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Fast jeder dritte Schüler Mobbing-Opfer

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Mobbing  

Fast jeder dritte Schüler Mobbing-Opfer

16.06.2009, 12:34 Uhr | sca, dpa

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Worte sind manchmal härter als Schläge: Wird ein Schüler gemobbt, schauen die Klassenkameraden oft weg. (Bild: dpa)

Mobbing ist Schulalltag. Dem Gemobbten steht dabei oft eine Gruppe von Schülern gegenüber, die ihn morgens, nachmittags und manchmal auch nachts am Telefon schikaniert, missachtet, austrickst oder bloßstellt. An weiterführenden Schulen ist fast jeder dritte Schüler (31,2 Prozent) schon einmal von Klassenkameraden schikaniert worden. Opfer körperlicher Gewalt im Schulumfeld wurde beinahe jeder zehnte Schüler (9,7 Prozent). Das sind Ergebnisse einer Studie der Leuphana Universität Lüneburg. Als Mobbing-Täter sehen sich demnach 37,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen. 15 Prozent gaben an, sogar körperliche Gewalt gegen Mitschüler eingesetzt zu haben. Gewalttätig werden besonders häufig Jungen: Jeder fünfte (21,5 Prozent) gab an, schon einmal handgreiflich geworden zu sein. Bei den Mädchen sind es hingegen nur 6,5 Prozent.

Schüler zu Erfahrungen befragt

Im Auftrag der DAK hatte die Hochschule 1859 Schüler zwischen 10 und 18 Jahren zu ihren Erfahrungen in den vergangenen drei Monaten befragt. Teilgenommen hatten jeweils eine Haupt- und Realschule sowie jeweils zwei Gesamtschulen, Gymnasien und Berufsbildende Schulen in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Wo alterstypische Zickereien aufhören und Mobbing anfängt, sei pauschal nicht zu beantworten, erklärt Christian Böhm von der Beratungsstelle Gewaltprävention in Hamburg. Alterstypisch sei, dass mal der eine, mal ein anderer Opfer von Hänseleien und Schikanen wird. Wenn aber immer nur ein Schüler über einen längeren Zeitraum in der Schusslinie stehe und mit Symptomen wie Bauschmerzen, Angst oder Leistungsabfall reagiere, deute das auf Mobbing hin.

Opfer haben gesundheitliche Probleme

Bedrängte Schüler haben der Studie zufolge häufiger mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die Opfer von Mobbing und Gewalt bewerteten ihren Gesundheitszustand schlechter als nicht betroffene Schüler. 14 Prozent der Mobbingopfer leiden unter regelmäßig auftretenden Beschwerden wie Kopf-, Rücken-, Bauchschmerzen oder Schlafstörungen. Bei den nicht bedrängten Schülern sind es nur 4 Prozent.

Keine eindeutige Grenze zwischen Gut und Böse

Beim Mobbing lässt sich nicht immer eine klare Grenze zwischen Gut und Böse ziehen. "Es ist ganz interessant zu wissen, dass bei Mobbing die Täter häufig auch Opfer sind", erklärte die Pädagogin. Die Täter hätten in der Befragung häufiger bemängelt, dass Lehrer bestimmte Schüler bevorzugen oder benachteiligen, das Klima an der Schule und unter den Schülern negativ eingeschätzt und sich weniger zufrieden mit den eigenen Schulleistungen gezeigt.

Viele setzen oft auf Vermeidungsstrategien

Betroffene setzen häufig Vermeidungsstrategien ein: 30 Prozent der Mobbingopfer gaben an, sich eher zurückziehen und sich Probleme nicht anmerken lassen. Auch das Sozialverhalten Gemobbter unterscheidet sich von dem der anderen Schüler. 12 Prozent unternehmen nach eigenen Angaben nie oder selten etwas mit Freunden, bei den nicht betroffenen Schülern sind dies nur 4,3 Prozent.

Opfer kann sich alleine nicht helfen

Als Schwächerer schafft es das Opfer meist nicht, allein aus der Situation herauszukommen. Können Außenstehende helfen? Mitschüler, die Mobbing in ihrer Klasse beobachten, stehen oft vor der Frage: "Was passiert, wenn ich mich für meinen gemobbten Mitschüler einsetze?" Schließlich besteht das Risiko, selbst das nächste Opfer zu sein.

