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Betreuungsgeld: Glaubenskrieg um die Kita

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Glaubenskrieg um die Kita

22.11.2011, 09:59 Uhr | Lisa Erdmann, Spiegel online, Spiegel Online

Betreuungsgeld: Glaubenskrieg um die Kita. Sind Kleinkinder in der Kita besser aufgehoben als zu Hause. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sind Kleinkinder in der Kita besser aufgehoben als zu Hause. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gehören Kleinkinder an Mamas Rockzipfel? Oder doch lieber in die Krippe? Frank Plasberg ließ in seinem Talk "hart aber fair" am 21. November Verfechter beider Glaubensrichtungen aufeinander los. Heraus kam ein launiges Scharmützel, in Schwarzweiß gezeichnet.

Diskussion auf Stammtisch-Niveau

Über kaum etwas lässt sich in Deutschland so leidenschaftlich streiten wie über Kindererziehung. Jeder weiß, was das Beste ist. Jeder ist schließlich selbst irgendwie groß geworden und hat seine Lehren daraus gezogen. Jeder hat entweder selbst Kinder oder beobachtet Geschwister, Freunde, Nachbarn dabei, wie sie sich mehr oder weniger redlich bemühen, beim Nachwuchs alles richtig zu machen. Und so versprühte die Plasberg-Runde unter dem Titel "Die Betreuungslüge - wenn Kinderwunsch auf Politik trifft!" jede Menge Stammtisch-Charme.

Fünf Mütter und Väter verteidigen ihre Lebensentwürfe

Im Zentrum stand die Frage, ob Ein- bis Dreijährige in der Kita besser aufgehoben sind als bei Mama, Opa oder Kinderfrau. Das gleich vorweg: Eine Antwort wurde natürlich nicht gefunden. Schon Generationen von Pädagogen, Psychologen, Soziologen suchen schließlich mit widersprüchlichsten Ergebnissen danach. Doch auch ohne Erkenntnisgewinn in der Sache war es eine launige Sendung. Denn am Studiotisch standen die fünf Gäste nicht nur in ihrer Funktion als Politiker (Christine Haderthauer, Cem Özdemir), Fachfrau (Journalistin Birgit Kelle), Betroffene (Schauspielerin Gesine Cukrowski, Unternehmer Johannes Haneke). Sondern sie standen dort auch als drei Mütter und zwei Väter, die Lebensentwürfe verteidigten - und sie taten das mit Verve.

Betreuungsgeld: Ideologiestreit zwischen Haderthauer und Özdemir

Vor allem die bayerische Sozialministerin Haderthauer und Grünen-Chef Özdemir giften sich mehrfach trefflich an. Sie wirft ihm vor, mit der Bevorzugung der Krippenerziehung den größten Teil der Mütter und Väter vor den Kopf zu stoßen. "Warum wollen Sie zwei Drittel aller Eltern im Regen stehen lassen?" Er kontert, dass es der CSU doch gar nicht um die Kinder oder Eltern gehe, sondern ausschließlich um ihre Ideologie. "Die Konservativen in der Union sagen, 'Wir brauchen noch was für unsere Klientel'", schmettert er ihr entgegen. So richtig entkräften kann Haderthauer den Vorwurf nicht. Es reicht nur zu einem resignierten "Sie wollen das so sehen". Als Özdemir ihr noch vorhält, dass schließlich auch viele Frauen in der CDU gegen das Betreuungsgeld sind, steckt sie vollends in der Defensive: Die hätten nur den Koalitionsvertrag nicht richtig gelesen, da sei das bereits festgehalten.

"Es geht um die freie Entscheidung"

Auch Plasberg knöpft sich Haderthauer vor. Wirft ihr eine Volte in Sachen Betreuungsgeld vor, weil es nun auch für Vollzeit arbeitende Frauen gezahlt werden soll - Hauptsache die Kinder besuchen keine Krippe. Er konfrontiert sie mit früheren Aussagen, wonach die Leistung nur an solche Eltern gehen soll, die sich persönlich um ihre Kinder kümmern. Sie windet sich mit der seit Wochen wiederholten Erklärung raus, dass sie früher missverstanden worden ist. Es sei damals wie heute um die persönliche Verantwortung für die Kinder gegangen - und nicht um die persönliche Anwesenheit der Eltern. "Es geht um die freie Entscheidung der Eltern." Aha. Plasberg lässt sie entkommen.

