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Die beliebtesten Gesprächsthemen im Kindergarten

30.04.2012, 14:37 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Darüber sprechen Kleinkinder wirklich. Nicht immer ganz altersgerecht sind die Gesprächsthemen von Kleinkindern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nicht immer ganz altersgerecht sind die Gesprächsthemen von Kleinkindern. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In den Kinderzimmern der Kleinsten hatten bisher meist Figuren wie die Maus und der Elefant, Biene Maja oder Prinzessin Lillifee ihren angestammten Platz und führten ein friedliches Miteinander. Doch sie bekommen zunehmend Konkurrenz, denn die "Helden" der größeren Kids scheinen ebenfalls eine magische Wirkung auf Drei- bis Sechsjährige zu haben. Dies zumindest konnte unsere Eltern-Redaktion bei nicht repräsentativen Nachfragen auf Spielplätzen und in Kindergärten feststellen. Harry Potter, Hannah Montana, Star-Wars-Akteure oder japanische Pokémon-Figuren sind für viele Minis keine Unbekannten, gehören zum alltäglichen Gesprächsthema oder sind Teil ihres Spiels. Was aber steckt hinter dieser Begeisterung und ist es für die Kinder schädlich, sich mit nicht altersgerechten Inhalten zu beschäftigen? (TV-Figuren: Klicken Sie sich hier durch die beliebtesten TV-Helden unserer Kinder)

"Ich wäre jetzt Harry Potter und du wärst Ron und wir würden jetzt gegen Lord Voldemort kämpfen", so lauten die Regieranweisungen vom fünfjährigen Marius, der während des freien Spiels in seinem Kindergarten zum Zauberlehrling wird und mit seinen Kumpels in die Welt des Magier-Internats  Hogwarts eintaucht. Der sechsjährige Luis dagegen schleppt seit einiger Zeit in seinem Rucksack schon leicht abgegriffene Pokémon-Karten mit. Die will er nachmittags mit seinem Freund Fynn tauschen. Das ist nämlich gerade die Lieblingsbeschäftigung der beiden. Und auf dem Spielplatz in der Nähe führt die vierjährige Marie stolz ihren besten Freundinnen eine Hannah Montana Puppe vor, die ebenso sexy und hübsch ist wie in der amerikanischen Serie, während sich nebenan im Sandkasten andere Knirpse als Star-Wars-Experten versuchen und mit ihren Spiel-Figuren das Sci-Fi-Imperium aufmischen.

Stark sein und zu den Großen gehören

Solche und ähnliche Szenen kann man täglich auf Spielplätzen und in Kindergärten beobachten. Natürlich stehen bei den Mädchen nach wie vor die rosa Welten von "Prinzessin Lillifee" oder dem japanischen Kätzchen "Hello Kitty" und bei den Jungs der Indianerjunge Yakari, Wicki oder die guten alten Dinos hoch im Kurs. Doch die Kleinen mögen offenbar auch die Helden der Größeren. Unter den Favoriten sind auch Gestalten wie der grüne "Hulk", "Kung-Fu Panda", der naive Schwamm "SpongeBob" oder die finsteren "Transformers".

Warum die Vorlieben der Kinder nicht immer altersgerecht sind, weiß die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin und Medienpädagogin Dr. Claudia Lampert vom Hans-Bredow-Institut: "Kinder in diesem Alter orientieren sich besonders gerne an Größeren und interessieren sich sehr für Themen, die Ältere begeistern, auch wenn sie nicht alle Aspekte und Zusammenhänge der jeweiligen Geschichten verstehen können. Der entscheidende Antrieb für sie ist, dazu gehören zu wollen, um so durch das Spielzeug der Großen ebenfalls groß und cool zu sein." Hinzu kommt noch, dass einige der Helden Eigenschaften wie Stärke, Überlegenheit und Mut verkörpern, die ihnen helfen ihre gefährlichen Abenteuer erfolgreich zu bestehen. Das sei vor allem für Jungs reizvoll, so die Expertin.

Sammelwut und Tauschbörse

Manchmal sind es aber die Figuren selbst, die das Spiel für kleinere Kinder interessant machen. Das zeigt sich beispielsweise bei den japanischen Fantasiewesen aus der Pokémon- und Yu-Gi-Oh!-Welt. Hier üben nämlich nicht die Manga- und Anime-Figuren die Faszination aus, sondern die Karten, auf denen sie abgebildet sind. "Den Kleinen ist hier eigentlich völlig egal, was hinter den Figuren steckt. Mit den Inhalten, die dahinter stehen, sind sie ohnehin völlig überfordert. Der Anreiz für sie ist eher die Handlung des Sammelns und Tauschens", erklärt Claudia Lampert. "Auf diese Weise können sich die Kinder über ein Thema austauschen, knüpfen Kontakte oder initiieren auf diesem Weg sogar Freundschaften." Diese Tausch- und Sammelmode, die ursprünglich auf ältere Kinder abzielte, ist nun offenbar wieder bei vielen Kindergartenkids angekommen, weil sie nicht selten die abgelegten "Schätze" von ihren älteren Geschwistern übernehmen.

