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Wie groß wird mein Kind? Bei Wachstumsstörungen früh reagieren

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Wie groß wird mein Kind?  

Bei Wachstumsstörungen früh reagieren

16.12.2013, 12:05 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Wie groß wird mein Kind? Bei Wachstumsstörungen früh reagieren. Beim Verdacht auf Wachstumsstörungen sollte keine Zeit verloren gehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Beim Verdacht auf Wachstumsstörungen sollte keine Zeit verloren gehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Das verwächst sich schon" ist kein wirklicher Trost bei Kindern, die deutlich zu klein oder zu groß für ihr Alter sind - selbst, wenn das bei 95 Prozent tatsächlich zutrifft. Aber vor allem Teenager leiden darunter, wenn sie in Sachen Entwicklung nicht dem Durchschnitt entsprechen. Oft versuchen sie sich mit allen Mitteln größer zu schummeln oder ziehen im Gegenzug die Schultern ein, um so ein paar Zentimeter wettzumachen. Dumme Sprüche wie "Na, wie ist die Luft da oben?" oder "Wenn der mal eine küssen will, dann braucht er ja 'nen Hocker" machen es nicht wirklich besser. 

Bange Frage: Ist mein Kind zu klein?

Nicolai ist vier Jahre alt und misst gerade mal 94 Zentimeter. Wie klein ihr Sohn wirklich ist, ist seiner Mutter erst aufgefallen, als die Neuen in den Kindergarten kamen: "Die meisten der Dreijährigen waren gleich groß, manche hätten Nico regelrecht auf den Kopf spucken können. Da habe ich mir das erste Mal richtig Sorgen gemacht. Aber irgendwie hat mich niemand ernst genommen", erinnert sie sich. "Mein Mann sei auch ein Spätzünder gewesen und das verwachse sich schon, waren die Standardantworten in der Familie und beim Kinderarzt." In den meisten Fällen verwächst es sich ja auch. Die verbleibenden fünf Prozent allerdings leiden unter einer Wachstumsstörung, die man in der Regel heute gut behandeln kann. Sofern man sie früh genug erkennt und ernst nimmt. Denn Kinder, die kleinwüchsig sind, leiden genau wie diejenigen, die deutlich zu groß sind, innerhalb ihrer sozialen Gruppe. Nicht zuletzt deshalb, weil sie von der Umwelt nicht altersgemäß behandelt werden.

Drei große Schritte bis zur endgültigen Größe

Kinder werden größentechnisch in drei Phasen "erwachsen". In Phase eins (bis zum dritten Lebensjahr) verdoppelt sich das Kind längentechnisch sozusagen. Phase zwei (bis zur Pubertät) bringt jährlich fünf bis sechs Zentimeter und in der dritten Phase, der Pubertät selbst, sind es sieben bis neun Zentimeter pro Jahr. Wobei das Wachstum selten schleichend vor sich geht, sondern eher in den klassischen Schüben, die alle Eltern kennen: Letzte Woche hat die Jeans noch gepasst, inzwischen fällt sie unter die Kategorie "Hochwasserhose". Sind die Wachstumsfugen geschlossen, ist Schluss. Ihre endgültige Körpergröße erreichen Mädchen mit 13 bis 15 Jahren. Jungs etwas später, nämlich mit 14 bis 17 Jahren.

Schätzungsmethoden sind nur gering aussagekräftig

Wie groß die eigenen Kinder wohl mal werden? Dafür würden viele Eltern einen Blick in die Zukunft riskieren. Es gibt Rechenmethoden, um dies herauszufinden. Ein Beispiel: Körpergröße der Mutter plus die des Vaters, das Ganze geteilt durch zwei und das Ergebnis plus/minus mehrere Zentimeter - Aussage gleich null. Denn erstens wird hier unterstellt, dass sich die Erbanlagen beider Eltern auch genau gleich auswirken, was so gut wie nie der Fall ist und zweitens werden Faktoren, die ebenfalls Auswirkungen auf die Größe haben können wie zum Beispiel Ernährung oder intensiver Sport völlig außer Acht gelassen. Genauer scheint da die Methode, die Größe des Kindes zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verdoppeln. Bei Jungs nimmt man hierzu die Größe nach zwei Jahren, bei Mädchen die, die sie mit 20 Monaten erreicht haben. Aber auch dies sind nur Beobachtungswerte, die keinerlei Aussage über die wirkliche Entwicklung treffen können.

