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Das Baby von Jeannine Klos wurde im Krankenhaus vertauscht

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Albtraum für Eltern  

Das ist nicht mein Kind!

01.11.2013, 15:36 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Das Baby von Jeannine Klos wurde im Krankenhaus vertauscht. Jeannine Klos hat den ultimativen Elternalbtraum durchlebt: ihr Baby wurde im Krankenhaus vertauscht. (Quelle: dpa)

Jeannine Klos hat den ultimativen Elternalbtraum durchlebt: ihr Baby wurde im Krankenhaus vertauscht. (Quelle: dpa)

"Egal, was passiert, du musst immer bei unserem Baby bleiben", warnte Jeannine Klos ihren Mann bereits während der Schwangerschaft. Immer wieder wurde sie von Angstphantasien geplagt, sah vor ihrem inneren Auge, dass man ihr Baby vertauschte. Die Ahnung wurde bittere Realität.

Es passierte nicht direkt nach der Geburt, sondern erst zwei Tage später. Zu einem Zeitpunkt also, an dem sie bereits Stunden damit zugebracht hatte, den Säugling zu fühlen, zu riechen, zu beobachten, wahrzunehmen. Und doch glaubte ihr niemand.

Bedenken wurden abgeschmettert

An den Moment, in dem sie merkte, dass das Kind, das man ihr brachte, nicht ihres war, wird sich Jeannine Klos ihr Leben lang erinnern. Der Schrecken sitzt noch heute tief, das merkt man ihren Worten an. In ihrem Buch "Übermorgen Sonnenschein" verarbeitet die heute Vierzigjährige ihre Erfahrungen. Sie beschreibt äußerst anschaulich die geäußerten Zweifel, die Gegenargumente des Personals und die eher halbherzigen Versuche ihres Umfelds, sie ernst zu nehmen.

Wirklich geglaubt hat ihr niemand, trug das Baby doch ein Namensbändchen und ließ sich anstandslos stillen. Und auch die Tatsache, dass der Säugling viel zierlicher war, mehr Haare hatte, andere Haut und ein anderes Temperament, ließ niemanden wirklich zögern. "Das ist normal, Säuglinge verändern sich manchmal über Nacht", war die Antwort der diensthabenden Schwester. Und hätte es dann nicht eine andere Mutter geben müssen, die ähnlich fühlt mit einem anderen Säugling?

Unwiederbringlich verlorene Lebenszeit

Natürlich kann man sich fragen, warum eine Mutter, die bereits in der Schwangerschaft von der Angst gequält wird, ihr Kind könne vertauscht werden, dieses überhaupt in den ersten Lebenstagen abgibt. Genauso kann man sich fragen, wie es passieren kann, dass ein Kind bei der Untersuchung U2 plötzlich ein ganzes Pfund leichter ist und trotzdem niemand die Bedenken der Mutter wahrnimmt. Fragen dieser Art gibt es viele, Erklärungsansätze auch, aber all das hilft den betroffenen Familien nicht weiter.

Beiden Müttern wurden aufgrund von menschlichen Fehlern die ersten Tage, Wochen und Monate mit ihrem Baby genommen. Eine Zeit, die unwiederbringlich verloren ist. Und im Fall von Jeannine und Ralf Klos' Tochter Lina noch nicht einmal mit Fotos dokumentiert wurde.

Ein Vaterschaftstest brachte Klarheit

Jeannine Klos beschreibt sehr anschaulich und teilweise stark emotional, wie sie sich langsam und immer noch zögerlich überzeugen ließ, dass keine Verwechslung vorliegen könne. "Wahrscheinlich waren es einfach nur die Schmerzen, die Geburt, die OP, die Hormone, der Schlafmangel, die sich zu einem explosiven Cocktail der Angst und Unsicherheit mischten", beschreibt sie ihre Eigenversuche, sich zu beruhigen, die auch gut funktionierten. Bereits nach kurzer Zeit war sich die junge Frau sicher, sie hätte überreagiert.

Selbst, als ihr und anderen immer wieder auffiel, dass das Baby keine Ähnlichkeit mit seiner Schwester oder seinen Eltern hatte, so ist es doch auch nichts Besonderes, dass ein Kind mal aus der Art schlägt.

Das Kuckuckskind hatte also seinen Platz in der Familie gefunden. Bis bekannt wurde, dass genau um den Geburtstag ihres Kindes herum in einer Saarlouiser Klinik zwei Babys vertauscht wurden. Das hatte man aufgrund eines Vaterschaftstests nun sechs Monate später durch Zufall entdeckt.

"Die Klinik war nun mein Feind"

Auf die Nachricht, dass sie und ihr Mann zu den betroffenen Paaren gehörten, reagierte Jeannine Klos daher auch nur einen kurzen Moment lang mit Genugtuung. Viel mehr Raum nahm die Verzweiflung ein, als die Ereignisse sich überschlugen. "Gleichzeitig zitterte ich bei dem bloßen Gedanken, dass es tatsächlich eine Verwechslung gegeben hatte. Ich klammerte mich an die Hoffnung, dass es nur ein Zufall sein möge, dass ich damals diese Zweifel gehabt hatte und dass mein Kind auch mein Kind bleiben durfte."

