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Hausaufgaben  

Hausaufgaben – ein täglicher Kampf?

27.04.2009, 14:11 Uhr | Simone Blaß, ddp, t-online.de

Hausaufgaben – ein täglicher Kampf?.

Hausaufgaben sind oft größter Stressfaktor bei Eltern und Kindern. (Bild: Imago)

Bei vielen Eltern löst die bloße Erwähnung des Wortes "Hausaufgaben" bereits eine Steigerung des Blutdrucks aus. Denn das, was eigentlich als Lernzielkontrolle gedacht ist und die Selbstständigkeit der Schüler fördern soll, ist oft Stressfaktor Nummer eins in der Familie. "Mütter und Väter sind keine Nachhilfelehrer", betont Diplom-Psychologe Frank Hofmann aus Braunschweig.

Hausaufgaben führen oft zu Streit

Eigentlich hat das Kind am Nachmittag sein geliebtes Fußballtraining, ist mit der Freundin verabredet oder man selbst wollte noch die dringend notwendigen Schuhe für die Kinder kaufen gehen - doch die Hausaufgaben sind noch nicht fertig, das Kind trödelt, konzentriert sich nicht und schmiert und zu guter letzt kommt es zum handfesten Streit. Eine ganz typische Familiensituation, die so nicht sein muss. Genauso wenig wie das tägliche stundenlange Einüben des Schulstoffes.

Wie viel Zeit ist angemessen?

Der eigentliche Sinn und Zweck von Hausaufgaben ist, dass der in der Schule gelernte Stoff zuhause angewendet und vertieft werden soll und zwar selbstständig und in angemessener Zeit. Für diese "angemessene Zeit" gibt es allgemeine Richtlinien. Für die erste und zweite Klasse dreißig Minuten, für die dritte und vierte Klasse eine Stunde, Klassen fünf und sechs neunzig Minuten und für die oberen Stufen kann man von zwei Stunden pro Tag ausgehen. Mal mehr, mal weniger - aber im Durchschnitt sollte diese Zeit genügen und dem Kind die Möglichkeit geben, reichlich Raum für Freizeitaktivitäten zu haben.

Was mache ich, wenn mein Kind deutlich länger braucht?

Werden diese Zeiten regelmäßig überschritten, ziehen sich gar die Hausaufgaben täglich den ganzen Nachmittag hin und bestimmen das komplette Familienleben, dann stimmt etwas nicht. Das kann zum einen am Rahmen für die Hausaufgaben liegen, zum anderen an einer Über- bzw. auch Unterforderung des Kindes, das kann aber auch daran liegen, dass der jeweilige Lehrer die Situation falsch einschätzt. In den letzten beiden Fällen ist ein Gespräch mit der Lehrkraft angebracht. Meist aber ist das gar nicht nötig. Ein paar einfache Regeln genügen oft schon, um wieder Ruhe in eine vielfach emotions- und stressgeladene Situation zu bringen.

Der richtige Zeitpunkt ist individuell verschieden

Zunächst einmal ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt für die Hausaufgaben zu bestimmen und zwar am besten gemeinsam mit dem Kind. Denn ein Schulalltag ist anstrengend und Kinder reagieren darauf unterschiedlich. Die einen wollen so schnell wie möglich mit allem fertig werden, um den Kopf frei zu haben, die anderen brauchen erst einmal eine gewisse Zeit - entweder zum Ausruhen oder auch zum Austoben. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse sollte man bei der Planung berücksichtigen. Allerdings muss die dann ausgemachte Zeit auch eingehalten werden, von beiden Seiten.

Das optimale Umfeld

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Umfeld, in dem Hausaufgaben gemacht werden. Dazu ist es notwendig, dass das Kind einen ruhigen Platz hat, an dem es arbeiten kann. Das kann der Schreibtisch im eigenen Zimmer sein, das kann aber auch der freigeräumte Familienesstisch sein. Letzteres bietet sich vor allem bei Grundschulkindern an, die sich oft noch schwer tun, sich im eigenen Zimmer ganz alleine zu organisieren. Dann ist es manchmal notwendig, die Aufmerksamkeit des Kindes wieder auf die Aufgaben zu lenken.

