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So lernen Kinder geduldig zu sein

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So lernen Kinder endlich geduldig zu sein

29.05.2013, 12:31 Uhr | dpa

So lernen Kinder geduldig zu sein. Wenn Kinder es mal wieder besonders eilig haben, sollten Eltern unbedingt Ruhe bewahren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn Kinder es mal wieder besonders eilig haben, sollten Eltern unbedingt Ruhe bewahren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Mama, Mama, Mama!" Sie zerren am Hosenbein, stampfen mit den Füßchen auf, quengeln und schreien. Wenn kleine Kinder etwas von ihren Eltern wollen, können sie fürchterlich ungeduldig sein. Das kann schon mal nerven, wenn man gerade beim Kochen ist, die Einkäufe wegräumt oder versucht zu telefonieren. Oft versuchen Eltern dann, schnell zu machen, es entsteht Hektik und das Kind brüllt noch mehr - nichts ist gewonnen! Mehr Erfolg haben Eltern, wenn Sie selbst Ruhe ausstrahlen und klare Ansagen machen. Mit diesen Tipps erziehen Sie Ihr Kind erfolgreich zu mehr Geduld.

Kinder müssen Geduld erst lernen. "Es geht um Emotionsregulierung, darum, Frustration auszuhalten", erklärt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München. Dafür benötigten kleine Kinder ihre Eltern. "Je feinfühliger die Erwachsenen mit ihnen umgehen, desto besser lernen Kinder, ihre Emotionen zu regulieren."

Klare Ansagen geben dem Kind Sicherheit und beruhigen es

Kocht die Mutter, klingelt das Telefon und schreit das Kind, weil es Aufmerksamkeit will, bringt es nichts, alle Aufgaben auf einmal bewältigen zu wollen. "Sind Sie gestresst, merkt das Kind das und weint noch stärker", sagt Cordula Lasner-Tietze vom Deutschen Kinderschutzbund in Berlin. Es bringe mehr, das Kind kurz auf den Arm zu nehmen und ihm ruhig zu erklären, warum man jetzt keine Zeit hat. "Die Kinder spüren die Ruhe der Eltern und beruhigen sich selbst."

Bereits Eineinhalbjährige verstünden, wenn ihre Mutter sagt: "Ich sehe, dass du jetzt gerade etwas von mir möchtest. Ich koche aber erst die Suppe fertig. Danach spiele ich mit dir", sagt die Sozialpädagogin Anke Weisensee. Kinder bräuchten diese Klarheit. "Sie gibt ihnen Sicherheit", erklärt die Leiterin des FamilienRaums in Darmstadt, einer Einrichtung mit Kinderspielgruppen und Kursen für Eltern.

Kinder einbinden

Gegen Ungeduld helfe auch, dem Kind einen Topf, Löffel und Schneebesen auf den Küchenfußboden zu stellen, damit es "mitkochen" kann, sagt Becker-Stoll. Oft gehe es dem Kind gar nicht darum, dass die Mutter mitspielt. Es reiche schon, wenn sie in der Nähe ist.

Haut der Nachwuchs mit den Fäusten gegen die Haustür, weil er sofort auf den Spielplatz will, während die Mutter die Tasche packt, verhält es sich ganz ähnlich. Es bringt dann nichts, in Hektik zu verfallen. "Binden Sie das Kind ins Packen ein: 'Hol doch mal die Schaufel und das Förmchen'", empfiehlt Becker-Stoll. "Kleine Kinder sind stolz, wenn sie helfen dürfen, und sind dann auch nicht mehr ungeduldig."

Wenn die Kleinen sich überschätzen

Kinder sind Entdecker. Sie drängen darauf, die Welt zu erforschen, auszuprobieren, zu lernen. Wie geht der Reißverschluss an der Jacke zu? Wie kommt der Fuß in den Schuh hinein? Sie versuchen wieder und wieder, sich selbst anzuziehen. Es gibt Stoiker, die es so lange ausprobieren, bis es klappt. Andere Kinder sind nach wenigen Fehlversuchen völlig frustriert und schmeißen brüllend die Schuhe in die Ecke.

"Die Kinder wollen diese Aufgaben unbedingt selbst erfüllen. Sie sehen noch nicht, was zu schwer für sie ist", erklärt Lasner-Tietze, die Trainer für die Kurse "Starke Eltern - starke Kinder" ausbildet. Das führt zu Frust. Ihre Eltern könnten ihnen dabei helfen, geduldiger zu sein. "Erklären Sie dem Kind, dass nicht alles beim ersten Mal klappt, sondern manchmal viele Versuche notwendig sind. Machen Sie Lust, es nochmal zu probieren."

Tobt und brüllt das Kind vor Enttäuschung, hilft erstmal nur Trost, sagt Becker-Stoll. "Dann braucht das Kind Unterstützung im Umgang mit dem Frust." Hat es sich wieder beruhigt, könnten die Eltern Tipps geben oder ihre Hilfe anbieten. "Fragen Sie das Kind, ob Sie helfen sollen. Manche Kinder wollen das partout nicht."

Eltern sind keine Unterhalter

Blöderweise suchen sich Kinder häufig besonders ungünstige Momente für ihre Selbst-Mach-Versuche aus. Muss die Mutter zur Arbeit, kann sie ihrem Knirps kaum geduldig beim Schuhanziehen zugucken. "Erklären Sie dem Kind 'Ich mache es jetzt für dich, aber heute Nachmittag darfst du es selbst probieren'", rät Lasner-Tietze.

Wollen Eltern ihren Kindern Geduld beibringen, müssen sie selbst geduldig sein. Das fängt damit an, den Kindern Zeit zu geben, ihre Umwelt zu entdecken. Und es ist wichtig, den Nachwuchs in Ruhe spielen zu lassen - ohne ständig zu stören oder reinzureden. Häufig nähmen Eltern die Spiele selbst in die Hand, indem sie Ratschläge oder Spieltipps geben, sagt Weisensee. "Das ist völlig unnötig. Sie sind der Notanker für ihr Kind, nicht der Unterhalter."

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