Sie fühlte sich zerrissen zwischen der Vorstellung, ihr eigenes Kind könne woanders, möglicherweise sogar in schlechten Verhältnissen aufwachsen und der, die so liebgewonnene Tochter abgeben zu müssen. Und dabei drängte sich eine Frage immer mehr in den Vordergrund: Wer, beziehungsweise, wie ist die andere Mutter?

Von Romantik keine Spur

Den Moment, in dem Jeannine Klos ihr leibliches Kind zum ersten Mal sah, wird sie nie vergessen. In einer ZDF-Fernsehsendung beschreibt sie ihre Gefühle, erzählt, wie sie im ersten Moment gedacht hat: "Das ist es auch nicht, so habe ich mir mein Kind nicht vorgestellt." Nichts entsprach der eher romantischen Vorstellung, dass sie, wenn sie ihr leibliches Kind zum ersten Mal sehen würde, kein anderes mehr wollte. "Es war schon so, dass ich mich da erst einmal annähern musste. Ich hatte nicht sofort diese Muttergefühle gegenüber dem Kind." Einer der vielen Punkte, die Jeannine Klos mit psychologischer Hilfe verarbeitet musste.

Ein schmerzhafter Abnabelungsprozess

Um die Schuldfrage geht es der Autorin nicht. Es geht um das, was in einer Mutter vorgeht, deren Kind vertauscht wurde. Die plötzlich einer fremden Frau im Teenageralter gegenübersitzt, die unwissentlich das eigene Baby durch seine ersten sechs Lebensmonate begleitet und dabei einiges anders gemacht hat, als man es selbst tun würde. Es geht um das erste Wiedersehen mit dem eigen Fleisch und Blut, um Abnabelungsprozesse und damit verbundenem Abschiedsschmerz.

Jeannine Klos beschreibt detailgenau, wie es in ihr ausgesehen hat, was in ihr vorging und wie es sich anfühlt, ein Kleinkind im Arm zu halten, das man selbst geboren, bis dato aber nie gesehen hat. Das Buch berichtet aber auch von Schuldgefühlen - Schuldgefühlen dem eigenen Kind gegenüber, aber auch dem, das einem in die Wiege gelegt wurde. "Ich fragte mich natürlich schon, ob es Leni ("falsche" Tochter von Jeannine Klos) auch gut ginge und ob Vanessa (die andere betroffene Mutter) sie annehmen würde. Aber ich spürte, dass es nicht mehr so wichtig für mich war. Das Leben mit Lina (die leibliche Tochter von Jeannine Klos) nahm mich einfach zu sehr in Anspruch und Leni rückte mehr und mehr in den Hintergrund." Das erschreckt und verursacht ein schlechtes Gewissen.

"Wir gingen durch die Hölle"

Die Reaktionen vor allem im Internet auf die vertauschten Babys empfanden Jeannine und Ralf Klos teilweise als ziemlich selbstgefällig. Viele Mütter zeigten sich ganz sicher, sie hätten vom ersten Moment an ihr eigenes Baby von tausend anderen Säuglingen unterscheiden können. Sprechen immer wieder vom fehlenden Mutterinstinkt. "Mir wurde wie noch nie zuvor bewusst, wie einfach es doch ist, ein schnelles und gnadenloses Urteil zu fällen. Ich nahm mir vor, fortan mehr darauf zu achten und vorsichtiger in meinen eigenen Bewertungen zu sein. Immerhin hatte ich auch die Tendenz, nicht wertfrei zu sein. Für irgendetwas ist es immer gut, wenn man einmal durch die Hölle gegangen ist."

Der Kontakt ist abgebrochen

Lina ist heute sechs Jahre alt. Für sie und ihre große Schwester ist es ganz selbstverständlich, dass sie anfangs eine kurze Zeit bei einer anderen, ebenso liebevollen Mutter aufgewachsen ist. Kontakt zu ihrer "Ziehmutter" besteht aber keiner mehr. Und das, obwohl zunächst ganz euphorisch der Gedanke der großen Patchworkfamilie und einer Patenschaft im Raum stand. Doch die beiden Welten waren zu verschieden. Jeannine Klos drückt in einem Brief an das junge Mädchen sehr deutlich aus, dass sie für die Zukunft keine enge Beziehung wünscht.

"Wenn man ehrlich ist, war es bis jetzt doch eher eine Verbindung aufgrund gemeinsamer Verzweiflung", schreibt sie. Und ein Kapitel, das sie letztendlich für sich und ihre Familie als positiv betrachtet, das sie nun aber hinter sich lassen möchte.

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