t-online.de, dpa

    Gewalt in der Familie: Sind Eltern überfordert?. Gewalt in Familien: Ist Überforderung schuld?

    Gewalt in Familien: Ist Überforderung schuld? (Bild: Imago) (Quelle: imago)

    Getötet von der eigenen Mutter, verhungert, misshandelt, geprügelt. Immer wieder erschüttern tragische Todesfälle von Kleinkindern, wie der Tod des fünfjährigen Julian die Öffentlichkeit. Gewalt in der Familie hat viele Gesichter. Oft sind es die eigenen Eltern oder deren Partner, die ihre Kinder misshandeln oder sogar töten. Oft zieht sich das Gewaltthema durch mehrere Generationen. Schlagen, Prügeln, Züchtigen - das bewirkt nicht nur körperliche Schäden, sondern verletzt auch die Seelen. Wie erklären Psychologen das Phänomen?

    Körperliche Züchtigung immer noch weit verbreitet

    Kinder haben seit dem Jahr 2000 ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Seit dieses Recht gilt, nahm die häusliche Gewalt ab. Eine erfreuliche Tendenz, doch immer noch scheint vielen körperliche Züchtigung ein "sinnvolles" Erziehungsinstrument zu sein: Schlagen, Würgen, Schütteln, Treten. Die Misshandeln kann sogar zum Tod führen. Selbst leichte Ohrfeigen oder ein Klaps sind schon körperliche Gewalt. Es ist sogar die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen, die unter Einsatz körperlicher Gewalt von ihren Eltern erzogen wird, stellte das Bundesministerium für Jugend, Familie und Soziales fest. Etwa jedes fünfte bis sechste Kind erlebt sogar schwerere Formen von Züchtigung, jedes zehnte eine Form von Gewalt, die auf Kindesmisshandlung hindeutet. Viele Kinder müssen Gewalt gegen die Mutter vom Vater oder Stiefvater beobachten.

    Gewalt wird erlernt

    Der Pädagoge Martin Textor schreibt in einem Online-Ratgeber: "Gewalttätige Eltern wurden oft selbst als Kinder misshandelt; sie lernten, körperliche Züchtigung als akzeptable Erziehungstechnik zu betrachten (Zyklus der Gewalt)." Oft resultiert extreme Gewalt aus Stress und Überforderung, Kinder werden zu Sündenböcken für berufliche Misserfolge, wirtschaftliche Notlagen oder den Streit mit dem Partner. Oft sind gerade Eltern kinderreicher Familien überfordert und können Aggressionen nicht mehr kontrollieren. Andere bestrafen ihre Kinder, von denen sie enttäuscht sind, weil sie die erwarteten Leistungen in Schule oder Sport nicht erbringen.

    Hintergründe der Gewalt

    Ohnmacht, Hilflosigkeit, autoritärer Erziehungsstil, mangelnde Erziehungskompetenz, Überforderung - was steckt dahinter? Der Münchener Psychotherapeut Bruno Waldvogel erläutert die Hintergründe: "Meistens ist es der Endpunkt einer Spirale von familiären Konflikten und Überforderungen der Eltern. In eher wenigen Fällen ist die Ursache eine schwere psychische Erkrankung eines Elternteils oder der Eltern. Manchmal soll eine Gewalttat wie das Umbringen eines Kindes sexuellen Missbrauch verdecken. Bei Patchworkfamilien ist es eher so, dass der hinzugekommene Teil sich von der engen Bindung des leiblichen Elternteils und des Kindes ausgeschlossen fühlen kann. Oder dass er sich möglicherweise auch von dem Kind eher abgelehnt fühlt, frustriert und gekränkt ist, was wiederum zu Aggressionen führen kann."

    Viele Eltern überfordert

    Immer wieder erschüttern tragische Fälle von Kleinkindern, die zu Tode geprügelt werden die Öffentlichkeit "Solche Tötungsdelikte hat es leider schon sehr viele gegeben, sowohl in Patchworkfamilien als auch in herkömmlichen Familien", stellt Waldvogel klar. "Kinder sind nicht nur in jeder Situation Sonnenscheine, sondern stellen manchmal Anforderungen, die von den Eltern als Anmaßung oder Überforderung erlebt werden. Mitunter werden sie auch mit direkter Aggressivität eingefordert. Und wenn Eltern hier nicht ausreichend gelernt haben, wie man sich mit solchen Kindern gütlich einigt, dann sind sie überfordert. Das kann dazu führen, dass sie ihre Position gewaltsam vertreten."

    Ist dies also ein Plädoyer für Erziehungskurse für Eltern? Selbst wenn man die Hintergründe und Beweggründe erklären kann, so kann man die Tat nicht entschuldigen. Helfen kann hier nur Prävention, denn Kleinkinder können sich selten erfolgreich wehren, sie sind abhängig von ihren Eltern. Auf jeden Fall ist es ein Aufruf, genauer hinzuschauen und sich einzuschalten und nicht die Mittel für soziale Betreuung gefährdeter Familien zu kürzen.



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