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Ausrottung des freien Spiels schadet Kindern

31.08.2011, 16:06 Uhr | Pressetext

Ausrottung des freien Spiels schadet Kindern. Freies, unstrukturiertes Spiel ist wichtig für Kinder. (Quelle: imago)

Freies, unstrukturiertes Spiel ist wichtig für Kinder. (Quelle: imago)

Eltern erstellen den Stundenplan ihrer Kinder immer lückenloser und lassen ihnen kaum Zeit für das freie Spiel im Freien mit anderen Kindern. Psychologen warnen vor vollen Terminplänen und zu viel Vorsicht.

"Kinder stehen bloß herum"

Eltern tun damit nichts Gutes, warnen Forscher im "American Journal of Play", das dem freien Spiel eine Sonderausgabe gewidmet hat. "Viele Kinder können gar nicht mehr richtig spielen, da sie es nicht gelernt haben. Sie stehen bloß herum, wechseln sprungartig von einem Spiel zum nächsten und sozialisieren sich nicht", verdeutlicht Erdmute Partecke, Psychotherapeutin und Expertin für Kindergartenpädagogik.

Gefahren des Spielverlusts

Eine Reihe von Gefahren des Spielverlustes dokumentieren die Autoren des Fachblattes. Peter Gray vom Boston College zeigt etwa einen Zusammenhang mit dem Anstieg der Depressionen, Suizide, Hilflosigkeitsgefühle und narzisstischer Störungen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Peter LaFreniere von der University of Maine beklagt den Verlust der evolutionären Rolle des Spiels für die Stärkung von Knochen, Muskeln und Herz sowie auch für den Feinschliff der Kommunikation, der Empathie und der emotionalen Regulierung. Fix dabei ist auch das Übergewichts-Risiko.

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Kontrollsüchtige Eltern

Für die Frage, was das Spielen ausgerottet hat, werden viele Faktoren angeführt. Für Hara Estoff Marano, Autorin von "A Nation of Wimps" (Land der Weicheier), tragen die Eltern die Hauptverantwortung, da sie für ihre Kinder eine perfekt kontrollierte Umgebung ersehnen, die ihnen die Werbung schmackhaft macht. Deutlich werde das etwa an überzogener Hygiene, jedoch auch in den Parks. "An einem schönen Sonntagmorgen sieht man viele Väter auf Spielplätzen. Bei jedem Kind steht ein Vater, der es am Ende der Mini-Rutsche auffängt und jede Bewegung coacht. Jegliches Spielen wird so verhindert", so die US-Psychologin.

Konkurrenz zum Spiel droht von vielen Seiten

Zur Leere der Spielplätze tragen auch die Überorganisation mit Sport- und Freizeitangeboten sowie die hohe Faszination von TV, Videogames und Social Media bei. Schulen und Kindergärten haben jedoch ebenso den in Deutschland verbreiteten Begriff "Freispiel" lange Zeit eher fragwürdig praktiziert, betont Erdmute Partecke. "Wo im Kindergarten zuvor die Erzieherin aufpasste, wollte man Anfang der 70er Jahre liberal sein und Kinder stets frei wählen lassen. Der Mythos des heilen Kinderspiels, das man nicht stören darf, etablierte sich. Es wurde zum Ideal, ohne dass man es näher erforschte."

Lieber weniger Spielsachen

Partecke vertritt die Ansicht, dass man das Spielen am besten in gut geführten Kinderkrippen erlernen kann. "Statt Kleinkinder in mit Spielsachen vollgepackten Räumen zurückzulassen, sollte man lieber Reize reduzieren, indem man nur Ausgewähltes da lässt. Bei guter Koordination und Förderung von Gruppen-orientierten Spielen stärkt das die Vorstellungskraft, befähigt zu anhaltender Beschäftigung mit einem Spiel und zu gemeinsamem Handeln." Bei größeren Kindern sollten Erwachsene nicht nur Aufsichtsperson sein, sondern freundlich zugewandte Beobachter, die kompetent mitdenken und Vorschläge liefern.

Altersgemischte Gruppen sind sinnvoll

Gut für das Spielenlernen ist laut den US-Studienautoren auch das gemeinsame Spielen von Kindern unterschiedlichen Alters. "Ältere und kompetentere Kinder bilden das Gerüst, an dem sich die Jüngeren beim sozialen Lernen orientieren, während sich auch die Älteren in der Führungsrolle, als Beschützer oder als Lerner beim Lehren etablieren", so Gray. Für Partecke ist eine Zusammenführung der Ein- bis Dreijährigen und der Drei- bis Sechsjährigen sinnvoll. "Bis dahin können Kleinere hinauswachsen und an Rollenspielen teilnehmen, die sie zwar noch nicht verstehen, jedoch emotional mit ihnen verbunden sind. Bei größeren Abständen ist die Altersspanne für gegenseitiges Lernen zu groß."

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