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Warum Kinder aus Trotz nicht teilen

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Trotzreaktion bei Kindern  

Unfair teilen? Nein, dann lieber gar nicht!

24.12.2014, 13:26 Uhr | dpa

Warum Kinder aus Trotz nicht teilen. Kleinkind: Kleine Kinder reagieren mit Trotz, wenn nicht gerecht geteilt wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kleine Kinder reagieren mit Trotz, wenn nicht gerecht geteilt wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Besser nichts für alle als weniger für mich: Kinder wollen nicht teilen, wenn sie dabei weniger als ihr Gegenüber erhalten würden. Hinter dieser Reaktion steckt nicht Enttäuschung, sondern Trotz, haben Wissenschaftler aus den USA in einer Studie herausgefunden.

Die Fähigkeit zur Kooperation mit Fremden ist beim Menschen im Vergleich zu Tieren besonders ausgeprägt. Unfaire Situationen lehnen Menschen aber ab - und das besonders, wenn sie selbst benachteiligt werden. Menschen sind sogar bereit, auf Dinge zu verzichten, damit andere nicht profitieren. Schon bei vierjährigen Kleinkindern lässt sich dies beobachten.

Korrektur der Rangordnung

Vergleichbare Studien mit Tieren lassen vermuten, dass dieses Verhalten stammesgeschichtliche Wurzeln hat: Auch einige Tiere lehnen eine weniger wertvolle Belohnung ab, wenn sie sehen, dass ein Artgenosse etwas besseres erhalten würde. Allerdings sind die Motive für ein derartiges Verhalten weitgehend unklar.

Bei Tieren gehen Verhaltensforscher davon aus, dass Frustration dahintersteckt. Beim Menschen wird dagegen eine Trotzreaktion vermutet. Indem Individuen ihre Benachteiligung ablehnen, korrigieren sie den Rang, den das bevorteilte Individuum hat. Mit anderen Worten: Es ist besser für mich, wenn wir beide nichts haben, als wenn du mehr als ich hast.

Verhaltensforschung mit Süßigkeiten

Das Forscherteam um die Verhaltenspsychologin Katherine McAuliffe von der Universität Yale ging nun dem Grund für das missgünstige Verhalten nach. Die Wissenschaftler schufen eine Spielsituation, in der in mehreren Versuchen Süßigkeiten unterschiedlich verteilt wurden. Einbezogen wurden Kinder verschiedener Altersgruppen sowie Erwachsene, die eine verschieden verteilte Belohnung annehmen oder ablehnen konnten.

Je zwei Situationen wurden getestet: Im ersten Fall bedeutete eine Akzeptanz, dass die Testperson selbst eine geringere Belohnung bekam als ein gegenüber sitzender Mitarbeiter des Studienteams. Im Fall einer Ablehnung erhielten beide nichts. In der zweiten Versuchssituation erhielt der Sitznachbar so oder so eine größere Menge Süßigkeiten. Die Testperson konnte durch ihr Verhalten nur beeinflussen, ob sie selbst eine kleinere oder gar keine süße Belohnung bekam.

Kleine Kinder zeigen klare Trotzreaktion

Das Ergebnis: Kinder im Alter von vier bis neun Jahren entschieden in der ersten Versuchsreihe mehrheitlich so, dass niemand der Spielbeteiligten eine Belohnung bekam. Für die Wissenschaftler spricht dieses Verhalten dafür, dass Trotz die treibende Motivation ist. Bei Frustration hätten die Kinder auch in der zweiten Versuchsreihe überwiegend abgelehnt, was aber nicht der Fall war.

Soziale Kontrolle bei älteren Kindern?

Erwachsene und ältere Kinder zeigten dagegen oft ein selbstloseres Verhalten: Sie gaben sich mit weniger zufrieden und gönnten ihrem Gegenüber die größere Belohnung. Die Wissenschaftler vermuten allerdings, dass zumindest die Erwachsenen fürchteten, als missgünstig zu gelten und ihr Verhalten an die sozialen Normen anpassten.

Die Verhaltenspsychologen regen an, genauer zu untersuchen, ab welchem Alter Kinder in der Lage sind, ohne Trotz auf mangelnde Gerechtigkeit zu reagieren, um mehr über die entwicklungsgeschichtlichen Wurzeln "des komplexen menschlichen Verhaltens von Kooperation und Wettbewerb", zu erfahren heißt es in der Studie, die in den "Biology Letters" der britischen Royal Society veröffentlicht worden ist.

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