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"Gogos": Neuester Sammeltrend auf deutschen Schulhöfen

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"Gogos": Neuester Sammeltrend auf Schulhöfen

14.05.2009, 14:14 Uhr | rev, dpa

"Gogos": Nach "Wrestling-Chipz" und "Match Attax" der nächste Sammeltrend auf deutschen Schulhöfen."Gogos": Nach "Wrestling-Chipz" und "Match Attax" der nächste Sammeltrend auf deutschen Schulhöfen. (Bild: dpa) Kleine, knallbunte Winzlinge stehen sich in zwei Reihen gegenüber. Die Spieler versuchen abwechselnd mit einem ihrer wenige Zentimeter großen Zwerge möglichst viele Figuren des Gegners umzuwerfen. "Gogos" heißen die Gestalten, die bei Kindergarten- und Grundschulkindern in Deutschland derzeit der Renner sind. Die Hartplastikfiguren mit den Riesenköpfen haben vielerorts die "Wrestling Chipz" abgelöst und konkurrieren schon mit der nächsten Sammelmode: "Match Attax", Fußballkarten mit Fotos der Bundesligaspieler.

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Verbot sinnvoll?

"Die Kinder sind als Konsumenten-Zielgruppe in den letzten Jahren erheblich interessanter geworden", sagt die Vorsitzende der hessischen Schulpsychologen, Claudia Raykowski. "Die Trends werden auch in der TV-Werbung viel stärker gehypt." Sammeln sei zwar für Kinder in einem bestimmten Alter typisch, aber die Objekte wechselten schneller und seien auch teurer als früher etwa Murmeln, Heinzelmännchen- oder Fußballbilder. Die Kinder spielten damit zudem oft in einer "Art Glücks- oder Hütchenspielmanier". Dass viele Schulen den Umgang verbieten, hält die Psychologin für sinnvoll.

Auch ein Medienproblem

"Solche Wellen kommen immer wieder", sagt Schulleiter Ulrich Hecker aus Moers. Ein Verbot hält der Pädagoge, der Mitglied im Vorstand des Grundschulverbands ist, nicht für sinnvoll. Dies schaffe das Spiel ja nicht ab, "sondern drängt die Kinder ab und schafft eine Art Untergrund, den wir nicht wollen". "Besser als verbieten ist, man geht damit um." An seiner Schule werde im Klassenrat über den Umgang mit Sammeltrends und Abzocke gesprochen. Dabei vermittelten die Lehrer auch, was sie für Geldschneiderei ohne großen Spielwert hielten. Manche Eltern forderten allerdings ein Verbot. Auch mit ihnen werde gesprochen. Dabei geht es dann schnell auch um Medienerziehung. Denn manche Schüler spielen nicht nur mit "Wrestling Chipz", sondern sehen die Showkämpfe auch im TV und ahmen sie nach.

Schon "Wrestling-Chipz" sorgten für Chaos

Drei "Gogos" stecken in einer Tüte, die es für 1,50 Euro am Kiosk gibt, dazu gehört ein Stickerheft, in dem sich auch allerlei Spielanleitungen finden. Zu den "Match-Attax"-Karten - ein Päckchen mit sechs Stück kostet einen Euro - gibt es ein dickes Sammelalbum, das unter anderem ein Spielfeld enthält, auf dem sich die Bundesliga-Kartenmannschaften mit Punkten ausstechen. "Das Problem ist: Die einen Kinder können sich so was leisten und die anderen nicht", sagt Heike Gescher von der Sonnenblumenschule im südhessischen Langen. "Und wenn ein Sammeltrend vorbei ist, können die Kinder das nur noch verschrotten. Das will ja dann niemand mehr tauschen oder sammeln." Beim Zocken seien zudem die Viertklässler viel gewiefter als die jüngeren Schüler "und hauen die dann schon mal übers Ohr". "Wir hatten mit den 'Wrestling-Chipz' so viel Ärger, dass wir im Kollegium erstmals beschlossen haben, so etwas zu verbieten." Die Kinder hätten angefangen, sich die begehrten Plastikchips mit den Konterfeis amerikanischer Show-Ringer gegenseitig wegzunehmen.

Auf den richtigen Umgang kommt es an

"Alles Rigide hilft da nicht weiter", meint der Schulleiter der Anne-Frank-Grundschule in Köln, Hartmut Heuchel-Kleineidam. "Die Probleme werden ja nicht gelöst, indem ich nur etwas verbiete." Seine Schule versuche "einen Weg zu finden, dass die Kinder lernen damit umzugehen und die Eltern nicht aus der Verantwortung entlassen werden." Die Schüler dürfen derzeit "Gogos", "Wrestling Chipz" und Co. im Klassenzimmer zwar nicht aus der Tasche nehmen, sie aber auf dem Schulhof benutzen. "Wenn es zu Problemen kommt, also unfair getauscht wird, Karten verloren gehen oder sich Kinder übers Ohr gehauen fühlen, machen wir das auch mal zum Gespräch im Unterricht."

Gegenangebot kann Sammeltrends verdrängen

"Die Kinder sollen sich in der Pause lieber bewegen oder spielen, als zocken", begründet Ariane Lerch von der Carl-Orff-Schule im südhessischen Rodgau das Verbot an ihrer Grundschule. Ein breites Angebot an Spiel-, Sport- und Freizeitmöglichkeiten scheint das Interesse am Tauschen und Zocken zu verdrängen. In der Mierendorff-Grundschule in Berlin etwa sind die Sammelobjekte kein großes Thema, wie Schulleiter Joachim Nagel sagt. Die Ganztagsschule im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bietet neben vielen AGs eine einen Hektar große Freizeitfläche mit Sportplatz, Klettergerüst und Baumhaus. Oft sind auch die Mädchen ein Korrektiv. Denn die meisten Sammeltrends seien fast nur bei Jungen beliebt, weiß Hecker. Einem seiner Schüler sei die Spucke weggeblieben, als ihn eine Klassenkameradin beim Spiel mit den "Wrestling-Chipz" gefragt habe: "Das ist doch so ein fieser hässlicher Kerl. Wieso findest Du denn den so toll?"

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