Ähnlich verhält es sich auch bei den Transformer-Figuren, die zwar sehr düster und martialisch wirken, aber vor allen bei kleinen Jungs für viel Vergnügen sorgen und pausenlos im Einsatz sind. "Den Kindern gefällt hier vor allem, dass sich an den Puppen alles verändern lässt. Das kreative Herumschrauben ist ihnen wichtig. Für sie sind es wandelbare Superhelden, die durch ihre Veränderbarkeit alles können", weiß Medienpädagogin Lampert. Im Gegensatz zu vielen Erwachsenen empfänden die Kinder diese roboterartigen Wesen jedoch nicht als hässlich und legten bei der Wahl ihres Spielzeugs eher keine ästhetische  Kriterien an, so die Expertin weiter.

Medien und Produktmarketing machen die Figuren zu einem Label

Die wichtigsten Quellen, um die Helden der Großen kennen zu lernen, sind Serien, Sitcoms, Soaps oder Spielfilme. Dafür müssen jedoch Kindergartenknirpse nicht mehr unbedingt die entsprechenden Geschichten im Fernsehen oder im Kino gesehen haben. Meist werden nämlich die Produktionen, sei es aus Hollywood, Japan oder aus deutschen Studios wie etwa die "Wilden Kerle", von umfangreichen Merchandising-Kampagnen begleitet, so dass die beliebten Figuren durch eine riesige Produktpalette im großen Stil weiter vermarktet werden. Das Ergebnis: In jedem Schreibwaren-, Kleider-, Spielwaren- oder Buchladen werden Stifte, T-Shirts, Brotdosen oder andere Accessoires mit den Bildern der jeweiligen "Stars" oder den Logos der Filme angeboten. Auf diese Weise sind "Harry Potter", "Darth Vader", "Hannah Montana", "SpongeBob", aber auch "Prinzessin Lillifee" und "Hello Kitty" allgegenwärtig und werden durch ihre Dauerpräsenz zu einer gefragten Marke.

Crossmediale Vermarktung spricht viele Altersgruppen an

Die Zielgruppen sind dadurch nicht mehr klar definiert. Die Strukturen sind durchlässiger geworden. "Dieses breite, crossmediale Vermarktungskonzept bewirkt eine Verfrühungstendenz", erläutert Medienpädagogin Claudia Lampert. "Das hat zur Folge, dass nun gleichzeitig mehrere Altersgruppen angesprochen werden können." Nur im Konsumverhalten und in der Reihenfolge, wie die populären Figuren ihren Weg in die Kinderzimmer finden, bestehen Unterschiede: So kommen ältere Kinder zunächst über die Filme oder Serien und die literarischen Stoffe zu den Figuren und schließlich zu der Fanartikel-Palette rund um die Stars, während die Kleinen zuerst über die passenden Spielsachen die Welt ihrer Helden kennen lernen.

Lego verbindet Kinderwelten mit Kinowelten

Eine strategisch besonders effektive Art des Marketings ist die Kooperation von "Lego" mit den Rechteinhabern erfolgreicher Kinoproduktionen. So können kleine Baumeister beispielsweise den gesamten Star Wars-Kosmos nachempfinden, das Internat von Harry Potter errichten, Captain Sparrows Kämpfe in "Fluch der Karibik" nachspielen oder mit den Autohelden aus "Cars" Rennen veranstalten. "Hier werden Themen aufgegriffen, die die kleineren Kinder nicht vom Kino her kennen können", so Erziehungswissenschaftlerin Lampert. "Doch über das Spiel mit den bunten Steinen begegnen sie nun diesen populären Figuren und werden so ebenfalls zu Konsumenten eines Produkts, das ursprünglich gar nicht für ihre Altersklasse konzipiert war."

Über die Helden sprechen und Konsumerziehung betreiben

Wie können Mütter und Väter reagieren, wenn ihre Kleinen sich für Gestalten der "Großen" begeistern? Müssen sie ihre Kinder davon fern halten? "Eigentlich kann man nicht sagen, dass der Umgang mit solchen Figuren schädlich ist" meint Erziehungswissenschaftlerin Lampert. "Entscheidend ist die Frage, was die Kinder in den Akteuren sehen. Deshalb ist es ratsam, sie nicht von vornherein abzulehnen. Eltern sollten im Gespräch mit ihrem Nachwuchs eher versuchen zu erfragen, warum die Figuren so faszinierend sind. Sie können nämlich ein guter Anknüpfungspunkt sein, um mehr über das eigene Kind zu erfahren." Dabei könne man schnell herausfinden, ob die Kids im Spiel "groß" und "stark" erscheinen wollten oder ob es etwa darum gehe, in der Freundesgruppe akzeptiert zu werden.

Zu besonderer Sensibilität rät Claudia Lampert bei stark umworbenen Produkten beziehungsweise Figuren. "In Zusammenhang mit dem Konsum sollten Eltern versuchen, ihren Sprösslingen zu erklären, dass man nicht unbedingt bestimmte Spielsachen braucht, um anerkannt zu werden und dazu zu gehören." In diesem Zusammenhang sei es auch hilfreich, wenn Mütter und Väter ihrem Nachwuchs schon im Kindergartenalter ein Bewusstsein für Kommerzialisierung vermittelten und beispielsweise deutlich machten, dass eine Kekspackung mit dem Motiv beziehungsweise Logo populärer Figuren meist wesentlich teurer sei als eine "normale" Kekspackung, obwohl der Inhalt derselbe sei.

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