Die Rolle der Geschwisterkinder

Auch Geschwisterkinder müssen jetzt Rücksicht nehmen und das arbeitende Kind in Ruhe lassen. Kleinere Geschwister kann man oft damit zur Ruhe bringen, dass sie auch "Hausaufgaben" machen dürfen. Größere können in manchen Fällen auch mal die Funktion des Nachhilfelehrers übernehmen. "Viele Kinder ziehen die Hilfe älterer Geschwister vor, da diese zumeist das Lehrbuch kennen, die besonderen Lernwege und Fachausdrücke beherrschen, vielleicht dieselben Schwierigkeiten durchzustehen hatten und somit oftmals gezielter und schneller helfen können als ihre Eltern“, berichtet Dr. Britta Kohler von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd aus ihrer langjährigen Erfahrung mit dem Thema. Die Autorin des Buches "Hausaufgaben. Helfen - aber wie?“ weist zusätzlich darauf hin, dass die älteren Geschwister diese Aufgabe in der Regel gerne übernehmen - sofern Zeit und Geduld nicht überstrapaziert werden.

Hilf mir, es selbst zu tun

In der Regel sollten Kinder aber in der Lage sein, ihre Hausaufgaben selbstständig zu bewältigen. Das heißt nicht, dass man nicht helfen darf. Am besten macht man das mit Hilfe zur Selbsthilfe. "Oft genügt ja schon ein kleiner Denkanstoß, ein Hinweis oder ein Ratschlag, um den ins Stocken geratenen Denkprozess wieder in Gang zu bringen und so die Fertigstellung der Hausaufgaben zu ermöglichen“, so die Dozentin für Erziehungswissenschaft. "Eine solche Hilfe nimmt dem Kind weder die Anstrengung noch das Erfolgserlebnis, aber sie kann ihm die Verzweiflung am Nachmittag ersparen und auch die Blamage am Schulvormittag, wenn die Aufgaben besprochen werden.“

Problem: Eltern zu emotional

Eltern fehlt die Distanz, die beispielsweise ein professioneller Nachhilfelehrer hat. Problematisch an der elterlichen Hausaufgabenhilfe sei außerdem, dass Vater und Mutter häufig der emotionale Abstand zu ihrem Nachwuchs fehle, so der Experte Hoffmann. "Sie neigen dazu, Antworten zu schnell vorwegzunehmen und Lösungen anzubieten", sagt Hofmann. Dem Kind bleibe dann keine Zeit, nachzudenken und sich selbst Lösungen zu erarbeiten. "Inder Folge verliert es schnell die Motivation, was wiederum Frustrationen bei den Eltern weckt." Im ungünstigen Fallbeeinträchtige dies Lernbereitschaft und Lernverhalten des Schülers.   

Das Kind behutsam zum Erfolgserlebnis führen

Die Lösungen vorzugeben hilft nämlich niemandem. Das Kind hat den Weg dahin trotzdem nicht verstanden und der Lehrer, für den die Hausaufgaben ja ein Feedback darstellen darüber, ob der Stoff verstanden wurde, bekommt davon nichts mit, weil die Aufgaben ja perfekt gelöst sind. Der Bildungsforscher Ulrich Trautwein, der sich ausführlich mit den Einflüssen von Hausaufgaben auf die Schülerleistung beschäftigt, hat hierzu in einem Interview mit  'Die Zeit‘ einen anschaulichen Vergleich gefunden: "Eltern wollen ihren Kindern helfen. Aber nicht immer wird aus 'helfen wollen‘ sinnvolle Hilfe. (...) Aktive Hilfe muss die Ausnahme bleiben. Das ist ein bisschen wie bei der Medikamentenvergabe. Wird kurzfristig interveniert, etwa bei Kopfschmerzen, ist es sinnvoll. Langfristige Interventionen dagegen führen zur Abhängigkeit. Es macht einen großen Unterschied, ob Eltern ihre Hilfe nur anbieten oder ob sie sich aufdrängen.“ Und Britta Kohler ergänzt: "Eltern, die ihrem Kind ständig bei den Aufgaben helfen, zeigen ihm im Grunde, wie wenig sie von seinen Fähigkeiten halten. Diese Einstellung kann sich auch auf das Kind übertragen, so dass es sich bald nicht mehr zutraut, sich mit einer Aufgabe eigenständig auseinanderzusetzen. Außerdem wird ihm so das schöne und beflügelnde Erfolgserlebnis genommen, das sich nur im Anschluss an eine selbstständig bewältigte Aufgabe einstellen kann.“

