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Mangel an Krippenplätzen führt zu absurden Auswüchsen

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Mangel an Krippenplätzen führt zu absurden Auswüchsen

16.12.2011, 09:32 Uhr | Monika Ebitsch, dapd

Mangel an Krippenplätzen führt zu absurden Auswüchsen. Krabbeln für den Krippenplatz - Betreuungsdilemma treibt Eltern zu seltsamen Verhalten.  (Quelle: dapd)

Krabbeln für den Krippenplatz - Betreuungsdilemma treibt Eltern zu seltsamen Verhalten. (Quelle: dapd)

Wer auf Knien durch ein Einkaufszentrum kriecht, um einen Kinderkrippenplatz für sein Kind zu erkämpfen, muss verzweifelt sein. Dass das auf viele Eltern in München zutrifft, machte sich jüngst ein lokaler Radiosender werbewirksam zunutze: Er lobte mit einem privaten Kitabetreiber kostenlose Krippenplätze für die Sprösslinge des schnellsten Krabblers, besten Rutschauto-Fahrers und geschicktesten Türmchen-Bauers aus.

Wettkrabbeln der Eltern um die Kitaplätze

Das Wettkrabbeln ist der Auswuchs einer tatsächlich verzweifelten Situation, in der sich viele Münchner Eltern befinden, wenn sie einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs suchen. Gut 14.000 Plätze für Unter-Dreijährige gibt es in der Stadt - das ist genug für etwas mehr als ein Drittel aller Kinder. Immerhin hat die Stadt damit bereits die Quote erreicht, die im Bund in zwei Jahren, wenn die Krippenplatz-Garantie greift, angestrebt wird.

Allerdings reicht das längst nicht: In München, davon geht die Stadt aus, wollen gut die Hälfte der Eltern ihr Kind in eine Krippe oder Tagespflege geben. "Es ist nicht bedarfsgerecht, aber es wird nach wie vor viel gebaut und eröffnet", betont Eva-Maria Volland vom Bildungsreferat.

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Anmeldung in den ersten Schwangerschaftswochen

Die Diskrepanz von Angebot und Nachfrage hat absurde Begleiterscheinungen. Da werden Bürgerbegehren für mehr Krippenplätze gestartet; die ZDF-Moderatorin Karen Webb will eine Krippe gründen und klagt öffentlich über die Schwierigkeiten dabei. Private Krippenbetreiber verlangen für einen Vollzeitplatz pro Monat bis zu 1000 Euro und Wartezeiten von anderthalb bis zwei Jahren führen dazu, dass Frauen ihr Kind schon in den ersten Schwangerschaftswochen vormerken. "Es ist Wahnsinn, dass man sich so früh anmelden muss. Man kommt sich seltsam vor, wenn man mit noch flachem Bauch in einer Kita steht", sagt Madlen Ottenschläger, die zur Zeit mit ihrem ersten Kind schwanger ist und sich bei insgesamt 15 Krippen vorgestellt hat.

Die Gründe für die Misere sind vielfältig: Bayern hinkt beim Betreuungsangebot für die ganz Kleinen im bundesweiten Vergleich hinterher. Nur 20,6 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden hier laut Statistischem Bundesamt außer Haus betreut, bundesweit sind es 25,4 Prozent. Während in den ostdeutschen Bundesländern die Kitas eine lange Tradition haben und Bedarf und Betreuungsquote nahezu deckungsgleich sind, setzte im konservativen Bayern erst vor einigen Jahren ein Umdenken ein.

Nachfrage ist sprunghaft gestiegen

Volland verweist darauf, dass die Nachfrage "sprunghaft angestiegen" sei: "Man kann nicht so schnell nachkommen. Die Kommunen müssen strampeln - aber wir können nicht zaubern." Immerhin sind seit 2010 in München 900 Plätze hinzugekommen, weitere 3500 sollen in den kommenden vier Jahren folgen.

Große Spannweite

So wie das Ost-West-Gefälle mit 49 im Vergleich zu 20 Prozent enorm ist, ist auch innerhalb Bayerns die Spannweite groß: In Coburg etwa geht mehr als ein Drittel aller Kinder in eine Krippe oder zu einer Tagesmutter, im Landkreis Mühldorf am Inn gerade einmal 9,3 Prozent. Insgesamt sind die Betreuungsquoten in Franken tendenziell höher als im südlichen Bayern. Ebenso gibt es große Unterschiede zwischen Stadt und Land - eine hohe Betreuungsquote geht meist mit wirtschaftlicher Prosperität, niedriger Arbeitslosigkeit und einer hohen Erwerbsquote bei Frauen einher.

Auf München trifft all das zu, die Situation ist hier besonders schwierig. Zumal anders als im Bundesdurchschnitt auch die Geburtenrate nicht rückläufig ist, sondern steigt. Die Stadt ist teuer, sodass beide Elternteile verdienen müssen, und überdurchschnittlich viele hochqualifizierte Mütter wollen rasch wieder zurück in den Job.

Hohe Lebenshaltungskosten - viele Doppelverdiener

Die hohen Lebenshaltungskosten führen gleichzeitig dazu, dass viele Erzieherinnen, bei denen bereits Fachkräftemangel herrscht, davor zurückschrecken, hier zu arbeiten. Die Stadt versucht, pädagogische Fachkräfte mit einer 100-Euro-München-Zulage, günstigem Wohnraum und "Schnupperwochen" zu locken. Hinzu kommt, dass in der dicht bebauten Stadt schlicht die Räume für Krippen und Tagespflege fehlen - und wenn sich ein geeigneter Standort gefunden hat, sieht sich die Stadt mit den Klagen von Nachbarn konfrontiert.

Tipp an Eltern: Hartnäckig bleiben

Einen Tipp für verzweifelte Eltern hat Volland vom Bildungsreferat "leider nicht": "Ich rate nur dranzubleiben, die verschiedenen Möglichkeiten auszuloten und immer wieder nachzufragen. Dass das für die Eltern mühsam ist, will ich nicht verhehlen."

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