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Einschulung: Wechsel von Kindergarten in Schule

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Einschulung  

Vom Kindergarten in die Schule

22.06.2009, 19:25 Uhr | Robert Scholz

Einschulung: Wechsel von Kindergarten in Schule.

Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule ist ein großer Schritt. (Bild: Imago)

Die glücklichen Kinderaugen, als sie die Zuckertüte mit all den Süßigkeiten entdeckten, die werde ich nie vergessen. Ich habe sie gehabt, wenn ich mir die Fotos von damals ansehe, meine Tochter hat sie gehabt - alle Kinder haben sie. Die Emotionen schlugen hoch bei diesen Feiern. Bei mir gab es ein Probesitzen auf den zukünftigen Schulbänken, die größeren Kinder führten ein Theaterstück auf in der Aula und meine spätere Klassenlehrerin nahm uns alle das erste Mal in die Arme. Eine Woche später war alles anders. Heute gibt es neue, flexiblere Modelle zur Einschulung.

Mit Zuckertüte und Herzklopfen

Die Zeiten haben sich nicht großartig geändert, was die Aufregung vor dem ersten Schultag angeht. Das Herz klopft und die Erwartungen sind hoch. Trotzdem schleicht sich auch ein ungutes Gefühl mit ein und mischt sich unter die allgemeine Euphorie in der Familie. Was wird mich erwarten? Wie werden meine neuen Schulfreunde sein? - Fragen, die eine gewisse Unsicherheit mit sich bringen. Ein gewohntes Umfeld muss verlassen werden, die Kindergartenkumpels gehen vielleicht in andere Schulen und die geliebte Kindergärtnerin ist nun für andere Kinder zuständig: Das kann ein kleines Kind schon verwirren, auch wenn es ab jetzt ein ganz „Großer“ ist.

Der „Übergang“ als Thema der Politik

Bildung ist Ländersache und auf den Tischen der Bildungspolitiker sind Kinderseelen immer in Gutachten, Studien und Paragrafen verpackt. Der Übergang wurde bis vor wenigen Jahren auch noch in zwei getrennte politische Zuständigkeiten zerteilt. Ab der Grundschule waren die Kultusministerien zuständig, davor die meist bei den Sozialministerien angesiedelten Familienpolitiker. Ende der 90er Jahre begann ein Umdenkprozess: Kinder sollten früher eingeschult werden. Die bis dahin tendenziell ansteigenden Einschulungs-Zurückstellungen von Kindern, galt es zu vermeiden. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt und den ersten PISA-Studien der OECD sollten Bildungslaufbahnen früher beginnen. Das verlangte in der Konsequenz eine bessere Verzahnung von Kindergarten und Grundschule. Ab 2005 wurde dies auch in Regelungen und Gesetze gegossen. Als erstes nahmen sich die Bildungspolitiker den bis dahin festgeschriebenen Stichtag der Einschulung vor. Dieser sollte nun zwischen dem 30. Juni und dem 30. September eines Jahres liegen können.

Änderungen bei Einschulung

„Einschulungen in einem laufenden Schuljahr werden möglich. Jüngere Kinder sollen Aufnahme in die Grundschule finden können, in begründeten Ausnahmefällen auch solche, die erst nach dem 31. Dezember des Einschulungsjahres das sechste Lebensjahr vollenden.“, so erinnert sich eine Veröffentlichung des Deutschen Jugendinstituts. Flexibilisierung wurde großgeschrieben in diesen Jahren und durchgesetzt. Die einzelnen Bundesländer gaben sich nun flexible Eingangstufen.

Der Stundenplan bestimmt den Tag

Trotz vieler Bemühungen um sanfte Übergänge: Von der Spielkiste zur Schulbank, das gleicht einem Übertritt in eine neue Welt. Regeln werden strikter, Pflichten werden eingefordert und Leistungserwartungen werden formuliert - von Eltern, von Lehrern. Auch wenn es nicht immer ausgesprochen wird, aber viele Eltern denken bereits in der Kita an die Zeit nach dem Schulabschluss. Sie denken an Qualifikationen für einen Arbeitsmarkt, der immer stärker wählen kann zwischen den geeigneten Kandidaten für eine Stelle. Das kann Eltern nicht unberührt lassen in ihren Bemühungen und Hoffnungen, die richtigen Weichen zu stellen für ihr Kind.

Johann zappelt, Lisa lutscht am Daumen

Dies alles ist für die Zuckertütenträger eine große Umstellung. Johann der Zappelphillip, Susi die Träumerin, Lisa die Daumenlutscherin und Karsten der Stille: Sie alle werden auf einen Großteil der bisher gewohnten Aufmerksamkeit verzichten müssen. Die Toleranz, die das Tagträumen und Zappeln in den letzten Jahren noch abfederte, wird in Klassenbüchern und Lehrerbewertungen immer weiter schwinden. Sie wird sehr bald zu Schulnoten gerinnen. Aber das harte Leben muss ja mal beginnen, könnte man sagen. Ja  - aber der Übergang bleibt ein harter Schnitt. Die kleine "Zuckertütenfee" und der kleine "Zuckertüterich", sie werden in die Welt von Leistung und Anspruch eingeführt. Die Planungen und Ideen von Familien- und Bildungspolitikern, diesen Schnitt nicht zu tief gehen zu lassen, sind sehr facettenreich.