Deutsche Kinderärzte reagieren schnell

Sind in einer Familie viele Familienmitglieder kleiner als der Durchschnitt, so wird auch der Nachwuchs kaum viel größer werden. Dafür sorgen schon die Gene. Fällt einer aber besonders aus der Reihe, dann sollte man schon mal einen Spezialisten aufsuchen, um herauszufinden, warum das so ist. Fällt ein Kind bei den U-Untersuchungen dadurch auf, dass es außerhalb des in diesem Fall ziemlich großen Normbereichs der Wachstumskurve liegt - also unter der dritten oder über der 97. Perzentile - dann reagiert der Kinderarzt normalerweise. "Wenn Eltern aber unruhig sind, dann können sie um eine Überweisung bitten", erklärt Martin Wabitsch. "An jeder Universitätsklinik und in jeder größeren Kinderklinik gibt es in der Regel eine Fachambulanz für Wachstumsstörungen."

Nicht immer stecken Hormone hinter Wachstumsstörungen

Professor Wabitsch von der Universitätsklinik Ulm ist pädiatrischer Endokrinologe, also Facharzt für Störungen des Wachstums. Er sucht ganz gezielt nach den Gründen. Denn hinter einer Wachstumsstörung können unter anderem Probleme mit den Nieren, dem Darm oder dem Herzen stecken. Manchmal auch eine Mangelernährung oder eine psychosoziale Vernachlässigung, im schlimmsten Fall sogar ein Tumor.

Zunächst einmal werden die Kinder gemessen, der Verlauf und die Knochenentwicklung beurteilt und beobachtet, wie sich die Wachstumsgeschwindigkeit in Zentimetern pro Jahr zeigt. Mithilfe von Blutuntersuchungen und weiteren Tests können die Fachärzte dann feststellen, ob ein Wachstumshormonmangel vorherrscht und welche Gründe er hat. Von dieser Diagnose hängt selbstverständlich auch die Therapie ab. Ist ein Kind zu klein oder konstitutionell verzögert, gibt man ihm in der Regel etwas Zeit. Ist die Ursache aber ein Hormondefekt oder eine Hormonstörung, dann sorgt man für Ersatz - zumindest so lange, bis das Wachstum abgeschlossen ist. "Sollte ein Wachstumshormonmangel vorliegen, so ist es gut, wenn die Substitutionsbehandlung deutlich vor Beginn der Pubertät begonnen wird", erklärt Wabitsch gegenüber der Elternredaktion von t-online.de.

Nicht zu lange auf einen Wachstumsschub warten

Auch Annas Körper produzierte zu wenig Wachstumshormone. Sie war immer die Kleinste. Doch erst als sich der Abstand zur Schwester nicht mehr proportional entwickelte, wurde ihrer Mutter klar, dass sie handeln musste: "In dieser Phase zwischen sieben und elf habe ich als Mutter zugeschaut und auf den Wachstumsschub gehofft, dass er sich doch noch einstellt", berichtet sie in einem vom Pharmaunternehmen Merck ins Netz gestellten Film. Der erhoffte Wachstumsschub aber kam nicht. Als die Diagnose gestellt war, war Anna, so erzählt sie selbst, sehr erleichtert. Dank der Medikamente schoss ihr Körper in die Höhe und plötzlich setzten auch typische Pubertätserscheinungen ein. Annas Mutter freut sich regelrecht über das, was andere Mütter in den Wahnsinn treibt. "Wir sind jetzt in einer herrlichen Normalität angekommen, die altersgerecht ist und das ist einfach eine Erleichterung."

Langzeitfolgen einer Behandlung heute noch nicht absehbar

Was in dem Film nicht zur Sprache kommt, sind die Begleiterscheinungen, die jede Behandlung durch Medikamente mit sich bringt. Diese Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten, ist das Ziel der Spezialisten, die im optimalen Fall dies auch mit den Eltern und den betroffenen Kindern besprechen. "Wir als Endokrinologen versuchen nur zu ersetzen, was fehlt. Die Langzeitnebenwirkungen werden auch gerade erst studiert", erklärt Professor Primus Mullis vom Universitätsspital Bern auf Nachfrage von uns. Er geht davon aus, dass es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen geben wird. "Man weiß aber nicht, was die Kinder haben werden, wenn sie 60, 70 oder 80 Jahre alt werden. Die Therapie ist ja erst seit 30 Jahren installiert. Ich bin aber sehr positiv und hoffe, dass ich nicht enttäuscht werde."

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