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45 Stunden-Woche für Kids

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G 8  

45 Stunden-Woche für Kids

15.06.2009, 13:33 Uhr | sca

Junge steht vor einer Tafel.G8 bringt viele Schüler an ihre Grenzen. (Bild: Imago)Mit Aktionen an Schulen, Hochschulen und anderen Einrichtungen gehen vom 15. - 19. Juni in mehr als 60 Städten Schüler und Studenten in einen fünftägigen Bildungsstreik. Diese wollen unterstützt von Organisationen wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund auf Missstände im deutschen Bildungssystem aufmerksam machen. Der Protest der Schülerinnen und Schüler richtet sich gegen die verkürzte Oberstufe beim achtjährigen Gymnasium. Auch gegen Kopfnoten, die Zentralen Prüfungen und zu große Klassen protestieren die Kinder und Jugendlichen. Höhepunkt der Proteste sollen am Mittwoch Demonstrationen in 80 Städten sein, zu denen die Organisatoren 150.000 Menschen erwarten.#

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Streik gegen Bildungsmissstände

Die Liste der Kritikpunkte ist lang: Abschaffung der Studiengebühren, Verschulung des Studiums, Turboabitur (G 8), Zentrale Prüfungen, zu große Klassen und vieles mehr. "Ver.di-Chef Frank Bsirske stellte sich - auch im Namen des Deutschen Gewerkschaftsbundes - voll hinter die Aktionen. Forderungen - etwa nach der Einstellung von mehr Lehrern, der Schaffung von ausreichenden Ausbildungsplätzen oder gemeinsamem Lernen bis zur zehnten Klasse - seien mit den Forderungen der Gewerkschaften 'identisch'". Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt den Streik und fordert schon seit langem die Rücknahme der Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8) und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems.

Warum G8?

Im Schuljahr 2009/2010 haben mit Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein die beiden letzten Bundesländer das Gymnasium auf acht Jahre Schulzeit bis zum Abitur verkürzt. In den anderen Bundesländer wurde das verkürzte Abitur nach und nach seit 2003 eingeführt. Hintergrund war, dass deutsche Schüler und Schülerinnen im internationalen Vergleich später als viele andere in den Beruf starten und das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler beim PISA-Test. Von der Umstellung auf G 8 versprachen sich deutsche Politiker, dem in Kritik geratenen deutschen Bildungssystem zur Besserung zu verhelfen. Ein wünschenswerter und von den meisten beteiligten Gruppen zunächst auch befürworteter Ansatz.


Umsetzung in den Ländern

Die Schulzeitverkürzung von einem Jahr wird erreicht, indem der Stoff der Klassen 5-10 respektive 7-10 wie in Rheinland-Pfalz in einem Jahr weniger erlernt werden muss. Problem aber ist, dass die Verkürzung nicht mit einer Überarbeitung des Lernplanes und einer Reduzierung des zu bewältigen Stoffes einhergegangen ist. Dadurch ist die bildungspolitische Reform G8 eigentlich mehr zu eine zeitlichen Reform als zu einer inhaltlichen Reform geworden. Bedeutet, dass die Kinder den Stoff der Klassen 5-10 in den meisten Ländern nun in fünf Jahren lernen müssen. „Mit einem ausgearbeiteten Konzept wäre das vielleicht zu schaffen. Doch die Reform wurde und wird ohne entsprechende Konzepte durchgedrückt. Das heißt, das einzige Konzept lautet: 'Aus 6 Unter- und Mittelstufenjahre mache deren 5'“ (http://www.g8-abitur-nrw.de/).

 

G8 und Ganztagsschule

In einigen Bundesländern wurde die Reform mit der Umstellung auf Ganztagsschulen verbunden. Eigentlich ein sinnvoller Ansatz, bietet doch die Ganztagsschule idealerweise auch Kindern aus bildungsferneren Schichten Zugang zu Musik und Sport, Schach, Theater und Ähnlichem sowie eine Unterstützung bei den Hausaufgaben. Eine Hilfe, die mancher Elternteil aufgrund seines geringeren Bildungshintergrundes oder starker Arbeitsbelastung im Beruf nicht leisten kann. Auch kann die Ganztagsschule unter günstigen Bedingungen dem Biorhythmus von Kindern und Jugendlichen gerecht werden, indem sie zwischen anstrengenden und entspannenden Phasen abwechselt (Rhythmisierung). Wie aber soll eine Schule und die dort arbeitenden Lehrer tatsächlich rhythmisieren, wenn der Lehrplan 36 Stunden Unterricht pro Woche vorsieht? In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist die Umstellung noch weniger durchdacht gewesen. Wie die Stunden in weniger Jahren untergebracht werden sollten, darüber scheint sich niemand Gedanken gemacht zu haben. Überrascht stellte man fest, dass die gestiegene Zahl nicht in den Vormittagen unterzubringen ist. Für das Mittagessen, an das demzufolge auch niemand gedacht hatte, sorgen jetzt die Mütter und Väter. An vielen Stellen wird nachgebessert und ausprobiert, wie es besser laufen könnte.