Das Selbstvertrauen stärken

Hausaufgaben sollten so sein, dass sie den Schüler herausfordern, er sie aber trotzdem bewältigen kann. Und genau da liegt oft das Problem. So manches Kind zweifelt daran, die Aufgabe schaffen zu können. Ein 'Ich kann das nicht‘ bedeutet oft nur 'Ich trau mir das nicht zu‘. Das zu erkennen, ist nicht immer einfach. Bieten Sie Ihrem Kind an, dass es sie jederzeit fragen kann, wenn es nicht weiterkommt und dass Sie die Ergebnisse mit ihm zusammen durchgehen. Stärken Sie aber auch sein Selbstvertrauen, indem Sie es motivieren, durch gezieltes Fragen anleiten, Lösungen alleine zu finden und richtige Arbeitsschritte loben.

Kinder müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen

Kinder sollten früh lernen, dass sie für ihre Hausaufgaben selbst verantwortlich sind. Dazu gehört das Führen eines Hausaufgabenheftes genauso wie die zuverlässige Durchführung. Natürlich kann man dem Kind hier - gerade anfangs - helfend zur Seite stehen. Man sollte ihm aber keinesfalls vermitteln, dass man jedes Mal einfach nur bei Mitschülern anrufen brauche, um zu wissen, was zu tun sei. Manchmal kann es sogar durchaus ratsam sein, es mal ohne gemachte Hausaufgaben in die Schule zu schicken, damit es die Konsequenz seiner Unaufmerksamkeit erlebt.

Kritik ist hier fehl am Platz

Ständiges Ermahnen, Kritik und Druck helfen dem Kind aber nicht weiter und bewirken lediglich, dass es keine Lust mehr hat und sich die alleinige Bewältigung von Aufgaben irgendwann auch gar nicht mehr zutraut. Nimmt das Kind die Hausaufgaben regelmäßig dazu her, um Streit vom Zaun zu brechen, dann kann das einen ganz einfachen Grund haben. Oft wollen diese Kinder nur mehr Zeit mit dem Elternteil verbringen und fordern so seine Aufmerksamkeit ein. Hier kann es bereits hilfreich sein, dem Kind eine gemeinsame Unternehmung in Aussicht zu stellen, wenn die Aufgaben fertig sind. Dazu ist kein großer Ausflug nötig. Ein gemeinsames Spiel oder das Ansehen eines Buches genügen oft schon.

Hilfe von außen kann durchaus sinnvoll sein

Wenn der tägliche Kampf um die Hausaufgaben aber zu schlimm wird und Sie die Situation nicht in den Griff bekommen, dann kann es sinnvoll sein, die Hausaufgabenbetreuung - vorübergehend - aushäusig zu organisieren, um den Familienfrieden wieder einkehren zu lassen. Auch Nachhilfe kann einmal angemessen sein und zwar dann, wenn das Kind Schwierigkeiten in einem einzigen Fach hat oder sich gerade durch Umzug, Scheidung, Schulwechsel oder andere ungünstige Bedingungen in einem Ausnahmezustand befindet. Der Nachhilfeunterricht sollte aber nicht zur Regel werden und hat auch nur dann einen Sinn, wenn das Kind ihm von sich aus zustimmt.

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