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Montagssysndrom: Warum die Kita-Woche mit Chaos startet

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Das Montagssyndrom  

Die Kita-Woche startet mit Chaos

30.05.2016, 07:59 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli, t-online.de

Montagssysndrom: Warum die Kita-Woche mit Chaos startet. Das Montagssyndrom stresst Erzieher.  (Quelle: dpa)

So stresst das Montagssyndrom die Erzieher. (Quelle: dpa)

Der Montag ist in vielen Kitas und Krippen ein besonders hektischer und stressiger Tag. Denn viele Knirpse drehen zu Wochenbeginn besonders auf und lassen sich nur schwer bändigen. Pädagogen nennen dieses regelmäßig wiederkehrende Chaos "Montagssyndrom". Eine Erzieherin berichtet über ihre Erfahrungen mit Zwergen, die nach dem Wochenende den Aufstand proben.

Daniela ist ein alter Hase in ihrem Job. Seit fast 35 Jahren arbeitet sie als Erzieherin und hat im Laufe ihre Berufstätigkeit neben kommunalen Kitas im Frankfurter Raum auch kirchliche und private kennengelernt. Zurzeit leitet sie eine Elterninitiative im Rhein-Main-Gebiet mit nur 22 Kindern.

Montagschaos: aufgedrehte und bockige Kinder 

Trotz unterschiedlicher pädagogischer Ausrichtung und Schwerpunkte der verschiedenen Kindergärten, gab es im Wochenablauf aller Einrichtungen, so Danielas Erfahrung, stets eine Gemeinsamkeit: Am ersten Tag nach dem Wochenende herrschte immer der Ausnahmezustand, gleichgültig wie groß oder klein die Kita war.

"Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert", erzählt die Pädagogin. "Man kann sich auch heute drauf verlassen, dass montags der Teufel los. Alle Kinder lärmen dann wild durcheinander, sind unausgeglichen, bockig und quengeln rum. Stillsitzen oder Zuhören klappt meist auch nur schwer", so schildert sie.

Außerdem komm es an diesem Tag viel öfter zu Streitigkeiten, weil die Kleinen weniger kompromissbereit seien und deshalb oft nicht gut zusammen spielen könnten.

Das Übel hat einen Namen

So fühlt sich Daniela bereits zu Beginn ihrer Arbeitswoche häufig ausgepowert und demotiviert. "Wenn dieser Tag regelmäßig so anstrengend beginnt, man alles tausend Mal zu den Kindern sagen muss - manchmal auch etwas lauter und resoluter - steht die restliche Woche manchmal wie ein riesiger Berg vor mir. Das vermiest mir häufig den Sonntag. Denn ich weiß ja, was mich am nächsten Morgen erwartet."

Das Phänomen hat sogar einen Namen: Montagssyndrom. Daniela findet diesen Begriff weniger passend. Dadurch entstehe der Eindruck, dass das auffällige Verhalten der Kinder etwas Krankhaftes sei.

Der andere Alltag am Wochenende

Über die Ursachen des Montagssyndroms sind sich Pädagogen einig. Schuld an dem Chaos, das die Kids veranstalten, ist nämlich das vermeintlich erholsame Wochenende in trauten Familienkreis.

"Wenn die Kinder nicht genug Auslauf haben und sich vielleicht bei Feierlichkeiten beziehungsweise Verwandtenbesuchen zurücknehmen müssen, drehen sie montags natürlich umso mehr auf, haben einen größeren Bewegungsdrang", erzählt die Erzieherin.

Verwöhnprogramm der Eltern

Sie nennt noch einen weiteren Grund: "Schwierig ist es auch, wenn die Eltern am Wochenende als Dauer-Animateure fungieren und das Komplett-Verwöhn-Programm abspulen. Dann haben die kleinen Lieblinge montags meist große Schwierigkeiten, wenn sie nicht mehr im Mittelpunkt stehen und sich wieder in die Kita-Gruppe einfügen müssen."

Mitverantwortlich für den Zwergen-Aufstand zu Beginn der Woche ist nicht selten auch vermehrter Fernseh- und Videokonsum oder Computer spielen, den die Kinder am Samstag und Sonntag vor allem dann auskosten, wenn das Wetter schlecht ist oder Mama und Papa mal richtig ausschlafen wollen.

Erzieher erfahren alles

"Meine Kollegen und ich kriegen auch ohne zu fragen meist sehr schnell mit, wie das Wochenende unserer Schützlinge verlaufen ist. Alles, was sie erlebt und gesehen haben, erzählen sie oder sie verarbeiten es spielerisch."

So wüssten sie, dass die etwas größeren Kinder manchmal in die nicht gerade altersgerechten Phantasy-Welten von Harry-Potter und Star-Wars eintauchten - die die Kinder meist völlig überforderten. Oder sie erführen, wenn es daheim Konflikte zwischen den Eltern gegeben habe.

Das Montagssyndromim Wald bekämpfen

Obwohl das Montagssyndrom offenbar zum Kindergartenalltag gehört, wie Noten zur Schule, will Daniela sich nicht mit wiederkehrenden Chaos nach dem Wochenende abfinden. Dabei nutzen sie und ihr Team den waldpädagogischen Schwerpunkt der Kita.

Der allwöchentliche Ausflugstag, an dem immer die große Gruppe der über Vierjährigen teilnimmt, wurde auf den Montag gelegt. So sollen die kleinen Energiebündel geerdet werden und sich wieder an die Gruppensituation gewöhnen.

Den sanften Übergang in die Woche schaffen

"An diesem Jour-fixe, der bei jedem Wetter stattfindet, können sich die Kinder an der frischen Luft auspowern. Dabei wird ihre aufgestaute Energie auf den Touren, wo wir zum Beispiel Kräuter sammeln oder Tipis aus Altholz bauen, in sinnvolle Bahnen gelenkt."

Gleichzeitig seien die Kinder aber an diesem Tag auch innerhalb der Gruppe gefordert. Sie müssten dann bestimmte Regeln einhalten und konzentriert sein, etwa wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs seien oder Straßen überqueren müssten. "Mit diesem pädagogischen Maßnahmenpaket nehmen wir Luft aus dem Montagskessel und schaffen ein sanften Übergang in die Woche."

Tobe- und Beruhigungsspiele einsetzen

Der Kampf gegen das allwöchentliche Tohuwabohu klappt auch bei den restlichen Mini-Rambos, die noch zu klein sind für längere Märsche und deshalb am Waldtag der Großen in der Kita bleiben.

Danielas Kollegen bieten dann gezielt Tobe-, Beruhigungs- und Gemeinschaftsspiele an. Sie helfen den Kleinen, sich wieder an die Abläufe im Kindergarten zu gewöhnen - bis zum Freitag, wenn alle erneut ins Wochenende starten.

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