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Warnstreiks in Kitas: Verdi droht mit Streiks bis in den Mai hinein

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Erzieher kämpfen um bessere Bezahlung  

Trotz Kita-Warnstreiks ist noch keine Einigung in Sicht

09.04.2015, 18:02 Uhr | t-online.de, dpa

Warnstreiks in Kitas: Verdi droht mit Streiks bis in den Mai hinein. Kita-Streik: Kita wegen Streik geschlossen - damit müssen Eltern in den kommenden Wochen bundesweit rechnen. (Quelle: dpa)

Kita wegen Streik geschlossen - damit müssen Eltern in den kommenden Wochen bundesweit rechnen. (Quelle: dpa)

Eltern müssen weiterhin mit Warnstreiks an Kitas rechnen. In der dritten Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst ist noch keine Einigung in Sicht. Streitpunkt ist die Eingruppierung in höhere Entgeltgruppen, was einer Gehaltserhöhung um durchschnittlich zehn Prozent entspricht.

Die Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) lehnen eine pauschale Erhöhung in der Höhe ab. Die Forderung summiere sich für Kommunen auf Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Gewerkschaft Verdi begründet ihren Anspruch mit den gestiegenen Anforderungen an Erzieher: In Kitas etwa gehörten Sprachtests, frühkindliche Bildung oder Arbeit mit den Eltern zum Alltag. "Das drückt sich schon lange nicht mehr in der Bezahlung aus", sagte Verdi-Verhandlungsleiter Onno Dannenberg.

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Parallel zu den Verhandlungen gab es am Donnerstag erneut Warnstreiks. In Düsseldorf blieben 20 von 101 kommunalen Kindertagesstätten geschlossen. In Thüringen legten nach Angaben der Gewerkschaft Erzieherinnen in 26 Kitas der Städte Erfurt und Gotha für einen Tag die Arbeit nieder. In Sachsen-Anhalt sollen sich rund 120 Erzieher der städtischen Kitas in Magdeburg und Burg am Streik beteiligt haben.

Dass Eltern mit ihrem Kind unerwartet vor verschlossen Kita-Türen stehen, ist jedoch unwahrscheinlich, da die Betreuungseinrichtungen in der Regel vorab über Streiks informieren.

Wertschätzung für Erzieher gefordert

Amely Poll von Verdi in Karlsruhe sagte, es gebe zwar eine breite gesellschaftliche Wertschätzung für die Arbeit in Kitas und sozialen Diensten. "Der Wert der Leistung schlägt sich aber nicht in der Bezahlung nieder." Verdi-Chef Frank Bsirske beklagte, dass die kommunalen Arbeitgeber eine bessere Bezahlung für Erzieher schlicht ablehnten und jeglichen Handlungsbedarf leugneten. "Wenn die Arbeitgeberseite diese Haltung weiter verfolgt, steuern wir auf eine scharfe Konfrontation zu." Derzeit seien die Tarifpartner weiter auseinander als bei Verhandlungen im Jahr 2009. Und damals, so betonte Bsirske, sei zwölf Wochen lang gestreikt worden.

Im aktuellen Tarifstreit sind Verhandlungstermine bis zum 12. Mai geplant. So lange sind auch Warnstreiks möglich.

Das fordern die Gewerkschaften für Kita-Personal

Die Gewerkschaften Verdi und GEW fordern eine bessere Eingruppierung und damit eine höhere Bezahlung der bundesweit rund 240.000 Kinderpfleger, Erzieher und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen.

Indirekt sollen von einem Tarifergebnis auch die mehr als 500.000 Beschäftigten bei freien und kirchlichen Trägern profitieren, da Tarifverträge dort übernommen werden oder als Orientierung dienen. Die Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) hat pauschale Erhöhungen wiederholt zurückgewiesen.

Diese Tabelle verdeutlicht die Forderungen von Verdi. Die angegebenen Entgelte sind der Brutto-Verdienst laut der seit 1. März 2015 geltenden Entgelttabelle für Erzieher im Öffentlichen Dienst (TVöD-SuE) in der Stufe 3 nach vierjähriger Tätigkeit.

TätigkeitEntgelt-
Gruppe
Gehalt
(brutto)
geforderte
Entgeltgruppe
Gehalt
KinderpflegerinS 32433 EuroS52756 Euro
ErzieherinS 62768 EuroS 102991 Euro
Leiterin Kita
bis 40 Plätze
S 72807 EuroS 113136 Euro
Leiterin Kita
70 bis 100 Plätze
S 133387 EuroS 16 3594 Euro

Verdi weist darauf hin, dass ein Großteil der Erzieherinnen nur in Teilzeit arbeitet und entsprechend weniger Einkommen zur Verfügung hat. In den westlichen Bundesländern haben demnach nur 40 Prozent eine Vollzeitstelle und in den östlichen sogar nur 25 Prozent.

Erzieher arbeiten an der Basis für Bildung und Integration

Die pädagogischen Anforderungen im Sozial- und Erziehungsdienst seien jedoch in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sagte Bsirske. Erzieher müssten Bildungspläne für jedes Kind aufstellen, Eltern- und Integrationsarbeit leisten. "Dieser Bereich wird wichtiger für die frühkindliche Bildung, für die Chancenentwicklung, für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, für die Inklusion."

Das Argument, dass die kommunalen Arbeitgeber kein Geld hätten, um Erzieher besser zu bezahlen, will Bsirske nicht gelten lassen. Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen seien deutlich gestiegen - und das setze sich nach allen Prognosen in den nächsten Jahren fort. "Wenn wir solche Argumente in dieser Situation akzeptierten, könnten wir uns mit der Aufwertung der sozialen Berufe gleich auf zwei bis drei Jahrzehnte vertagen. Das können wir uns gesellschaftlich nicht leisten", sagte der Verdi-Chef.

Viel Verantwortung bei schlechter Bezahlung

Die sozialen Berufe müssten dringend attraktiver gemacht werden, forderte Bsirske. Derzeit hätten die Erzieherberufe mit ihrer langen Ausbildung und der hohen Teilzeitquote wenig Reiz. Gleichzeitig steige aber die Konkurrenz um qualifizierten Nachwuchs. "So sorgt man nicht für die nötige Attraktivität des Berufsfelds", kritisierte Bsirske. Stattdessen seien Erzieher "konfrontiert mit dem eingebauten Zwang zum Zweitjob".

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