Kita-Befürworter: Kinder werden selbständiger

Cem Özdemir wird allerdings ebenfalls vorgeführt. Er muss sich vorhalten lassen, dass seine laut angekündigte Babypause für sein jüngstes Kind gerade mal sechs Wochen währte - wovon auch noch ein Teil in die Weihnachtspause im Berliner Politikbetrieb fiel. Der fünffache Vater Johannes Haneke und Gesine Cukrowski plädieren ihrerseits dafür, Kinder in die Krippe zu geben. Haneke berichtet von seinem zehnjährigen Sohn, der zu Hause von der Mutter verwöhnt wurde. Heute sei der Junge in manchen Dingen unselbständiger als die jüngeren Kinder, die frühzeitig in die Kita gegangen seien. Schauspielerin Cukrowski ist sich sicher, dass Kinder in der Kita mehr erleben als bei Mama. "Wir wollten, dass unsere Tochter diese soziale Situation erlebt."

"150 Euro Betreuungsgeld sind ein Witz"

Als energische Mitstreiterin hat die Christsoziale Haderthauer die vierfache Mutter und Journalistin Birgit Kelle an ihrer Seite. Beide schütteln an diesem Abend oft den Kopf und rollen mit den Augen, wenn die anderen Gäste sprechen. Kelle plädiert dafür, dass das Betreuungsgeld noch viel höher sein müsste als geplant. "150 Euro sind ein Witz, gemessen daran, wie teuer ein Kita-Platz ist." Ihr stellt Plasberg die Frage, was sie so sicher mache, dass sie nach zehn oder 15 Jahren Kinderpause wieder in ihrem Job unterkomme. Doch darauf setzt sie gar nicht. "Ich habe mich für die Freiberuflichkeit entschieden." Die Chance gibt es aber in vielen Jobs gar nicht.

Mutterliebe kontra Kinderverwahrung

Einig sind sich Haderthauer und Kelle vor allem darin, dass sie Krippen für Kleinkinder für problematisch halten. Haderthauer berichtet über Studien, die "Zweifel am Sozialverhalten bei Kindern aufkommen lassen, die zu früh zu lange in der Kita waren". Die Journalistin argumentiert, dass bis zum dritten Lebensjahr Liebe wichtiger sei, als Englisch zu lernen. Es ist eines dieser Argumente, wie sie häufig fallen in den 75 Minuten. Auf beiden Seiten. Viel Schwarzweiß. Zwischendurch bekommt man als Zuschauer fast den Eindruck als stünden hier das Fünfziger-Jahre-Hausfrauen-Modell und die Kinderverwahr-Anstalt zur Wahl, so holzschnittartig sind die Vorwürfe.

So hart ist die Suche nach einem Kita-Platz

Plasberg schafft es nur mit Hilfe der Einspielfilme und der Zuschauerreaktionen, die Realität in die Sendung zu holen. Da berichten Eltern von der verzweifelten Suche nach einem Kita-Platz oder von der manchmal erniedrigenden Prozedur des "Eltern-Castings", wie der Moderator das nennt, wobei sich Mama und Papa in privaten Kitas den Entscheidern möglichst sympathisch präsentieren müssen. Eine Zuschauerin kommentiert die Diskussion: "Du liebe Zeit! Als ob man sein Kind nie mehr zu Gesicht bekäme, wenn man es für ein paar Stunden am Tag in die Obhut einer Kindertagesstätte gibt."

So richtig politisch war die Sendung nicht. Dafür hat Plasberg bei Haderthauer und Özdemir zu wenig nachgebohrt. Es war eher ein politisches Thema, emotional aufbereitet. Stammtisch eben.

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