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Pilotprojekt "KitaMobil" im Kampf gegen Landflucht

11.04.2013, 11:48 Uhr | Rochus Görgen, dpa

Pilotprojekt "KitaMobil" im Kampf gegen Landflucht. In Sachsen-Anhalt fährt ein spezieller "Schulbus" für Kleinkinder, das KitaMobil. (Quelle: dpa)

In Sachsen-Anhalt fährt ein spezieller "Schulbus" für Kleinkinder, das KitaMobil. (Quelle: dpa)

Viele junge Leute ziehen weg, Kitas und Schulen schließen - und dann suchen noch mehr Eltern das Weite. In der Altmark wollen Menschen den Teufelskreis durchbrechen - und haben nun Kanzlerin Merkel angelockt. KitaMobil heißt das Modellprojekt, bei dem ein eigener Fahrdienst die Kleinen zur Kita bringt und wieder abholt.

Über die Dorfstraße fährt ein Traktor beladen mit Dünger, die Fenster der alten Mühle sind eingeschlagen, die Filiale einer großen Videothek-Kette steht schon lange leer. Im Dorfkern von Jübar in der Altmark (Sachsen-Anhalt) trotzt ein bunter Spielplatz dem Grau in Grau. "Wir wollen, dass die jungen Familien nicht wegziehen", sagt Christiane Lüdemann (parteilos), die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, zu der Jübar gehört. Der Einwohnerschwund schmerzt. "Wir verlieren jährlich ein Prozent der Bevölkerung, aber müssen trotzdem alle Aufgaben einer Gemeinde erfüllen."

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Das KitaMobil holt Kleinkinder zu Hause ab

Wie das trotz knapper Kassen gehen könnte, will sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag im nahen Salzwedel ansehen. In dem Modellprojekt KitaMobil werden Kleinkinder von einem Bus zu Hause abgeholt, in eine Tagesstätte gebracht und wieder zurückgefahren - ein spezieller Schulbus für Kita-Kinder. Zwar ist in Sachsen-Anhalt der Anspruch auf den Kitaplatz schon lange verbrieft. Doch hier, wo 14.000 Menschen auf 500 Quadratkilometern leben, geht es nicht nur um das Angebot, sondern auch um die Erreichbarkeit.

Merkel sagte jüngst: "Ich mache diese Besuche, damit ich nicht nur theoretisch über die Gesetze nachdenke, sondern einfach auch Menschen treffe, die sich der Verantwortung stellen."

Die Kinder haben Spaß am Busfahren

Vor der schmucken Kita "Zum Bienenhaus" in Jübar, einem 1800-Einwohner-Ort, ist eine KitaMobil-Haltestelle eingerichtet. Pünktlich um zwölf Uhr zur Abholzeit fährt ein kleiner Transporter vor. Lucie (6), Jonas (5) und Albert (3) klettern in den Bus. Lucie strahlt. "Weil mir das so viel Spaß macht", sagt sie. Roswitha Heuer (59) ist für das KitaMobil als Begleitperson engagiert. Sie achtet darauf, dass die drei Kinder ordentlich angeschnallt sind.

Der Kita-Bus wird kostenpflichtig

Dann geht es in ein Nachbardorf. Die fünf Kilometer lange Fahrt dauert nur wenige Minuten. Am Ankunftsort stehen die Eltern vor einem Doppelhaus und warten auf den Bus. "Das ist eine gute Einrichtung", sagt Lucies Vater Stefan Freitag (39). Dauerhaft nutzen werde er das Angebot aber nicht - er ziehe bald aus privaten Gründen weg. Auch Sabrina Zander (32), die Mutter von Jonas und Albert, zögert noch. Allein drei Euro seien für die Begleitperson pro Fahrt zu zahlen, daneben 1,20 Euro für den normalen Fahrschein. "Die drei Euro sind leider zu teuer", sagt die arbeitslose Wirtschaftsjuristin. Doch solange das Angebot noch kostenlos sei, nehme sie es an.

Der Landkreis reformiert den ÖPNV

Seit rund sechs Wochen fährt das KitaMobil. Acht Familien und neun Kinder nutzen es bislang. Das KitaMobil ist der jüngste Baustein einer Reform des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis seit 2008: Weniger klassische Angebote wie Linienbusse, dafür mehr individuelle Angebote wie Busse, die auf Anruf kämen, erläutert der Geschäftsführer der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel (PVGS), Claus Riehn.

Hilft das Angebot gegen Landflucht?

Aber lässt sich das KitaMobil überhaupt finanzieren? Konkrete Zahlen nennt Riehn nicht. "Man kann hier nicht rein betriebswirtschaftlich denken", sagt er. Gefördert werde der Nahverkehr wie üblich vom Land, auch der Kreis gebe Geld hinzu. Seit der Reform sei es nicht teurer geworden. "Wir haben mit den gleichen Geldern anderes gemacht." Ob das KitaMobil den Bevölkerungsschwund stoppt, steht in den Sternen. Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Einwohner in der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf bis zum Jahr 2050 um mehr als 40 Prozent sinkt.

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