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Lernprobleme  

Therapiehunde helfen beim Lesen

24.04.2009, 16:07 Uhr | iri, AFP

. Kinder entspannen sich beim Streicheln der Hunde.

Kinder entspannen sich beim Streicheln der Hunde. (Foto: Archiv)

Ungeduldig zupft Dylan an seinem Dinosaurier-T-Shirt. "Wann kommt 'Emma' endlich?", fragt er die Bibliothekarin. Dann strahlt der Sechsjährige: "Da ist sie ja!" Gelassen erträgt "Emma" die stürmische Umarmung des Jungen. Die gut 40 Kilo schwere, schwarze Labrador-Retriever-Hündin ist die beliebteste Mitarbeiterin der Stadtbücherei von Princeton im US-Bundesstaat New Jersey. Jeden Freitag kommt sie mit ihrem Besitzer Joe Turner hierher und hilft Kindern, die Probleme beim Lesen haben.

Rund 2000 zertifizierte Therapiehunde-Teams

"Emma" und der 71-jährige Rentner sind eines von mittlerweile rund 2000 zertifizierten Therapiehunde-Teams, die ihre Dienste in Bibliotheken und Schulen der USA, aber auch in Kanada und einigen anderen Ländern anbieten. Das erste Programm dieser Art rief die Organisation Intermountain Therapy Animals (ITA) 1999 unter der Marke READ (Reading Education Assistance Dogs) im US-Bundesstaat Utah ins Leben. Andere kopierten das erfolgreiche Beispiel.

Abwechselndes Lesen und Streicheln entspannt die Kinder

Dylan hat sich mit "Emma" zwischen ein paar Sitzkissen gekuschelt. "Schau, mein Buch heißt Spaghetti!" "Emma" legt beide Vorderpfoten darauf und wedelt mit dem Schwanz. Nach drei Seiten Vorlesen bittet Dylan: "Ich möchte 'Emma' streicheln." Turner lässt ihn gewähren. Er greift nur ein, wenn der Junge nachfragt: "Kennt 'Emma' dieses Wort?" " 'Verdrießlich', sagt der Rentner, "ein schwieriges Wort!"

Hunde sind ideale Zuhörer

"Das Tier wirkt extrem beruhigend", erläutert Jugendbibliothekarin Ann Woodrow. "Die Kinder streicheln 'Emma' beim Lesen und entspannen sich völlig." Zudem seien Hunde ideale Zuhörer: "Sie verbessern nichts, lachen nicht über Fehler." "Emma" habe schon Vielen geholfen, berichtet Woodrow - vom russischen Adoptivkind, das mit der fremden Sprache kämpfte, bis hin zu Stotterern oder Kindern, die unter Legasthenie - also Lese- und Rechtschreibschwäche - litten.

Verbesserung der Lesefähigkeit

ITA zufolge werden bei Kindern, die Hunden statt Eltern oder Mitschülern vorlesen, deutlich weniger Stress-Symptome wie etwa hoher Blutdruck gemessen. Zudem zeigten Pilotstudien, dass Grundschüler nach einem READ-Programm ihre Lesefähigkeit verbessert hatten.

Liebe zu Büchern wecken

"Wir wollen aber auch ganz allgemein die Liebe zu Büchern fördern - oder erst wecken, wenn Kinder das zuhause nicht erfahren", sagt ITA-Geschäftsführerin Kathy Klotz. Damit verfolgt die Organisation dasselbe Ziel wie die UNESCO, die mit ihrem "Welttag des Buches" an diesem Donnerstag, den 23.April, nicht zuletzt junge Leute zum Lesen animieren will.

Therapiehunde mittlerweile auch in deutschen Schulen

Als Therapiehunde eignen sich laut ITA grundsätzlich alle Hunderassen vom kleinsten Terrier bis zum Riesenschnauzer. Auch in Deutschland werden sie bereits in manchen Schulen eingesetzt; in Stadtbüchereien sind sie aber hierzulande nicht zu finden. Bei der Stiftung Lesen in Mainz etwa wurde das Konzept nicht weiter geprüft, wie deren Sprecher Christoph Schäfer sagt. Er verweist dabei unter anderem auf budgetäre Gründe.

Therapiehunde-Teams arbeiten in den USA ehrenamtlich

Der Stadtbücherei Princeton ist die Entscheidung für ein Therapiehunde-Programm dagegen leichtgefallen: Es kostet sie keinen Cent. Wie fast alle derartigen Teams in den USA sind "Emma" und Joe Turner nach einer entsprechenden Ausbildung ehrenamtlich im Einsatz. Für Turner sind "Emmas" Erfolge bereits Lohn genug - zum Beispiel bei Hannah, die extrem schüchtern war. "Sie hat so leise vorgelesen, dass niemand sie verstehen konnte", sagt ihr Vater, Mark Scheibner. Selbst mit "Emma" brauchte Hannah gut ein Jahr, um ihre Scheu zu überwinden. Heute liest die Neunjährige flüssig und selbstbewusst. Doch sie kommt weiterhin fast jeden Freitag: "Weil ich 'Emma' so gern habe - und weil ich alle Bücher mag", sagt sie.


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