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Kampf um Kita-Platz: Schon Ungeborene werden angemeldet

26.07.2013, 13:54 Uhr | Christine Cornelius, dpa

Kampf um Kita-Platz: Schon Ungeborene werden angemeldet. Kita-Ausbau: In Pforzheim ist es besonders schwierig, einen Kita-Platz zu bekommen. Diese Kinder in der städtischen Kita Adolf-Haap-Haus haben Glück gehabt. (Quelle: dpa)

In Pforzheim ist es besonders schwierig, einen Kita-Platz zu bekommen. Diese Kinder in der städtischen Kita Adolf-Haap-Haus haben Glück gehabt. (Quelle: dpa)

Kinder unter drei Jahren in einer Kita unterzubekommen, ist in manchen Städten trotz des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz extrem schwierig. Zum Beispiel in Pforzheim. In der strukturschwachen Stadt am Rande des Schwarzwaldes liegt die Betreuungsquote laut Statistischem Landesamt bei nur 16 Prozent - das ist der niedrigste Wert in Baden-Württemberg. Mehr als doppelt so viele Kinder brauchen einen Platz.

Einmal musste Kita-Leiterin Cornelia Binder sogar einer Mutter absagen, deren Kind noch gar nicht geboren war. Trotz der frühen Anmeldung waren alle Betreuungsplätze schon vergeben. In Pforzheim haben es junge Eltern auf der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihr Kleinkind besonders schwer. "Sie melden sich in vielen, vielen Kitas an", erzählt die Erzieherin.

Schon namenlose Ungeborene werden in Kita angemeldet

Die Kita Adolf-Haap-Haus steht in der Südweststadt, einem gehobenen Wohnviertel mit einigen alten Villen. Die Kinder kommen eher aus gebildeten und gut situierten Elternhäusern, nur wenige haben einen Migrationshintergrund - sonst eher selten in der Stadt mit knapp 115.000 Einwohnern, in der nach offiziellen Angaben mehr als 80 Prozent der unter Dreijährigen ausländische Wurzeln haben. Die Kita ist begehrt. Auf der Warteliste stünden 20 Kinder, sagt Leiterin Binder. Genauso viele Krippenplätze gibt es in der Einrichtung - doch die sind schon vergeben.

Erzieherin Nadine Heiß sagt: "Es sind schon Kinder hier angemeldet worden, die noch gar keinen Namen hatten, weil sie noch gar nicht geboren waren." Viele Eltern hätten keine andere Wahl, als ihr Kind früh anzumelden. "Da sitzt der Arbeitgeber im Nacken, oder sie sind alleinerziehend."

Mangels Betreuungsplatz vom Arbeitgeber freigestellt

Zum 1. August tritt der bundesweite Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Ein- und Zweijährige in Kraft. Mutter Rahel Tesfay muss lachen, wenn sie das hört. "Das möchte ich sehen - wenn es keine Plätze gibt", sagt die 34-Jährige. Sie hat einen Bewerbungsmarathon hinter sich: Nach monatelanger Suche und neun Anmeldungen in unterschiedlichen Einrichtungen hat sie Betreuungsplätze für ihre beiden gut zweijährigen Töchter gefunden, einige Zeit später als geplant. Sie könne nun bald wieder arbeiten gehen, erzählt Tesfay. Ihr Arbeitgeber habe sie freigestellt, damit sie mangels Krippenplatz die Kinder betreuen könne.

Stadt hat zu spät in Krippenausbau investiert

Kita-Plätze für unter Dreijährige in den Bundesländern. (Quelle: dpa)Kita-Plätze für unter Dreijährige in den Bundesländern. (Quelle: dpa) Die niedrige Betreuungsquote erklärt Bürgermeisterin für Soziales, Monika Müller (SPD) vor allem mit Pforzheims Finanznot und Sozialstruktur. "Es wurde in der Stadt erst in den Krippenausbau investiert, als es zur Pflichtaufgabe wurde. Vorher fiel es immer dem Spardiktat zum Opfer." Jetzt mache die Stadt so viel, wie sie könne. Vor zehn Jahren habe es in Pforzheim noch so gut wie keine Betreuungsplätze für unter Dreijährige gegeben, weil kein Bedarf bestanden habe. Von daher sei eine große Steigerung geschafft, obwohl die Quote noch zu niedrig sei.

Den tatsächlichen Betreuungsbedarf für die Kleinkinder der Stadt schätzt Müller auf maximal 34 Prozent. Rund jedes dritte Kind bräuchte demnach einen Platz. Wegen der niedrigen Akademikerquote und des hohen Migrantenanteils von etwa 47 Prozent sei der Bedarf niedriger als in anderen Städten. "Es geben nicht unbedingt die Menschen ihre Kinder in Betreuung, die es wegen der Sprache am dringendsten bräuchten", sagt Müller. Bundesweit haben nach Schätzungen 39 Prozent der unter Dreijährigen einen Bedarf.

Bürgermeisterin: Stadt vom Rechtsanspruch auf Kita-Platz überfordert

Bürgermeisterin Müller ist unzufrieden mit dem Rechtsanspruch zum 1. August. "Man hat einfach einen Anspruch in die Welt gesetzt, ohne zu schauen, ob das wirklich zu schaffen ist", kritisiert sie. Sie rechne auch mit Klagen von Eltern. "Wir fühlen uns überfordert, auch weil Personal fehlt." Am Ende könnte es in Pforzheim zwar genug Kitaplätze geben - aber zu wenige Erzieher.

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