Übergangsmodelle: Brücken und Null-Klassen

Sie sind verschieden und von Bundesland zu Bundesland anders gestaltet. Der Bund hat Programme angestoßen, die gerade im Zuge der PISA-Diskussion, eine bessere Verzahnung von Kita und Grundschule gewährleisten sollen. Die meisten dieser Programme sind auf Landesebene im Stadium von Modellprojekten. Sie sammeln sich unter Überschriften wie „Brückenjahr“, „Brückenklasse“, „Elementarklasse“, „Eingangsklassen“, „Basalklassen“ und „Nullte Klasse“. Alle betonen die Zusammenarbeit der einst getrennt gedachten Einheiten Frühförderung und Schule. Inhaltlich und in der Ausgestaltung ist die Vielfalt entsprechend groß. Hier kann Ihnen nur ein Blick auf die Internetseite ihres zuständigen Landesministeriums oder der kommunalen Verwaltung helfen und die Nachfrage bei den entsprechenden Eltern-Info-Veranstaltungen an Schulen und Kitas. Denn oft ist es auch innerhalb eines Bundeslandes den Grundschulen freigestellt sich überhaupt an den Programmen zu beteiligen beziehungsweise die inhaltliche Ausgestaltung festzulegen.

Vorschulklassen

Vorschulklassen gehören übrigens nicht in diese Kategorie. Sie sind schon immer bei den Kindergärten angesiedelt gewesen und wenden sich somit an nichtschulpflichtige Kinder. Es gibt sie immer seltener - sie werden zugunsten der neuen Modelle aufgegeben oder in diese integriert. Die Brückenklassen werden aber von der Grundschule aus gedacht. Sie sollen den früheren Eintritt der Kinder in den Schulalltag unterstützen und sind dort auch angesiedelt. Sie richten sich an schulpflichtige Kinder. Das Eintrittsalter in die Schule ist entsprechend dieser Bemühungen in den letzten Jahren schrittweise gesunken und liegt heute mehrheitlich bei sechs Jahren - in den Ländern Hessen, Berlin und Brandenburg sogar bei fünf Jahren.

Flexible Eingangsstufen

Susi träumt inzwischen erst ab 21.00 Uhr, Johann kann schon 20 Minuten stillsitzen, Lisa hat eine Spange gekriegt und Karsten überwindet sich mindestens einmal am Schultag sich zu melden: Die Kinder stecken schon mitten in der Mechanik des Alltags. Wie soll dieser nun im Übergang idealerweise aussehen, um PISA und früheren Berufseintritt gleichermaßen hinzukriegen. Grob formuliert könnte man sagen: Die Kindergärten sollen die Kinder früher vom Spielzeug zur Pflicht führen und die Grundschulen sollen die Aufmerksamkeit spielerisch auf die neuen Leistungskriterien lenken. Ein Ansatz in diese Richtung ist seit 2003 die flexible Eingangsstufe oder Kombiklasse - auch Flex oder GribS oder BeSTe genannt, je nach Bundesland. Mittlerweile haben sich neun Länder diesem Konzept angeschlossen und es in ihren Ländern eingeführt. Die Grundidee ist einfach und erinnert an die Volksschule vergangener Tage. In der Grundschule werden die Kinder in jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet. Der Stoff der Klassen eins und zwei (in Bayern auch der Klassen drei und vier) wird in mindestens einem bis maximal drei Jahren vermittelt. Die Schüler sollen individuell lernen und sich trotzdem in einen Klassenverband einfügen. Die Besseren können nach einem Jahr in die nächste Jahrgangsstufe versetzt werden, die Schwächeren können sich bis zu drei Jahren in den Schulalltag einfühlen. Ziel ist es, den immer größer werdenden Wissensunterschied auszugleichen und Zurückstellungen einzudämmen.

Ein Schultag geht zu Ende

Der Modelldschungel ist für die Eltern wohl ebenso anstrengend, wie das Stillsitzen für Johann, Susi, Lisa und Karsten. Sie gehen gemeinsam nach Hause und schwer hängt ihnen die Schultasche etwas zu tief am Rücken. Sie sind müde und sehnen sich nach dem Mittagsschlaf, den sie vor einem viertel Jahr noch blöd fanden. Schule ist ein Kindergarten nur für Politik und Wissenschaft. Die können sich in ihren Ideen austoben. Für Kinder ist es erst einmal eine fremde und stärker regulierte Welt. Die meisten von ihnen wollen aber Lernen und sind der Spielstunde im Kindergarten auch ein bisschen überdrüssig. Da bahnt sich dann ein ganz normaler Weltlauf seinen Weg - der Weg des Erwachsenwerdens.


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