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Kleinkinder vergessen schnell

16.05.2011, 10:49 Uhr | Pressetext

Kleinkinder vergessen schnell. Frühe Erinnerungen von Kleinkindern verschwinden im Schulalter wieder. (Foto: imago)

Frühe Erinnerungen von Kleinkindern verschwinden im Schulalter wieder. (Foto: imago)

Frühe Erlebnisse der ersten Lebensjahre sind bei Kleinkindern noch präsent, verschwinden dann aber im Verlauf der Kindheit aus dem Bewusstsein. Das berichten kanadische Forscher in der Zeitschrift "Child Development". "Scheinbar werden im Grundschulalter frühere durch spätere Erinnerungen ersetzt. Je älter Kinder werden, desto gefestigter ist ihr Erinnern, das dann bereits jenem von Erwachsenen ähnlich ist", so Studienleiterin Carole Peterson von der Memorial University of Newfoundland.

18. Monat noch präsent

Die Wissenschaftler befragten 140 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren nach ihren ersten drei Erinnerungen und wiederholten dieselbe Frage zwei Jahre später noch einmal. Die Eltern gaben darüber Auskunft, ob diese Angaben stimmten und mit welchem Alter die Ereignisse geschehen waren. Kleine Kinder, die man beim ersten Mal im Vorschulalter befragt hatte, berichteten von Erlebnissen, die teils bis in den 18. Lebensmonat zurückreichten. Zwei Jahre später konnten sie sich allerdings kaum mehr an die zuvor angegebenen Ereignisse erinnern. Bei den älteren Kindern war dies hingegen weit eher der Fall.

Unbewusstes bleibt gespeichert

"Die Studie untersucht bewusst abrufbare Erinnerungen. Der Mensch erinnert sich jedoch an viel mehr, als ihm bewusst ist", erklärt die Wiener Entwicklungspsychologin Brigitte Rollett. Frühe Kindheitsereignisse vergisst man in der Regel, wenn sie für die Gegenwart nicht mehr relevant sind oder wenn sie derart schmerzen, dass man Distanz zu ihnen schaffen will. "Im geschützten Raum der Psychotherapie kann man sie wieder hervorholen - etwa wenn es darum geht, Phobien oder Demotivation durch die Suche nach den Ursachen zu überwinden", so die Expertin.

"Familien-Saga" schaffen

Unter manchen Bedingungen bleiben frühe Erlebnisse jedoch nachhaltig im Bewusstsein. Rollett zählt dazu die Schaffung einer "Familien-Saga", in der Familien Vergangenes durch ständiges Erinnern daran lebendig halten. Auch Fotos oder Erzählungen von einstmals Anwesenden bewirken dies, wobei letztere dabei helfen können, teils verfälschte Erinnerungen richtig zu stellen.

Erinnern an Schönes macht glücklich

Daneben gibt es auch zwei Sonderformen des Erinnerns. "Depressives Grübeln holt vergangene Schmerzen immer wieder hervor. Glückliche Menschen schaffen es hingegen oft, sich im Vergegenwärtigen von vergangenem Schönen in gute Stimmung zu versetzen", erklärt die Entwicklungspsychologin.

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