Mobbing-Situation wird von Klasse mitgetragen

Diese Fragen beschäftigen viele Schüler, sagt Frank Schallenberg, Diplom-Sozialpädagoge aus München. Im Jugendinformationszentrum der Landeshauptstadt bietet er jungen Menschen eine "Mobbing-Beratung" an. "Eine Mobbing-Situation wird immer von der ganzen Klasse mitgetragen", sagt Schallenberg. Für die einen geschehe das jedoch bewusster als für die anderen. Letztendlich seien aber neben dem gemobbten Schüler alle Mitschüler Leidtragende und die gesamte Klassenkultur betroffen. "Das Wichtigste ist, dass man die Mobbingsituation nicht zulässt." Eine aktive Reaktion der Mitschüler sei das A und O.

Angst, nächstes Opfer zu werden

Doch diese Reaktion bleibt oft aus: Viele Mitschüler, die scheinbar unbeteiligt den Schultag hinter sich bringen oder sogar Teil der Gruppe der Mobber werden, handelten aus der Not heraus so, sagt Torsten Gottschall, Diplom-Sozialpädagoge beim Mobbingnetzwerk-Nord in Kiel. "Es ist schlichtweg die Angst, das nächste Mobbingopfer zu werden." Daher sei die Gruppe, die sich mit dem Gemobbten identifiziert, Mitleid hat und ihm hilft, oft sehr klein. Der Kreis der aktiven Mobber, der Mitläufer, die zu den Starken und Beliebten gehören wollen, und derjenigen, die einfach wegsehen, sei oft deutlich größer.

Wegsehen ist der falsche Weg

Doch Wegsehen ist genau der falsche Weg. "Es kostet viel Mut", weiß Gottschall. Aber Mitschüler sollten aktiv werden und zum Klassen- oder Vertrauenslehrer oder sogar dem Schulleiter gehen. Das rät auch Willi Wieland, Mediator im Verband Freier Psychotherapeuten aus Kassel. "Nur im Verbund mit Vorgesetzten und mit Unterstützung der Klassengemeinschaft kann es gelingen, das Opfer zu schützen." Bei Mobbing gehe es immer um Macht und Schwäche. Da die Mobber in der Regel als Gruppe auftreten, sollte man ihnen zum eigenen Schutz auch als Gruppe entgegentreten. "So hat man eine realistische Chance, die Mobber einzuschüchtern", sagt Wieland.

Mitschüler sollten Lehrer kontaktieren

Alexander Hemker aus Hamburg wurde selbst jahrelang gemobbt, bis er der Situation durch einen Schulwechsel ein Ende setzte. Der 17-Jährige hat mit Freunden unter www.schueler-gegen-mobbing.de ein Netzwerk für Betroffene im Internet aufgebaut. Auch er rät Mitschülern, unbedingt den Kontakt zu Lehrern zu suchen. Denn als Betroffener hat er die Erfahrung gemacht, dass Lehrer eine gemobbte Einzelperson weniger ernst nehmen. "Wenn Mitschüler was sagen, hat das mehr Wirkung."

Gespräch mit Betroffenen wichtig

Neben dem Schritt in die Öffentlichkeit gibt es noch einen weiteren Weg, gemobbten Mitschülern zu helfen: "Ein persönliches Gespräch mit dem Betroffenen ist wichtig", sagt Torsten Gottschall. Denn ein Gemobbter steht meist alleine da und fühlt sich hilflos. "Da ist es wichtig zu spüren, dass es Menschen gibt, die für einen da sind", sagt er. Um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, empfehle es sich, das Gespräch so zu legen, dass die Täter nichts davon mitbekommen. Ein Telefonat sei dafür genauso gut wie ein Gespräch nach der Schule.

Schüler sensibilisieren

Mobbing findet oft unterschwellig statt. Es wird häufig kaum von der Umwelt wahrgenommen oder ignoriert. Willi Wieland, Mediator aus Kassel, rät deshalb, Mobbing generell mehr zu thematisieren. "In Schulen und Jugendgruppen sollte viel mehr über Mobbing gesprochen werden", sagt er. Dadurch würden die Schüler für Anzeichen sensibilisiert. Außerdem sinke die Hemmschwelle, selbst einzugreifen. "Schüler sollten das Thema selbst beim Lehrer anbringen."


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