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Pippi Langstrumpf feiert ihren 60. Geburtstag

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Jubiläum  

"Pippi" feiert ihren 60. Geburtstag

20.05.2009, 16:31 Uhr | rev, dpa

"Am Rande der kleinen, kleinen Stadt lag ein verwahrloster Garten. In dem Garten stand ein altes Haus, und in dem Haus wohnte Pippi Langstrumpf..." Das Buch, das mit diesen Worten beginnt, kennen Millionen Menschen weltweit. "Harry Potter" hin oder her - die neunjährige Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf bekommt noch oft als erste Kinderbuchheldin ihren festen Platz in den Kinderzimmern. Pippi macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt - und hat damit die Kinderliteratur auf den Kopf gestellt. Vor 65 Jahren schenkte Autorin Astrid Lindgren ihrer Tochter zum Geburtstag am 21. Mai das erste Manuskript, vor 60 Jahren - am 25. September 1949 - erschien das Buch erstmals in Deutschland. "Es war anders als alle Bücher, die ich bis dahin kannte", erinnert sich Silke Weitendorf. Sie war das erste Kind in Deutschland, das es in der Übersetzung lesen durfte.

Pippi begeistert Kinder

Die heutige Verlegerin war damals acht Jahre alt, als sie aus diesem ungewöhnlichen Buch vorgelesen bekam. Ihr Vater Friedrich Oetinger, Gründer des gleichnamigen Verlagshauses in Hamburg, war in einer Buchhandlung in Schweden auf das rothaarige Mädchen mit den beiden Zöpfen, das dort frech von Buchdeckeln schaute, aufmerksam geworden. Fünf deutsche Verleger hatten es bereits abgelehnt, er dagegen traf sich sofort mit der Schriftstellerin Lindgren (1907-2002) und nahm das Buch mit nach Deutschland. Seine Tochter Silke, schon damals eine "Leseratte", schloss das Mädchen mit den vielen Sommersprossen, den langen Strümpfen und großen Schuhen sofort ins Herz. "Ich war begeistert von diesem einfallsreichen und fantasievollen Mädchen", erzählt sie. "Eine Mutter hatte es nicht mehr, der Vater war weit weg - und trotzdem war es nicht traurig, sondern unheimlich lustig."

"Sie hat Kinderträume erfüllt"

Wer ist nicht schon als Leser mit Pippi vor ihrer Villa Kunterbunt in den hohlen Baum geklettert, wo Limonade wächst, oder war mit ihr als Sachensucher unterwegs? Die achtjährige Silke war bestimmt nicht das einzige Kind, das versucht hat, wie Pippi zu laufen: mit einem Bein auf dem Bürgersteig, dem anderen im Rinnstein - und dann wieder rückwärts, damit man sich nicht umzudrehen braucht. Pippi kann tun und lassen, was sie will, ins Bett gehen, wann sie möchte, mit dem Affen Herrn Nilsson durch das Haus toben und ihr Pferd auf der Veranda wohnen lassen, über Lehrer und Polizisten triumphieren und ihre Freunde Tommy und Annika mit verrückten Ideen verblüffen. "Sie hat Kinderträume erfüllt und Mädchen gezeigt, dass auch sie stark sein können. Wie hat mir, die ich ein ruhiges Kind war, das stärkste Mädchen der Welt imponiert", schwärmt die Verlegerin.

Erwachsene hatten ihre Bedenken

Doch Lindgrens beliebteste Heldin, zu deren Ruhm die erfolgreichen Verfilmungen erheblich beitrugen, traf nicht überall auf Gegenliebe. "Nicht alle Erwachsenen waren damals von ihrer Art begeistert, sondern fanden sie zu ungehörig und unerzogen", berichtet Weitendorf, die Pippi immer gern und heftig verteidigt hat. So lautete eine Beschreibung des frechen Mädchens in der Musterbibliothek des Erziehungsdepartemens Basel (1952): "...es kocht sich starken Kaffee und schmeißt hernach die Tassen zu Boden - merkwürdigerweise sind am anderen Tag immer wieder neue da -, es geht natürlich nicht zur Schule, lügt wie gedruckt, und seine Kameraden finden das bewundernswert ... Die originelle Grundidee des Büchleins ist zu originell und wirkt abstoßend. Wegen all dieser Unzulänglichkeiten lehnen wir dieses berühmte Pippi-Buch entschieden ab."

"Happy Birthday, Pippi!"

Doch ebenso war schon damals von der Revolution in der Kinderstube die Rede - und die war nicht aufzuhalten. "Ein Kinderbuch, das den pädagogischen Zeigefinger auslacht, und in dem das Kind sich gegen die Erwachsenen durchsetzt - das gab es bis dahin noch nie", sagt Weitendorf. Auch Kritiker überschlugen sich oft vor Begeisterung: "Der frechste und freiheitlichste aller Kinderromane", schrieb "Die Zeit" (1970). "Wir sagen Pippi Langstrumpf Unsterblichkeit und Weltruhm voraus", prophezeite die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schon 1950. Und lag damit richtig: In 57 Sprachen erschien das Buch, die deutschen Ausgaben haben sich bislang 7,5 Millionen Mal verkauft. "Happy Birthday, Pippi!" heißt es im Oetinger Verlag im Herbst. Dann wird das Haus das Jubiläum seines wichtigsten Buches mit zahlreichen neuen Produkten feiern - von "Pippi"-Strümpfen bis zum neuen Bilderbuch "Pippi findet einen Spunk".

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