„Mehr als jeder Tarifvertrag zulässt“

Deutlich mehr Stunden - und mehr Nachmittagsunterricht müssen Kinder und Jugendliche ab der fünften Klasse bewältigen: Bis zu 36 Wochenstunden etwa in Bayern, bis zu 35 sind es in Hessen oder Baden-Württemberg. Inklusive Hausaufgaben und Klassenarbeitsvorbereitungen hätten die Kinder inzwischen "eine 45- bis 50-Stundenwoche" zu absolvieren, hat eine baden-württembergische Elterninitiative kürzlich ausgerechnet - "mehr als jeder Tarifvertrag in Deutschland zulässt" (www.spiegel-online.de). Den Schülern würden durch den G-8-Stress "wichtige Jahre ihrer Kindheit und Jugend gestohlen". Viele Schülerinnen und Schüler in der G8 empfinden Dauerstress durch eine zu schnelle Abfolge an Themen und Inhalten und zu wenig Pausen und Abwechslungen. Es sind müde Kinder, die, wenn sie nach ihren acht Stunden - mit Hin- und Rückfahrt oft 10 Stunden Tag - nach Hause kommen, wenig Energie für andere Aktivitäten haben. Auch ein Mangel an Zeit für Hobbys und Freundinnen - unverplante Zeit - beklagen viele Kinder und Jugendliche zurecht. Selbst vor dem Krankwerden haben viele Angst, weil sie befürchten zuviel Unterrichtsstoff zu verpassen. Auch für Eltern bedeutet die Umstellung oft Dauerstress: Einerseits haben sie das Gefühl, ihre Kinder ständig zum Üben motivieren zu müssen, andererseits spüren sie den Druck auf ihren Kindern und fürchten sich um deren Gesundheit.

Auch Lehrer unter Druck

Als die Umstellung auf G 8 erfolgte, gab es in vielen Bundesländern nicht einmal die richtigen Schulbücher. Also mussten die Lehrer mit den für G9 konzipierten Büchern Vorlieb nehmen und kreativ werden. Durch den straffen Zeitplan bleibt den Lehrerinnen und Lehrern oft keine Zeit zum Wiederholen oder Vertiefen des Stoffes. Sie sitzen müden Kindern gegenüber, die oft schon in kürzester Zeit das Erlernte wieder vergessen haben. Zentrale Prüfungen und Vergleichsarbeiten erhöhen den Druck auf die Lehrenden. Sie müssen den Stoff "durchpeitschen", egal ob das zum Lerntempo ihrer Klasse passt oder nicht. Weil die Lehrer kaum Zeit zum Vertiefen haben, bleibt ihnen oft nur der Verweis an Nachhilfe-Institute, die seit der Umstellung auf G8 einen enormen Zuwachs verzeichnen.


Reform der Reform ist notwendig

Die meisten Eltern sind nicht gegen G 8. Das Abitur nach zwölf Jahren zu erreichen, erscheint ihnen zunächst sinnvoll. Die vehemente Kritik der genervten Schüler, Eltern und Lehrer richtet sich gegen die undurchdachte Umsetzung der Reform. Die Entwicklung zeigt ganz klar: Die G8-Reform bedarf dringend einer weiteren Reformierung. Der Lernstoff und die Wochenarbeitsstunden müssen reduziert werden. Denn auch PISA hat gezeigt: Entscheidend für den Lernerfolg ist das exemplarische Lernen, nicht die Menge des (auswendig) zu lernenden Stoffes. Wenn das nicht gelingt, geht die Reform zu Lasten unserer Kinder. Ob sie ein besseres Bildungsniveau erreichen, bleibt aber mehr als fraglich.

 

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